Hiebe mit der Holzlatte haben drastische Konsequenzen für den Täter

mlzUrteil in Abwesenheit

Hiebe mit einer Holzlatte, ausgeteilt in einer Kleingartenanlage, haben drastische Folgen. Der Geschädigte erlitt erhebliche Verletzungen, der Schläger erhielt ein drastisches Urteil.

Castrop-Rauxel

, 30.09.2020, 12:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abwesenheit schützt vor Strafe nicht. Das wird ein 48-Jähriger nun nach einer Gerichtsverhandlung, die ohne ihn stattfand, per Post erfahren. Der Mann war angeklagt, im Sommer vergangenen Jahres mit einer Holzlatte auf einen 59-jährigen Kleingärtner eingedroschen und ihn dabei schwer verletzt zu haben.

Diese Hiebe hatte der Angeklagte in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel auch unumwunden zugegeben, dabei allerdings auf Notwehr gepocht. Das Opfer wollte sich über Rauch- und Geruchsbelästigung beschweren. Denn nicht zum ersten Mal hatte sich auf der benachbarten Parzelle eine Männergruppe um ein Lagerfeuer versammelt. „Es roch wieder nach Plastik oder Gummi“, hatte er ausgesagt.

Offene Fragen

Weil er ein Handy dabei hatte, befürchtete der wegen Körperverletzung und schwerer Misshandlung mit einem gefährlichen Werkzeug Angeklagte, fotografiert zu werden. Und weil er sich angeblich von dem 59-Jährigen bedroht fühlte, schlug er mit einer Holzlatte zu. Insgesamt sechs bis sieben Mal, wie er vor Gericht einräumte.

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Ob dieser nur Abwehrgesten gemacht hatte, ob das Geschehen noch auf der Parzelle oder auf dem Weg davor passiert war, all diese Fragen sollte ein Zeuge klären helfen. Ein 30-Jähriger, von dem der Angeklagte zunächst nur den Spitznamen kannte sowie die Orte, an denen der ohne feste Adresse lebende Zeuge anzutreffen ist.

Trotz des Engagements der Polizei konnte der Zeuge zur ersten Fortsetzungsverhandlung nicht geladen werden. „Vielleicht bringt der Angeklagte den Mann beim nächsten Mal persönlich mit“, so das Wunschdenken. Das nicht erfüllt wurde.

Keine neue Bewährung

Denn der Angeklagte blieb ohne Erklärung fern, auch seine Pflichtverteidigerin hatte keine Information. Die Verhandlung wurde dennoch eröffnet. Nach der Feststellung, dass der erhoffte Zeuge nicht ermittelt werden konnte, hielt die Staatsanwältin ihr Plädoyer.

Keine Notwehr, der Geschädigte ein glaubhafter Zeuge, dazu zahlreiche Vorstrafen ließen keine positive Sozialprognose für den Angeklagten zu. Sie forderte eine Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung.

Der Richter packte in seinem Urteil noch zwei Monate drauf, erhöhte auf ein Jahr. „Die Schilderung des Angeklagten ist nicht lebensnah“, so seine Meinung angesichts der zahlreichen Schläge. Vielmehr war er davon überzeugt, dass keiner Einsicht in das Geschehen auf der Parzelle bekommen sollte.

Zudem ist der Angeklagte schon mehrfach wegen Körperverletzung verurteilt worden, stand zum Zeitpunkt der Tat zudem unter laufender Bewährung. Da war der heute 48-Jährige gerade erst wieder auf freiem Fuß. „Das hatte wohl keine abschreckende Wirkung“, so der Richter.

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