Schulstunde an der FNR dauert 67,5 Minuten

Mehr Zeit fürs Lernen

An der Fridtjof-Nansen-Realschule (FNR) in Habinghorst dauert eine Schulstunde seit diesem Schuljahr nicht mehr 45, sondern exakt 67,5 Minuten. Damit will die Schule auf die geänderten Anforderungen des modernen Schulunterrichts reagieren. Welche Vorteile hat das neue Stundenmodell?

CASTROP-RAUXEL

, 21.09.2017, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schulleiter Alfred Horn am großen Klassenplan. An seiner Fridtjof-Nansen-Schule wurde ein neues Stundenformat eingeführt. Eine Lerneinheit dauert seit Anfang des Schuljahres 67,5 Minuten. Man will damit den Schultag beruhigen.

Schulleiter Alfred Horn am großen Klassenplan. An seiner Fridtjof-Nansen-Schule wurde ein neues Stundenformat eingeführt. Eine Lerneinheit dauert seit Anfang des Schuljahres 67,5 Minuten. Man will damit den Schultag beruhigen.

"Wir hatten in den vergangenen Jahren immer mehr das Gefühl, dass sich das 45-Minuten-Modell weder auf Lehrer noch auf Schüler gut auswirkt“, sagt Schulleiter Alfred Horn. Hektik und Stress seien die deutlichsten Folgen des bisherigen Stundenmodells gewesen – ein Modell, das laut Horn mittlerweile einfach nicht mehr zeitgemäß sei. Denn: „Nicht nur das Medienverhalten unserer Schüler, sondern auch die Lehrmethoden haben sich in den letzten Jahren verändert.“

Mehr Gruppenarbeit, mehr Arbeit mit Laptop und PC – das koste nun einmal mehr Zeit. Und die war früher schon recht knapp – zumal die Wege zwischen den Klassenräumen an der mehrere Gebäude umfassenden FNR weit sind.

Horn veranschaulicht das Problem an einem Beispiel:

Ein Lehrer, der in einem hinteren Gebäudetrakt unterrichtet, beendet die Stunde. Er wartet, bis alle Schüler den Raum verlassen haben, wird dann auf dem Weg zum Lehrerzimmer aufgehalten. Noch bevor er am Lehrerzimmer ankommt, klingelt es bereits zur nächsten Stunde. Der Weg bis zum Klassenzimmer, in dem er dann unterrichtet, beträgt gut 100 Meter. Er kommt zu spät. Und bis sich im Klassenraum alles geordnet hat und die Schüler aufmerksam sind, sind bereits zehn Minuten wertvolle Lernzeit verloren. „Das ist ja keine Seltenheit. So etwas summiert sich dann“, erklärt der Schulleiter.

Also suchte man an der FNR nach Lösungen – und stieß auf das 67,5-Minuten-Modell. Man tauschte sich mit einer Schule aus Herne aus, die dieses Modell bereits seit fünf Jahren praktiziert, und holte Lehrkräfte, Eltern und Schüler bei der Entscheidung mit ins Boot. Die Vorteile des neuen Konzepts liegen für Horn auf der Hand: Vier statt sechs Unterrichtseinheiten am Tag bedeuten weniger Zeitverlust durch Raumwechsel und mehr Zeit fürs Lernen.

Schulbeginn und Unterrichtsende bleiben gleich

Die großen Pausen wurden von 15 auf 20 Minuten verlängert. Außerdem werden die Rucksäcke der Schüler leichter, da pro Tag nicht mehr so viele Unterrichtsfächer wie früher auf dem Stundenplan stehen. An der Zahl der Lehrminuten pro Fach ändert sich allerdings nichts. Im Endeffekt gleiche sich alles aus, wie Horn betont.

Und auch am Schulbeginn und Unterrichtsende hat die FNR nicht geschraubt. Beginn ist weiterhin um 8 Uhr, Unterrichtsende bzw. Mittagspause um 13.15 Uhr. „Das war uns wichtig. Viele unserer Schüler kommen mit dem Bus. Die Fahrzeiten und Unterrichtszeiten sind aufeinander abgestimmt“, erklärt der Schulleiter.

Positive Rückmeldungen

In Stein gemeißelt ist das 67,5-Minuten-Modell an der FNR allerdings noch nicht. „Wir haben jetzt erst einmal eine einjährige Probephase. Bislang gab es aber nur positive Rückmeldungen von Lehrern und Schülern“, so Horn weiter. Abgesehen von weniger Hektik und Stress könnte das neue Konzept auch einen weiteren positiven Effekt haben: eine bessere Vermittlung der Lerninhalte. Das deutet sich laut Horn zumindest an, ließe sich aber nach so kurzer Zeit noch nicht bewerten.

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