Sein Freund der Baum

CASTROP-RAUXEL Antonius Mertenskötter schreibt Geschichte. Baumgeschichte. Dazu besucht der Mitarbeiter des städtischen Bereichs Stadtgrün und Friedhofswegen seit rund zehn Jahren zwei Mal jährlich alle 7500 Straßenbäume der Europastadt.

von Von Gabriele Regener

, 29.09.2007, 08:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der gelernte Baumschuler, aufgewachsen auf einem Bauernhof im Westfälischen, steht seit 28 Jahren in den Diensten der grünen Stadt. Zunächst Revierleiter, wurde er von Amtsleiter Oldengott beauftragt, ein Urkataster der städtischen Bäume anzulegen. Ein hartes Stück Arbeit. Immerhin gehören der Stadt rund 7500 Bäume entlang der Straßen, dazu kommen etwa 10 000 Bäume auf Grünflächen wie Parks, Schulhöfen oder Friedhöfen.

Der gelernte Baumschuler, aufgewachsen auf einem Bauernhof im Westfälischen, steht seit 28 Jahren in den Diensten der grünen Stadt. Zunächst Revierleiter, wurde er von Amtsleiter Oldengott beauftragt, ein Urkataster der städtischen Bäume anzulegen. Ein hartes Stück Arbeit. Immerhin gehören der Stadt rund 7500 Bäume entlang der Straßen, dazu kommen etwa 10 000 Bäume auf Grünflächen wie Parks, Schulhöfen oder Friedhöfen.

Penibel protokolliert

Seitdem wird der Zustand jedes einzelnen Baumes penibel protokolliert, die Daten mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Software gespeichert. Jeder Baum wird im Halbjahres-Rhythmus besucht, einmal im be-laubten, danach im unbelaubten Zustand. So lässt sich der Werdegang lückenlos nachweisen.

"Mit dieser Arbeit erfüllen wir in erster Linie die Verkehrssicherheitspflicht", erklärt Mertenskötter. Denn nicht nur Straßenreinigung und Winterdienst, auch die Baumkontrolle zählt dazu. Werden Schäden erkannt, muss gehandelt werden. Wie, das entscheidet der Fachmann Mertenskötter. Schwache Schäden, wie eine beschädigte Rinde, die vielleicht von einparkenden Autos verursacht wurde, wachsen in der Regel wieder zu. Aber manchmal muss auch gefällt werden, um eine Gefährdung zu vermeiden. So auch bei extremen Schiefständen.

Trompetenbaum

Der Trompetenbaum an der nördlichen Rathausfront darf bleiben. 1976, bei der Errichtung des Rathauses, wurde der ungewöhnliche Baum zu nahe ans Haus gepflanzt. Nun reckt er seine imposante Krone Richtung Sonne und macht sich dabei krumm. Auch eine Vertiefung und eine Höhlung im Stamm tragen zur Einstufung als schwach geschädigt bei.

Aber der Baum weiß sich zu helfen. Steckt seine Kraft in die Bildung dicker neuer Rinde an der gebeugten Seite, um den Druck aufzufangen. Mertenskötter registriert das zufrieden. Ein solch schönes Exemplar würde er nur ungern opfern.

"Druckzwiesel"

Auch der Ginkgo biloba ein paar Meter weiter rechts steht unter Beobachtung. Mertenskötter weist auf eine "Druckzwiesel", eine Stelle, wo sich der Stamm zweiteilt. Weil beide Stämme dicker werden, ist eine Art Narbe entstanden, wo sich schnell Fäulnis bilden kann.

Die Sicherheit hat höchste Priorität, bekräftigt Mertenskötter, dessen Aufgabe es ist, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. Nicht immer einfach. "Manchmal macht ein Baum Kummer und dann fällt beim nächsten Sturm ein anderer um, der kerngesund schien", erzählt er.

Dass Bäume Lebewesen sind, sieht er bei einer Platanenallee in Habinghorst bestätigt. Auf langes Drängen der Anwohner wurden die hoch gewachsenen Bäume um ein Drittel gekürzt. Doch diese Aktion hat die "schlafenden Augen" der Platanen geweckt. Was an Höhe genommen wurde, machten sie an Dichte und Breite in der nun tiefer gelegten Krone wett. Nicht unbedingt zur Freude der Anwohner.

Interessenskonflikt

Während Antonius Mertenskötter berufsbedingt nicht überall beliebt ist in der Europastadt, hat er doch eine Menge Freunde: seine Bäume.

 

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