Rütgers-Betriebsingenieur Prions: „Wir haben die richtige Mannschaft“

mlzNeue Anlage

Zwei Skids aus der Schweiz ins Rauxeler Rütgers-Werk geliefert: Das war die Nachricht am 3. Juni. Aber was bedeutet das nun für den Standort? Wir sprachen mit Betriebsingenieur Peter Prions.

Castrop-Rauxel

, 04.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Peter Prions, Rütgers-Betriebsingenieur aus Mülheim an der Ruhr, sprach während des Schwertransports über dem Rütgers-Gelände mit unserer Redaktion. Er arbeitete vorher im alten und nun geschlossenen Phenol-Betrieb und wird auch in der neuen Anlage der Mann sein, der sich wie kaum ein Zweiter damit auskennt.

Der erste Skid ist auf den Transporter verladen. Peter Prions, Sie leiten das Projekt, was leisten diese Anlagen mehr als die alten?

Durch die Neuanlage wird ein großer Teil des Aromaten-Chemiebereiches außer Betrieb genommen. Damit können wir sehr viel Energie einsparen. Es ist ein neuartiges Extraktionsverfahren, das unsere Carbol-Aufarbeitung deutlich optimiert. Dadurch können Anlagen außer Betrieb genommen werden, die uns sehr viel Instandsetzungsarbeit abverlangen. Sie sind nicht mehr nach dem aktuellen Stand der Technik hergerichtet. Somit haben wir einen großen Meilenstein erreicht, um hier in Zukunft sicher weiter unsere Anlagen betreiben zu können.

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Was bedeutet dieser Tag in dem Prozess, den Sie begleiten?

Die Lieferung der Skids, einer Kernkomponente des neuen Anlagenteiles, ist wesentlich. Ab heute beginnt der Einbau im Anlagen-Umfeld. In diesem Monat werden alle anderen Komponenten geliefert. Danach beginnt die Komplettmontage, sodass die Anlage in recht kurzer Zeit in Betrieb gehen kann.

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Rütgers-Ingenieur Peter Prions: Damit können wir viel Energie einsparen

Warum haben Sie sich schon den Transport am Rhein angesehen?

Der Transport über den Wasserweg mit einem großen Rheinschiff, der Camora, war über eine App nachzuverfolgen. Darum bin ich von meinem Wohnort Mülheim auf die Rheinbrücke nach Duisburg gefahren und konnte genau sehen, wann das Schiff kommt. Ich habe ein paar nette Fotos gemacht, sodass man sieht, dass die Teile, die wir bestellt haben, auch wirklich da sind.

Waren Sie überrascht, als Sie das Schiff sahen?

Es war ein 180-Meter-Schiff. Die Skids, die jetzt hier sehr groß aussehen, die fallen in so einem großen Containerschiff gar nicht so wirklich auf.

Auf dem Gelände von Rütgers in Rauxel ist eine neue große Anlage per Schiff angekommen. Sie wurde mit riesigen Autogrammen auf ein Transportfahrzeug verladen.

Auf dem Gelände von Rütgers in Rauxel ist eine neue große Anlage per Schiff angekommen. Sie wurde mit riesigen Autogrammen auf ein Transportfahrzeug verladen. © Tobias Weckenbrock

Es gab in den vergangenen zwei Jahren Unruhe rund um die Schließung des alten Phenol-Betriebs mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Sind Sie froh, dass das Thema nun einem positiven Ende entgegen geht, oder wie würden Sie das heute hier bilanzieren aus heutiger Sicht?

Der jetzige Schritt mit der neuen Anlage bringt die Aromaten-Chemie wieder deutlich nach vorne. Wir stehen instandhaltungsmäßig und wirtschaftlich besser da. Ich glaube, das ist der richtige Schritt in die Zukunft. Gut, man nimmt etliche Anlagen außer Betrieb mit Inbetriebnahme der Anlage, aber ich glaube, es ist nur von Vorteil. Denn die Anlagenteile haben uns immer sehr viel Arbeit gemacht, speziell vor dem Hintergrund der Anlagenverfügbarkeit und Instandhaltung.

Was bedeutet das für den Standort Castrop-Rauxel? Sind Sie ähnlich euphorisch wie die Geschäftsleitung?

Das ist die richtige Strategie, weil wir die Anlage deutlich energieeffizienter betreiben können. Wir nutzen unsere Stoffe in einem Kreislaufsystem und haben dadurch auch weniger Abfälle. Bei der Energiepolitik, die wir haben, muss es so sein - sonst geht es ja nicht.

Wie geht es die nächsten Tage weiter?

Wenn die beiden Skids stehen, wird dazwischen eine Extraktionskolonne aufgebaut. Am 16. Juni kommen Kelteranlage, Dampfsättiger, also kleinere Anlagenteile, die wir wie ein Puzzle zusammensetzen. Dann kann es in einer überschaubarer Zeit losgehen.

Gab es in der ganzen Projektzeit Probleme, größere Stolpersteine?

In einem Projekt wie diesem hat man immer irgendwelche Probleme, aber ich glaube, wir haben die richtige Mannschaft dafür und ich bin zuversichtlich, dass es weiter positiv laufen wird.

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