Rütgers Germany schickt 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit

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Rütgers Germany schrieb monatelang gute Schlagzeilen. Jetzt schlägt Corona durch: Das Castrop-Rauxeler Unternehmen schickt 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Gehaltseinbußen fallen aber gering aus.

Rauxel

, 17.06.2020, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele gute Nachrichten sind von Rütgers in den vergangenen Monaten gekommen: neue Anlagen, volle Auslastung, keine Corona-Fälle, zuletzt Besuch der Bundesumweltministerin. Dann aber kam die Einladung zu einer Betriebsversammlung: Am Mittwochvormittag verkündete die Unternehmensführung um Günther Weymans, Manager im Mutterkonzern Rain Carbon, Bram D’hondt, CEO von Rütgers Germany, und Werksleiter Carsten Grabosch schlechte Neuigkeiten.

Die Corona-Pandemie, die weltweit die Wirtschaft trifft und auch vor der Industrie nicht halt macht, wirkt sich nun auch auf Rütgers in Castrop-Rauxel und Duisburg aus. Der 650 Köpfe umfassenden Belegschaft, die sich zu rund 80 Prozent in einem Telefon-Meeting zusammen fand, verkündeten die Chefs, dass Rütgers in Kurzarbeit geht. Darauf habe man sich mit der IGBCE und dem Gesamtbetriebsrat verständigt.

Kurzarbeit bei Rütgers auf sechs Monate angelegt

Auf sechs Monate sei die Kurzarbeit angelegt, erklärte Günther Weymans am Mittwoch kurz nach der Betriebsversammlung im Gespräch mit unserer Redaktion. Ab dem 1. Juli gilt für alle Mitarbeiter eine Vier-Tage-Woche. Ausgenommen sei nur Schichtpersonal in der Produktion und die Feuerwehr, Auszubildende, unterstützende Labors und Mitarbeiter der Logistik. Rund 400 Personen sind betroffen.

Nach einem Jahr 2019 der Rekordergebnisse sei nun mit dem aufwändigen Abschluss einiger Neubau-Projekte wie der HHCR-Anlage, dem Dual-Solvent-Prozess und der Abwicklung des defizitären Phenolbetriebs deutlich geworden, dass der Markt für die Produkte eingebrochen sei. Darum seien die Anlagen derzeit nicht mehr voll ausgelastet.

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Weymans sagte unserer Redaktion: „Die Märkte um uns herum brechen zusammen: Es fing schon im April an, da waren wir aber noch guter Dinge. Dieser Einbruch war viel schlimmer als in der Finanzkrise 2009. Wir haben das 2. Quartal noch relativ gut überstanden. Aber nachdem wir viele Projekte umgesetzt haben, merken wir nun, dass der Bedarf und die Arbeit weniger wird.“

Netto-Einkommensverlust zwischen 6 und 8 Prozent

Es könne sein, dass man die Kurzarbeit schon nach drei Monaten wieder aufhebe. Vorerst gilt sie aber. „Der Mitarbeiter hat 20 Prozent mehr Freizeit, aber zwischen 6 und 8 Prozent weniger Nettoeinkommen“, so Weymans. „Es ist Resturlaub zu nehmen, Urlaub 2020 zu verplanen, zudem sind Überstunden abzubauen.“ Auch die leitenden Mitarbeiter würden sich auf einen Tag in der Woche verständigen, an dem sie nicht arbeiten.

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Weymans selbst wird das sein, aber auch Bram D’hondt. Der sagte am Mittwoch: „Das erste Halbjahr war für viele Mitarbeiter sehr anstrengend. Wenn nun alle mehr Zeit haben und nur 6 oder 7 Prozent Lohneinbußen haben, bekommt man das schon hin.“

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