Seniorenheim-Chef schlägt Alarm: Für Katastrophenfall werden wir nicht ausreichend versorgt

mlzCoronavirus

Die Geros-Gesellschaft betreibt drei Seniorenheime in Castrop-Rauxel. Ihr Geschäftsführer Michael Hube fürchtet in der Corona-Krise um Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter und Bewohner.

Castrop-Rauxel

, 27.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch gibt es in keinem Seniorenheim in Castrop-Rauxel einen Corona-Infizierten. Doch die Sorge und Furcht angesichts einer möglichen Katastrophe wie im fränkischen Würzburg, wo bis Mittwoch (25.3.) neun Bewohner eines Altenheims am Virus starben, mehren sich.

Michael Hube ist Geschäftsführer der Geros-Gesellschaft, die in Castrop-Rauxel drei Seniorenheime betreibt. Seit 45 Jahren ist Hube in der Pflege beschäftigt. Nun schlägt er Alarm: „Noch haben wir Mundschutzmasken, aber wir wissen nicht, wie lange sie im Fall der Fälle reichen“, sagt Hube (63) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mehrfach habe er deshalb den zuständigen Behörden geschrieben, dem Kreis Recklinghausen und dem Gesundheitsministerium von Karl-Josef Laumann in Düsseldorf. Mit einem für ihn völlig unakzeptablen Ausgang. Eine direkte Antwort vom Land habe er gar nicht bekommen.

„Ich erwarte auch von Behörden, dass sie kreativ sind“

Stattdessen bekam er vom Kreis als zuständiger Gesundheitsbehörde und Ansprechpartner nach dem Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) die Aufforderung, kreativ zu sein: Masken könne man bei dem bekannten Engpass doch selbst herstellen. „Wir sollen sie basteln“, sagt Hube. Und fügt hinzu: „Wenn Behörden Menschen auffordern, kreativ zu sein, dann erwarte ich das auch von ihnen.“

„Die Politik kommt beim Krisenmanagement in Sachen Mundschutzmasken nicht nach“, erklärt der Geschäftsführer. Die zehn Millionen Masken, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bestellt habe, seien noch nicht angekommen in unserer Region.

Und die Einrichtungen in der Altenpflege – ambulant wie stationär – stünden vermutlich am Ende der Versorgungskette, befürchtet Hube. Vermutlich ungeachtet des Umstands, dass das Coronavirus bereits in Altenheimen in Essen und in unserer Nachbarstadt Bochum angekommen sei.

Hube hat das Worst-case-Szenario in den Blick genommen: Gäbe es einen Verdachtsfall auf Corona bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter, müsse er alle Kontaktpersonen in einem Wohnbereich benennen. Das beträfe acht bis zehn Kollegen, sagt er – ganz abgesehen von den Bewohnerinnen und Bewohnern.

Drei Möglichkeiten, wenn in einem Altenheim der Ernstfall eintritt

„Ich habe vom Kreis eine Anleitung, wie dann zu verfahren wäre“, erklärt er. Erste Option: versuchen, über eine Leiharbeiterfirma Pflegepersonal zu kriegen. „Mindestens am Wochenende unmöglich“, sagt der 63-Jährige.

Die zweite Option: die Leute in ein anderes Altenheim bringen. Die dritte laut Hube: die Unterbringung im Krankenhaus. „So finden wir keine Lösung, das funktioniert alles nicht“, ist er sich sicher.

Ein Besuchsverbot in den Seniorenheimen von Geros gilt schon seit Freitag, 13. März. Schon vor dem offiziellen Erlass vom 17. März, erklärt Hube.

Zwei Helferinnen übergeben erste Mundschutzmasken in Habinghorst

Am Mittwoch, 25. März, hatte das Helena-Seniorenheim in Habinghorst einmal Besuch, der in gebührendem Abstand draußen blieb: Waltraud Jestler und Annette Schwarze übergaben selbstgenähte Mundschutzmasken aus Baumwolle. Sie sind kochbar und für den mehrmaligen Gebrauch vorgesehen.

Die beiden Frauen engagieren sich ehrenamtlich. „So können wir helfen und einen Beitrag leisten, dass es irgendwie weitergeht in dieser außergewöhnlichen Zeit“ - so laute die Botschaft der Beiden, sagt Hube. Dafür seien er und Geros-Geschäftsführer Alexander Boulbos sehr dankbar.

Geros-Seniorenheime

300 Beschäftigte für 220 Bewohner

Die drei Seniorenheime unter Geros-Regie, das Philogerie an der Peripherie der Altstadt, das Helena am Habinghorster Markt und das Seniorendomizil an der Glückaufstraße am Stadtgarten haben zusammen 220 Bewohnerinnen und Bewohner. In der Pflege arbeiten 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im hauswirtschaftlichen Bereich 100 Leute. Die Beschäftigten stammen aus mehr als 30 Nationen.
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