Rene Brauer und seine Kollegen stehen vor einer ungewissen Zukunft

mlzCorona-Krise

Vor Corona waren die Auftragsbücher bei Veranstaltungstechniker Rene Brauer prall gefüllt, nun herrscht gähnende Leere. Wann Bühnen wieder bespielt werden dürfen, ist noch völlig unklar.

Castrop

, 13.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rene Brauer ist Veranstaltungstechniker in Castrop-Rauxel. Seine Firma Branded Sound an der Wartburgstraße bietet Bühnen sowie Bild-, Licht- und Tontechnik. Die Mitarbeiter errichten Bühnen oder begleiten Veranstaltungen als Tontechniker. Wegen der Corona-Krise sind Veranstaltungen allerdings rigoros gestrichen.

„Wir sind die ersten, die von den Maßnahmen betroffen waren“, erklärt Rene Brauer, „und wir werden die letzten sein, die wieder arbeiten dürfen.“ Durch die Corona-Krise sind „über Nacht 100 Prozent der Aufträge weggefallen“, so der Geschäftsführer. Seit über dreieinhalb Wochen gebe es nichts mehr zu tun.

Einnahmen sind verloren

„Für März und April waren die Bücher voll“, schildert Brauer. Eine komplette Tournee mit Mr. Irish Bastard, das E-tropolis-Festival in der Oberhausener Turbinenhalle oder Shows in der Matrix Bochum.

Doch nicht nur Konzerte sind Brauers täglich Brot. Theaterveranstaltungen, Fernsehproduktionen, Präsentationen der Industrie: Auch dort sind die Dienste von Branded Sound gefragt. „Vor Corona hat die Branche händeringend nach Mitarbeitern gesucht“, sagt Brauer, „derzeit sind wir de facto mit einem Berufsverbot belegt.“

Und was ihm und seinen Berufskollegen derzeit durch die Lappen geht, lässt sich nicht nachträglich erwirtschaften. „Was wir für März und April hatten, das ist jetzt weg, das kommt nicht einfach wieder. Wir sind ja kein produzierendes Gewerbe, wo man sagen könnte, wir machen jetzt ein paar Nachtschichten extra und dann kommt alles wieder rein“, erläutert Brauer. „Wenn jetzt noch die Festivalsaison im Sommer wegbricht, dann Prost Mahlzeit.“

Für Tontechniker Daniel Martin gibt es momentan praktisch nichts zu tun.

Für Tontechniker Daniel Martin gibt es momentan praktisch nichts zu tun. © Chrisian Püls

Brauer beschäftigt einen Azubi, zwei Teilzeitkräfte und rund ein Dutzend freie Mitarbeiter, je nach Art des Auftrags.

Einer dieser freien Mitarbeiter ist Tontechniker Daniel Martin. „Ich sitze momentan mehr oder weniger zu Hause“, sagt er. Vor drei Wochen seien Veranstaltungen am „laufenden Band abgesagt“ worden. Bis Mai gibt es praktisch nichts zu tun. „Ich gehe davon aus, dass auch im Mai noch Veranstaltungen abgesagt werden“, so Martin.

So kümmert er sich derzeit um Dinge, für die sonst kaum Zeit bleibt: Equipment instand setzen und Kabel sortieren. Doch diese Tätigkeiten spülen kein Geld in seine Kasse. Daher hat er Soforthilfe beim Land NRW beantragt. Für Betriebskosten und Lebensunterhalt.

9000 Euro Soforthilfe bewilligt

Auch Brauer hat 9000 Euro Soforthilfe bewilligt bekommen. „Das ist letztlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Der hilft, über die Runden zu kommen, wenn es darum geht Mieten und Sozialabgaben zu zahlen.“ Den wegbrechenden Umsatz fange die Soforthilfe nicht auf.

Veranstaltungstechniker Markus Nierhauve blickt ebenfalls plötzlich auf leere Auftragsbücher. Alle Veranstaltungen sind abgesagt.

Veranstaltungstechniker Markus Nierhauve blickt ebenfalls plötzlich auf leere Auftragsbücher. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. © Markus Nierhauve

Auch der Henrichenburger Veranstaltungstechniker perfectconcept hat Soforthilfe beantragt. „Alle Aufträge sind abgesagt“, erklärt Chef Markus Nierhauve, „es bleibt ja nichts mehr.“ Er beschäftigt fünf freie Mitarbeiter.

Doch auch alle Künstler, Agenturen, Hotels und Caterer seien von den ausgefallenen Veranstaltungen betroffen. „Das ganze Business ist auf Null gesetzt“, sagt Nierhauve, „alles im allem sind da mehr Menschen beschäftigt, als bei den Automobilbauern.“ Im Gegensatz dazu fehle es seiner Branche aber an einem starken Lobbyverband.

Teilzeitjob gegen Langeweile

Er hat aber Verständnis für die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Viruserkrankung - auch wenn sie seine Branche besonders hart treffen: „Das passiert ja aus vernünftigen Gründen. Was wir beruflich machen, ist nicht dringend, nicht lebensnotwendig.“

Sein Branchen-Kollege Brauer stimmt ihm da völlig zu, befürchtet aber auch fehlende Steuereinnahmen und eine wirtschaftliche Rezession in Deutschland. Persönlich hadert er ebenso mit der Situation. „Die Langeweile killt mich gerade“, so Brauer.

Lesen Sie jetzt