In der Maschinenhalle des Schiffshebewerks Henrichenburg wird eine völlig neue Ausstellungswelt geschaffen. © Ronny von Wangenheim
Wir öffnen Türen

Schiffshebewerk: Geschichte wächst im Maschinenhaus in 3D aus dem Boden

Die Maschinenhalle des Schiffshebewerks Henrichenburg ist seit Monaten geschlossen. Und das nicht wegen Corona. Mit 3D-Animationen soll in dem Museum die Vergangenheit buchstäblich auferstehen.

Historische Technik und modernste Präsentation werden sich im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg verbinden. Deshalb ist seit vielen Monaten die Tür zur ehemaligen Maschinenhalle verschlossen. Hinter den Türen verbirgt sich eine Baustelle.

Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker weist auf Stellen im Boden. Hier standen bis vor Kurzem die gigantischen Pumpen und eine große Schaltwand. Ursprünglich gehörten sie nicht dort hin. Jetzt soll die wahre Geschichte wieder lebendig werden und das mit der Hilfe von „Augmented Reality“. Das bedeutet so viel wie „erweiterte Realität“.

In der Maschinenhalle des Schiffshebewerks Henrichenburg wurden alle Maschinen ausgebaut.
In der Maschinenhalle wurden alle Maschinen ausgebaut. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

3D-Animationen lassen dann vor den Augen der Besucher die Maschinen förmlich aus dem Boden wachsen, die in der Maschinenhalle standen. Dabei handelt es sich um Dampfmaschinen, mit denen schon früh Strom für das Schiffshebewerk erzeugt wurde.

Eingeweiht wurde das Hebewerk 1899, 1929 wurde es an das allgemeine Stromnetz angeschlossen. „Die Dampfmaschine war nach 30 Jahren also bereits überflüssig“, so Arnulf Siebeneicker. Später wurde sie abgerissen und verschrottet. Pumpen gab es nur zwei kleine.

Riesige Pumpen gehörten gar nicht in die Maschinenhalle

Als der LWL 1979 das Schiffshebewerk zu einem Museum machte, wurde überlegt, was mit dem Raum geschehen könne. Weil damals das Pumpenhaus an der alten Schleuse überflüssig wurde, baute man die großen und historischen Pumpen in die Maschinenhalle ein, fünf Mal so groß wie die Pumpen, die hier vor 100 Jahren waren. „Das sah sehr eindrucksvoll aus. Die Besucher haben aber nicht begriffen, dass die Pumpen hier nicht her gehörten“, so der Museumsleiter. Den riesigen Wasserverbrauch, den sie suggerierten, gab es nie.

Der Betrachter steht künftig vor einem Monitor und erkennt die einstigen Dampfdynamos und Pumpen. Der dünne Pfeil rechts oben zeigt auf die Stahlbänder im Boden. © LWL-Industriemuseum © LWL-Industriemuseum

Jetzt also Augmented Reality. Die Besucher werden vor sehr großen, schwenkbaren Bildschirmen stehen. Auf dem Boden werden die Grundrisse der Dampfdynamos, der beiden Pumpen und der Schaltwand angebracht. Digitale 3D-Projektionen werden nicht nur das Äußere der Maschinen im Raum erstehen lassen. Auch das Innenleben wird sich mitsamt den Funktionen öffnen. „Wir haben genaue Pläne von 1899, haben Grundrisse, Fotos und Schnitte durch die Maschine“, erläutert Arnulf Siebeneicker.

Auch Dauerausstellung wird neu konzipiert

Noch ist viel zu tun. Eine Tür zur ehemaligen Maschinenhalle des Schiffshebewerks Henrichenburg ist zurzeit ausgebaut und durch Platten ersetzt. Anders hätten die alten Pumpen nicht abtransportiert werden können. Sie werden übrigens beim LWL in Dortmund eingelagert. Auch im Inneren gleicht alles einer Baustelle. Schwere Betonsockel wurden herausgemeißelt. Die ersten der vielen notwendigen Kabel liegen schon bereit.

Neuigkeiten aus der Maschinenhalle des Schiffswerks Henrichenburg from Ruhr Nachrichten on Vimeo.

Wie immer, wenn man einen altes Gebäude „anfasst“, fallen neue Aufgaben auf. „Es wird noch ganz viel gemacht“, sagt Arnulf Siebeneicker. Die Halle soll sich später auch wieder für Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen eignen und mehr Zuschauer als bisher fassen können. Im vorderen Teil des Gebäudes wird zudem die Dauerausstellung zur Geschichte des Schiffshebewerks und der Binnenschifffahrt installiert. Im Juni 2021 sollen sich die Türen wieder für Besucher öffnen – dann wird eher die Frage sein, ob Corona das zulässt.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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