Selbstständig trotz Corona-Krise: 16-Jähriger wird offiziell Drohnenpilot

mlzMutige Geschäftsidee

Sich als Drohnenpilot selbstständig machen? Während der Corona-Krise? Und als Minderjähriger? Cedrik (16) hat diesen Schritt gewagt. Eine entscheidende Rolle spielte sein Schulleiter.

Castrop-Rauxel

, 16.11.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frühjahr 2020 – die Corona-Krise hat das öffentliche Leben fest im Griff. Auch die Schulen müssen zwischenzeitlich ihre Türen schließen. Cedrik Wald aus Castrop-Rauxel nutzt die freie Zeit neben dem Homeschooling auf eine ganz besondere Art und Weise: der 16-Jährige fährt mit seiner Kameradrohne durch das Ruhrgebiet, immer auf der Suche nach guten Orten für außergewöhnliche Luftaufnahmen.

Mindestens 800 Euro für eine Drohne

Doch das Arbeiten mit seiner Drohne ist für Cedrik mittlerweile weitaus mehr geworden als nur noch ein bloßes Hobby. „Irgendwann ist in mir der Wunsch gereift, mir eine windstabilere Drohne anzuschaffen. Damit einher ging allerdings auch die Frage, wie ich das Ganze finanzieren sollte“, erklärt Cedrik.

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Mindestens 800 Euro koste eine solche Drohne. Hinzu komme Zubehör, Versicherungen und unterschiedliche Genehmigungen der Luftfahrtbehörde. Kein einfacher Weg in die Selbstständigkeit – insbesondere während der Corona-Pandemie. Die Einschränkungen der Krise waren für den 16-Jährigen aber teilweise sogar von Vorteil.

„Ich hatte auf diese Art und Weise genug Zeit, um mich mit dem Thema genau zu befassen und mich in die unterschiedlichen Möglichkeiten einzuarbeiten. Schwierig war eher, dass es sehr lange gedauert hat, bis ich alle Genehmigungen zusammen hatte“, betont Cedrik.

Hohe Hürden für die Selbstständigkeit

Vor mehr als einem Jahr versuchte sich der Gymnasiast das erste Mal am Fliegen einer Kameradrohne, bevor ihn die ersten Nachbarn ansprachen und fragten, ob er nicht einmal Bilder der Dächer aufnehmen wolle. Damit aber nicht genug – inzwischen hat Cedrik bereits mehrere Projekte verwirklicht.

„Mein nächster Auftrag war ein Tennisverein, bei dem ich die Ferienaktion gefilmt habe. Mittlerweile habe ich viele weitere Ideen: Das geht von Dokumentationen, dem Filmen von sportlichen Veranstaltungen bis hin zur Begleitung von Baumaßnahmen“, sagt der 16-Jährige.

Cedrik begleitet mit seiner Drohne unter anderem auch den Bau des neuen Gesundheitscampus am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel.

Cedrik begleitet mit seiner Drohne unter anderem auch den Bau des neuen Gesundheitscampus am EvK. © Privat

Doch die Hürden für eine Selbstständigkeit als Drohnenpilot waren groß. Vor allem sein Alter habe diesen Schritt erschwert. Zwar habe er seine Eltern noch vergleichsweise leicht überzeugen können, doch für die Behörden sei wichtig gewesen, dass die schulische Ausbildung nicht unter der Selbstständigkeit leide, betont Cedrik: „Aus diesem Grund mussten dann auch das Vormundschaftsgericht und mein Schulleiter zustimmen. Ansonsten hätte das Ganze gar nicht funktioniert.“

Drohnenführerschein soll kommen

Mit den Einwilligungen in der Tasche konnte Cedrik unterdessen sein erstes größeres Projekt an Land ziehen. Von Bernd Kaffanke, Geschäftsführer der Confirmus GmbH, wurde der junge Drohnenpilot beauftragt, den Bau des neuen Gesundheitscampus am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel zu begleiten.

Für den 16-Jährigen eine große Chance: „Ich fahre einmal in der Woche zur Baustelle, um den Fortschritt zu dokumentieren. Am Ende entsteht ein bewegter Zeitraffer, der die gesamte Baumaßnahme darstellt“, erklärt Cedrik. Außerdem fertige er noch weiteres Foto- und Videomaterial an.

Doch dieser Großauftrag soll erst der Anfang sein. Für die Zukunft hat der Schüler konkrete Pläne. „Ich gehe davon aus, dass zumindest für größere Drohnen zukünftig ein Führerschein erforderlich sein wird. Den werde ich dann also machen.“ Dass sein Hobby durchaus auch Kritiker findet, ist dem 16-Jährigen derweil absolut bewusst.

„Mir macht das Fliegen und der Filmschnitt sehr viel Spaß. Sich mit den Gesetzen und Regel auseinanderzusetzen, gehört dann einfach auch dazu, um das Drohnenfliegen nicht noch weiter in Verruf zu bringen“, sagt er.

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