Gewalttat am Simon-Cohen-Platz: Junger Mann tritt auf sein Opfer ein

mlzCastroper Altstadt

Ilse Halftermann (64) ist auf dem Heimweg, als sie in der Castroper Altstadt eine brutale Schlägerei beobachtet. „Diese Aggressivität fand ich unglaublich!“

Castrop

, 11.12.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie war im Castroper Adventszelt. Sie genoss einen lustigen Abend mit Kabarettistin Esther Münch, zusammen mit fünf Freundinnen. Was sie auf dem Weg zum Parkplatz „Im Ohr“ dann aber in der Altstadt an Gewalt miterlebte, ließ sie in der Nacht kein Auge zudrücken.

Ilse Halftermann* (Name von der Redaktion geändert) kam am Montagabend (9.12.) gut gelaunt aus dem Zelt: Esther Münch sorgte beim satirischen Adventskalender für das eine oder andere Lachen auf den Lippen der 64-jährigen Frau aus Castrop-Rauxel.

Sie war mit Freundinnen dort, erzählt sie. Und gegen 21.15 Uhr machten sie sich auf den Heimweg. Der Heimweg von Ilse Halftermann lässt sie seitdem nicht mehr los, erzählt sie. Und schildert unserer Redaktion die Situaton so, wie sie sie erlebt hat.

So hat Ilse Halftermann den Abend erlebt

Sie hatte ihr Auto „Im Ohr“ geparkt, am Rande der Altstadt. Sie hatte keinen Alkohol getrunken. Eine ihrer Freundinnen sagte noch: Hast du keine Angst, jetzt allein durch die Stadt zu gehen? „Nein, habe ich nicht“, antwortete sie. Ihr selbst passierte ja auch nichts, aber sie beobachtete eine wüste Gewalttat.

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Sie sah, wie ein Mann, vielleicht Anfang 30, am Simon-Cohen-Platz, gleich vor dem Topkapi-Grill, fünf- oder sechsmal auf einen am Boden liegenden Mann, um die 40 Jahre alt, eintrat. Das Opfer soll vorher eine Frau beleidigt haben. „Sie standen wohl auch unter Alkoholeinfluss“, mein Ilse Halftermann, die mit einigen anderen Zeugen die Situation beobachtete. Der Angreifer soll beim Zutreten einen Schuh verloren haben.

Mannschaftswagen der Polizei vor der Spielhalle

Sie hatte zuvor ein Gespräch zweier Leute an einem der Hochbeete gegenüber beobachtet. Und hatte Rufe gehört, dass im Vorfeld eine Frau beleidigt worden sein soll.

„Ich habe dem Angreifer gesagt, er solle sich endlich beruhigen.“
Ilse Halftermann (64)

Als es mit den Tritten richtig losging, kamen auch Leute aus dem Imbiss heraus. Zwischen Hochbeet und Imbiss stand sogar ein Mannschaftswagen der Polizei, allerdings ohne „Besatzung“: Die Beamten befanden sich, wie sich später herausstellte, zum Zeitpunkt des Geschehens in der Spielhalle nebenan.

Ilse Halftermann war geschockt angesichts der Gewalt, die sich vor ihren Augen abspielte. „Ich habe dem Angreifer gesagt, er solle sich endlich beruhigen“, erinnert sie sich noch an ihre eigenen Worte. Er antwortete ihr wohl sowas wie: „Du Fotze mit der Brille…“ Ganz explizit, betont sie, seien es keine Ausländer gewesen, die hier in einen Streit verwickelt waren.

Opfer blieb auf dem Boden liegen

Das Opfer blieb benommen am Boden liegen. Ein anderer Zeuge hatte in der Zwischenzeit wohl die Polizei aus der Spielhalle alarmiert und auch einen Rettungswagen gerufen. Polizisten kamen heraus, ein Streifenwagen stieß dazu.

Der Mann, der den anderen getreten hatte, war inzwischen mit der Frau zu Fuß, überhaupt nicht in Eile, in Richtung Busbahnhof unterwegs. „Den mach‘ ich kaputt!“, soll er noch gerufen haben.

Gewalttat am Simon-Cohen-Platz: Junger Mann tritt auf sein Opfer ein

In dieser Spielhalle sollen am Montagabend Polizisten im Einsatz gewesen sein. Ein Mannschaftswagen der Polizei stand in der Nähe, als der 27-jährige Castrop-Rauxeler einen anderen Mann verprügelte. © Vanessa Trinkwald

Drei Polizisten eilten hinterher. Sie stellten den Täter vor der Kneipe „Zum Bus“ auf halbem Weg zum Münsterlatz. Ein Rettungswagen, der inzwischen eingetroffen war, wollte das Opfer versorgen. Doch der Mann, der im Gewusel auch seine Brille verloren haben soll, wollte sich nicht helfen lassen.

Opfer wollte nicht versorgt werden

„Das Opfer ist aufgestanden, hat dann seine Brille gefunden und gerichtet“, berichtet Ilse Halftermann. Eine Bierflasche, die neben ihm lag, hatte er wohl vorher selbst in der Hand getragen.

Der kleine, schmächtige Mann hatte Tritte „mit einer irren Wucht und Aggressivität“ in den Bauch erleiden müssen. „Er stieg aber nicht in den Krankenwagen ein“, so Halftermann. Er fuhr nicht mit. Bräuchte er nicht, wollte er nicht, habe er bestimmt fünfmal zu den Sanitäterin gesagt.

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Nach etwa einer halben Stunde, aber da ist sich Ilse Halftermann nicht ganz sicher, ging sie weiter. An der Vernehmung, die vor der Kneipe wohl immer noch lief, vorbei. Müsste ich nicht als Zeugin aussagen, fragte sie sich? „Die Polizisten wollten das wohl nicht“, so Halftermann.

An Gewalttat in Augsburg erinnert

Ein Zeuge aus dem Imbiss habe im Hochbeet am Simon-Cohen-Platz, wo der Angreifer mit der Frau zuerst gestanden haben soll, noch etwas mit einem Polizisten zusammen gesucht.

Ein Mitarbeiter des Topkapi-Grills bestätigt den ganzen Vorfall am Mittwoch (11.12.) auf Anfrage unserer Redaktion. Die Polizei sei da gewesen, es habe eine Schlägerei gegeben.

Ilse Halftermann sagt rückblickend: „Diese Aggressivität fand ich unglaublich! Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen.“ Sie fühle sich an die schlimme Tat von Augsburg erinnert, wo ein Feuerwehrmann zu Tode kam – getreten und geprügelt, mitten auf der Straße.

Die Polizei bestätigte den Vorfall auf Anfrage unserer Redaktion. Der Täter, ein 27-jähriger Mann aus Castrop-Rauxel, sei gestellt, befragt und dann vorläufig festgenommen worden. Nun liefen die üblichen Ermittlungen der Polizei.

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