Sparkasse ist teurer, aber im Wettbewerb erfolgreich: Wie erklären sich das die Chefs?

mlzKontoführungsgebühren

8,95 Euro zahlt man an Gebühren für einen Girokonto-Vertrag bei der Sparkasse, der die meisten weiteren Einzelgebühren umfasst. Zu teuer, heißt es oft. Was sagt die Sparkassen-Leitung dazu?

Castrop-Rauxel

, 13.05.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

S-Giro plus heißt der Tarif, der die meisten Dinge unbegrenzt und ohne weitere Gebühren umfasst: Überweisungen im Internet oder an den SB-Terminals, Auszahlungen an einem der 23.600 Sparkassen-Geldautomaten in Deutschland, Lastschriften und Daueraufträge. Dafür zahlt man monatlich 8,95 Euro. Es gibt noch S-Giro light für 3,50 Euro im Monat, aber in dem Tarif muss man einzelne Transaktionen extra bezahlen.

Beides ist mehr als bei manch einem Wettbewerber: Die Commerzbank und die Sparda-Bank zum Beispiel bieten zwar bei weitem nicht so ein großes Geldautomaten-Netz, aber dafür Girokonten ab einem monatlichen Mindest-Geldeingang kostenlos an - zum Teil inklusive einmaliger Wechselprämie von 50 Euro für den neuen Kunden. Ähnlich hoch sind die Gebühren bei den Volksbanken. Wie kann das sein? Und wie kann die Sparkasse sich in diesem Wettbewerb behaupten?

Auf rund 50 Prozent Marktanteil kommt die Sparkasse in Castrop-Rauxel. Sprich: Die Hälfte aller erwachsenen Castrop-Rauxeler hat ein Konto bei der Sparkasse. Sie kommt auf rund 30.000 Kunden und fast 50.000 Girokonten. Es scheint also zu funktionieren, zumal die Zahl nicht geschrumpft ist.

„Durch unsere Mittel gerettet“

Rainer Kruck ist Bereichsleiter der Sparkasse Vest Recklinghausen in Castrop-Rauxel und hat zunächst eine recht klare Haltung dazu: „Wenn eine andere Bank, die als Wettbewerber aggressiv auftritt, durch unsere Mittel erst gerettet wird, dann ist das bedenkenswert.“ Damit spielt er auf die Finanzsorgen der großen deutschen Geschäftsbanken an, die nun sogar über eine Fusion nachdenken: Deutsche Bank und Commerzbank.

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„Wenn wir genauso agieren würden wie manch eine Geschäftsbank, dann müsste man sich ernsthaft Sorgen um den Euro machen“, so Kruck weiter. „Ist das etwa tragfähiges Wirtschaften?“ Der Sparkassen-Chef sieht das so: „Wir bieten Finanzdienstleistungen an, die uns Aufwand kosten, den wir uns bezahlen lassen. Klar kann man durch ein Lockangebot erst einmal etwas erwirken. Aber auf Dauer müssen auch die anderen Banken Geld erwirtschaften.“

„Das Angebot nehmen die Kunden an“

Stefan Fokken (Pressesprecher Sparkasse Vest Recklinghausen) sagte bei einem Pressegespräch, dass Commerzbank und Deutsche Bank für die mögliche Fusion gerade große Anstrengungen machten, „sich schön zu rechnen. Wir bieten unsere Dienstleistungen eben anders an, und das Angebot nehmen die Kunden an.“

Grundsätzlich, sagt Kruck, habe er nach der „Anpassung“ der Gebühren, wie er die Erhöhung nennt, sowohl „privat persönlich als auch und geschäftlich keine Rückmeldungen in der Hinsicht bekommen, dass der Preis bei uns zu hoch sei. Die Frage ist doch: Ist die Leistung für den Preis angemessen? Da scheinen die Kunden zufrieden zu sein.“ Es habe zwar bei dem ein oder anderen Kunden dazu geführt, dass er seine Kontostruktur hinterfragt und etwas aufgeräumt habe - doch signifikant seien die Dinge nicht.

„Vertrauen, das sich über Jahre entwickelt hat“

Stefanie Eberhardt (37), Direktorin des Firmenkundengeschäfts, bezieht den Erfolg trotz der etwas höheren Kosten auf diesen Faktor: „Wir sind dem Kunden ein guter Geschäftspartner auf vielen Ebenen. Das Vertrauen, das sich über Jahre entwickelt hat, ist der Grund, warum unsere Kunden mit uns zufrieden sind.“

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