Schule mit mehr Standorten: Weniger Konflikte, aber mehr Pendelei und Bürokratie

mlzMartin-Luther-King-Schule

Die Martin-Luther-King-Schule hat heute drei Standorte. Die neue Schulleiterin spricht über Probleme von Schulen mit mehreren Standorten - denn genau das kommt wohl bald auf eine weitere Schule zu.

Castrop-Rauxel

, 21.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der ehemaligen Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG) in Ickern könnte schon im nächsten, aber vermutlich im übernächsten Schuljahr ein zweiter Standort der Gesamtschule Waltrop eröffnen. Mit dieser Frage beschäftigt sich der Schulausschuss am Donnerstag (21.11., 17 Uhr).

Aus aktuellem Anlass haben wir mit der Silke Fuckner gesprochen. Sie ist seit Beginn des Schuljahres 2019/20 kommissarische Schulleiterin der Martin-Luther-King-Schule, eine Förderschule mit den Förderschwerpunkten Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung und Sprache.

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Sie besteht seit Beginn des Schuljahres 2018/19 aus drei Standorten: In Castrop-Rauxel liegt der Hauptstandort an der Bahnhofstraße, unweit des Hauptbahnhofs, ein weiterer an der Uferstraße in Ickern. Der dritte Standort befindet sich in Oer-Erkenschwick.

An welchen Schulen waren Sie eigentlich zuvor tätig?

Ich war Konrektorin an der Hans-Christian-Andersen Schule in Castrop-Rauxel, eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache in Deininghausen. Davor war ich als Konrektorin an einer Schule für geistige Entwicklung in Herne.

Welche Ziele stehen als neue kommissarische Schulleiterin auf ihrer Agenda?

Im alltäglichen Schuljahresverlauf geht es zunächst einmal um die regelmäßige Unterrichtsversorgung und Förderung für unsere Schülerinnen und Schüler an allen Standorten. Dabei erscheint mir die Entwicklung eines intensiven Kontaktes zu Schülern und Eltern besonders wichtig. Außerdem sehe ich mich als Bindeglied für die drei Kollegien und für die Zusammenarbeit mit dem Schulamt und dem Schulträger.
In unserer konzeptionellen Arbeit sind wir auf dem Weg, uns als Verbundschule mit drei Standorten neu zu definieren. Dazu gehört unter anderem die Vereinheitlichung der Schulkonzepte sowie die konzeptionelle Arbeit in den Bereichen Pädagogik und Didaktik.

Welche Herausforderungen sind damit verbunden?

Als die größte Herausforderung erscheint zunächst die drei Standorte, bei denen es sich vorher um eigenständige Schulen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten gehandelt hat, zu einer „neuen“ Schule zusammenzuführen.
Wir sind zunächst einmal dabei, bestimmte Abläufe und Standards zu vereinheitlichen. Dazu gehören zum Beispiel gemeinsame Schulregeln, Schülerakten müssen vernetzt, die Sekretariate verknüpft werden und vieles mehr.

Wie machen sich diese Herausforderungen im Schulalltag bemerkbar?
Als Schulleiterin möchte ich die drei Schulorte möglichst häufig besuchen. Das führt zu langen Fahrzeiten und ich kann selbstverständlich nicht immer gleichzeitig an allen Standorten sein.

Wie lösen Sie diese Probleme?

Die wichtigsten Problemlösungen im Schulalltag kommen aus dem Kollegium selbst. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch der Schulträger hat uns intensive Hilfe und schnelle Unterstützung zugesichert. Konzeptionell arbeiten wir künftig mit Schulentwicklungsberatern der Bezirksregierung Münster zusammen.

Welche Herausforderungen haben Sie bereits gemeistert?

Wir können mit Stolz sagen, ein Anfang ist gemacht. Ich habe mir inzwischen einen Überblick verschafft und Strukturen aufbauen können, in denen ich als Schulleiterin konstruktiv für die Martin-Luther-King-Schule tätig sein kann.

Kann eine Schule mit mehreren Standorten auch Vorteile mit sich bringen?
Ja, die räumliche Trennung der Förderschwerpunkte führt dazu, dass sich spezialisierte Teams mit der Förderung der Kinder und Jugendlichen befassen und an den Standorten passgenaue Konzepte für den jeweiligen Förderschwerunkt angeboten werden können. Die Erfahrung zeigt, dass es für die Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung aufgrund negativer Vorerfahrungen eine große Herausforderung ist, soziale Beziehungen aufzubauen. Kleinere Standorte, wie wir sie jetzt in Castrop-Rauxel haben, können dabei helfen, Konflikte zu vermeiden.

Welchen Tipps geben Sie Schulen mit zwei oder drei Standorten?

Kollegium und Schulleitung sollten flexibel sein, Prioritäten richtig setzen und sich untereinander gut vernetzen. Dabei denken wir in erster Linie an unsere Schülerinnen und Schüler, deren Förderung unser Hauptanliegen ist.

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