Sie nannten ihn Schrottpater und Russenseelsorger: Erwin Immekus (95) ist tot

Pater

95 Jahre alt wurde Pater Erwin Immekus, den viele in Castrop-Rauxel als „Schrottpater“ kannten. Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Geistliche aus Datteln-Horneburg starb Silvester.

Castrop-Rauxel

, 02.01.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sie nannten ihn Schrottpater und Russenseelsorger: Erwin Immekus (95) ist tot

Pater Erwin Immekus beim Schrottsammeln. © Foto Orwat

Schrottpater. Russenseelsorger. Die Spitznamen, die man für Erwin Immekus hatte, sind für Außenstehende verwunderlich. Wenn man sich aber anschaut, was dahinter steckt, dann sind sie eine Ehre für diesen Mann. Der Horneburger, in Castrop-Rauxel durch sein Engagement bekannt, starb am Silvestertag im Alter von 95 Jahren.

Größte Ehre 2016: Er erhielt das Bundesverdienstkreuz

Die vielleicht größte Ehre wurde Pater Immekus 2016 zuteil: Sein Freund Helmut Orwat hatte über Jahre versucht, ihn für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Stellung zu bringen. Regierungspräsident Reinhard Klenke überreichte es ihm 2016 in Münster.

Sie nannten ihn Schrottpater und Russenseelsorger: Erwin Immekus (95) ist tot

Pater Erwin Immekus im Ornat. © Orwat

Damit würdigte man seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Russland. „Die Erfahrungen des Krieges haben Sie zu einem Leben in der Nachfolge Christi geformt“, hieß es bei der Laudatio. Unermüdlich habe sich Erwin Immekus für die Menschen in Ländern eingesetzt, die „einmal Gegner gewesen sind. So haben Sie vorgemacht, wie Aussöhnung und Verständigung unter den Völkern auf den Weg kommen. Nicht durch große Worte, sondern durch die Tat.“

1944 in Kriegsgefangenschaft geraten

Immekus geriet 1944 als Soldat in der Ukraine in Kriegsgefangenschaft. Er trat nach der Rückkehr in den Orden der Pallottiner ein. Von 1995 bis 2013 brachte der Pater 40 Hilfstransporte auf den Weg in die Ukraine. Er sammelte dafür Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Brillen, Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen, medizinische Geräte, Krankenbetten, Zubehör für Operationssäle und Fahrräder.

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Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (r.) übergab 2016 das Bundesverdienstkreuz in Anwesenheit von Helmut Orwat (l.) in Münster an Pater Dr. Erwin Immekus in Würdigung seiner Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Russland. © Orwat

Die Sammlungen trugen ihm auch den Titel „Schrottpater“ ein. Zuletzt lebte er in einem Missionshaus der Pallottiner im Bistum Limburg.

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