So arbeiten wir Journalisten in der Corona-Krise

Hinter den Kulissen

Wie ist das Arbeiten für Journalisten in der Corona-Krise eigentlich? Die Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel geben einen Einblick in die Zeit des Mindestabstands, Home Office und Video-Konferenzen.

Castrop-Rauxel

, 28.04.2020, 20:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Teil Redaktionsarbeit in Zeiten der Corona-Krise: Die Video-Konferenz am Freitagnachmittag mit (l.) Tobias Weckenbrock und auf dem Bildschirm Thomas Schroeter, Jens Lukas, Marcel Witte und Carolin West.

Ein Teil Redaktionsarbeit in Zeiten der Corona-Krise: Die Video-Konferenz am Freitagnachmittag mit (l.) Tobias Weckenbrock und auf dem Bildschirm Thomas Schroeter, Jens Lukas, Marcel Witte und Carolin West via Microsoft Teams. © Tobias Weckenbrock

Mein Termin mit Niclas Rathsmann ist einfach: Wir treffen uns draußen auf einem Garagenhof an seiner Wohnung in Dingen. Er will mir sein Auto zeigen, das US-amerikanische Police-Car, das mir in den vergangenen Tagen häufiger aufgefallen ist. Ich will wissen, ob man einfach so ein so täuschend echt aussehendes Auto fahren darf. Die Fragen stelle ich Niclas Rathsmann aus drei Metern Entfernung.

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Der Termin mit dem „falschen Cop“ ist Reporter-Alltag. Anders als sonst ist: Ich fahre nicht aus der Redaktion zu Rathsmann. Ich schreibe den Text, ich schneide das Video, ich bearbeite die Fotos zu Hause. Erst an meinem Schreibtisch, später auf der Terrasse. Reporter-Alltag in der Corona-Krise.

Wir haben unsere Arbeitsweise geändert. Zwangsläufig. Unser Team kommt nicht morgens in der Redaktion am Castroper Marktplatz zusammen. Unsere erste Konferenz des Tages findet im Internet statt: Um 9.30 Uhr sind wir zu einer Video-Schalte verabredet, um 17 Uhr zur zweiten.

Das Team in der Videokonferenz

Jens Lukas sitzt im heimischen Arbeitszimmer in Castrop, Matthias Langrock in Frohlinde, meine Kollegin Iris Müller in Essen, Carolin West in Schwerte, Beate Dönnewald in Lütgendortmund, Abi Schlehenkamp auf Schwerin, Marcel Witte in Obercastrop, Thomas Schroeter und der Volontär Lukas Wittland in Dortmund. Wir alle sind verdrahtet über Headsets und Notebooks, Smartphones und andere Geräte.

Den ganzen Tag über chatten wir miteinander: Die interne Kommunikation hat sich in weiten Teilen aufs Tippen im Messenger Teams von Microsoft verlagert. Weil man damit gleich alle Kollegen auf einmal erreicht, wenn nötig. Auch die, die gerade mit Lesern telefonieren oder wie ich mit Niclas Rathsmann ein Video drehen. Zweimal am Tag treffen wir uns doch und sehen uns - wenn auch nur über den Bildschirm.

Themen und ihre kurze Halbwertszeit

Wir jagen anderen Themen nach, in einer anderen Schlagzahl: Corona-News haben eine Halbwertszeit von zum Teil wenigen Stunden, weil sich immer neue Nachrichtenlagen ergeben. Es ergeben sich auch immer neue Fragen, die man sich noch nie gestellt hat. Und es gibt ein viel höheres Bedürfnis nach Infos - unsere Abo- und Klickzahlen sprechen eine klare Sprache.

Wir rotieren für unsere Kunden: Das war schon vor Corona so. Während Corona ist es aber doppelt unterstrichen. Es macht Spaß, weil es Action bedeutet. Und doch freuen wir uns auf die Zeit, in der Alltags-Themen wieder mehr Gewicht bekommen. In der wir über Feste und Veranstaltungen berichten statt über Maskenpflicht und Intensivstationen. Und in der wir wieder alle in einem Büro sitzen und uns auf Zuruf unterstützen und in die Augen schauen können.

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