Der Rhein-Herne-Kanal soll in die Bewerbung um das Weltkulturerbe aufgenommen werden. © Stadt Castrop-Rauxel
Unesco-Weltkulturerbe

Ruhrgebiet will Weltkulturerbe werden: Castrop-Rauxel macht mit

Die industrielle Kulturlandschaft des Ruhrgebiets soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Castrop-Rauxel unterstützt die Bewerbung. Im Blickpunkt sind aber keine Industriegebäude.

Die chinesische Mauer, die Pyramiden von Gizeh oder der Nationalpark Serengeti in Tansania haben gemeinsam, dass sie Unesco-Weltkulturerbe sind. Jetzt soll sich die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ einreihen. Die Bewerbung wird auch von der Stadt Castrop-Rauxel unterstützt.

Vorangetrieben wird die Bewerbung von der in Dortmund ansässigen Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Ende des vergangenen Jahres hat sie der Stadtspitze das Konzept für die Eintragung in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes vorgestellt.

„Die Stadt Castrop-Rauxel hat sich in einer schriftlichen Absichtserklärung, einem sogenannten „letter of intend“, zur Unterstützung des Projekts bekannt“, informiert Stadtsprecherin Utra Stevens auf Anfrage. Die Absichtserklärung wurde am 9. November getätigt. „Der Kunst- und Gestaltungsbeirat wurde bereits beteiligt und begrüßt das Ansinnen“, so heißt es weiter.

Politiker werden sich noch mit dem Verwaltungsvorschlag beschäftigen

Aber auch der Stadtrat soll sich in einer der kommenden Sitzungen noch mit der Eintragung auf Grundlage eines Verwaltungsvorschlags beschäftigen. Andere Städte wie zuletzt Dorsten und Dortmund haben bereits Zustimmung signalisiert, in Dortmund wird der Rat das Thema im Februar behandeln. 21 Objekte stehen dort auf der Liste.

Sechs Elemente, die ganz oder teilweise auf dem Stadtgebiet von Castrop-Rauxel liegen, sind als Teil der „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ vorgesehen. Dabei handelt es sich anders als beispielsweise in Dorsten, das unter anderem die Zeche Fürst Leopold auf der Liste hat, in der Europastadt nicht um Gebäude, sondern um sogenannte „lineare Strukturen“.

Sie sollen auch in Zukunft als Verbindungen zwischen den bedeutenden Orten der Industriegeschichte im Ruhrgebiet erlebbar bleiben, so Stadtsprecherin Uta Stevens. Die Auswahl der Orte ergebe sich aus dem Konzept der Bewerbung, das das durch die Stiftung erarbeitet wurde. Die sechs Elemente:

  • Emscherhauptlauf
  • Emscherabschnitt zwischen Wasserkreuz Castrop-Rauxel und Hochwasserrückhaltebecken Ickern: Im Gegensatz zum restlichen Hauptlauf wird hier der Zustand im alten Betonbett besonders als Zeugnis der Vergangenheit hervorgehoben.
  • Köln-Mindener Eisenbahn (Hauptlinie) Hamm – Duisburg (RVR Grenzen)
  • Hamm-Osterfelder Bahn
  • Emschertalbahn
  • Rhein-Herne-Kanal

Erst einmal muss das Vorhaben auf die deutsche Tentativliste gelangen

Bis die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ tatsächlich Unesco-Weltkulturerbe wird, muss die Stiftung Industriedenkmalpflege einige Schritte überwinden. Zunächst soll das Projekt als Vorschlag des Landes NRW im Jahr 2023 auf die deutsche Vorschlagliste – die „Tentativliste“ – der Kulturministerkonferenz gelangen. Und die Konkurrenz ist durchaus groß. Erst danach würde sich die offizielle Bewerbung bei der Unesco anschließen.

Die Stiftung sieht in der industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet ein außergewöhnliches Zeugnis für die einschneidende Epoche der großmaßstäblichen Schwerindustrie in Kontinentaleuropa zwischen den

1850er und 1950er Jahren. Es sei „Europas Musterbeispiel für das Erbe von großmaßstäblichem Steinkohlenbergbau und Eisen- und Stahlproduktion“.

Die von der Unesco geführte Liste des Welterbes umfasst aktuell 1121 Stätten in 167 Ländern. Es handelt sich um Kulturdenkmäler , Naturstätten und solche, die sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe angehören. Im Ruhrgebiet ist bereits die Zeche Zollverein in Essen Weltkulturerbe.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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