Spender gesucht: Kuriere bringen Marmelade aus dem Frauenhaus nach Hause

mlzCorona-Lockdown

Das Frauenhaus ist auf Spenden angewiesen, um den Betrieb zu gewährleisten. Seit zig Jahren ist der Marmeladen-Verkauf Spenden-Garant. Der fällt Corona-bedingt flach. Aber es gibt eine Idee.

Castrop-Rauxel

, 12.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das tut richtig weh und macht dem Frauenhaus-Verein Frauen helfen Frauen und dem Team der Einrichtung Sorgen: Der Marmeladen-Verkauf kann wegen der Pandemie nicht wie gewohnt Geld in die Kasse spülen, weil er schlicht Corona bedingt nicht stattfinden kann.

Dabei haben die Frauen wie immer kräftig den Kochlöffel gerührt und einen großen Vorrat an Marmeladen und Likören zubereitet. In den Vorjahren immer ein Garant dafür, dass vierstellige Spenden-Summen beim Verkauf in Geldinstituten und auf den Advents- und Weihnachtsmärkten in Castrop-Rauxel zusammen kamen.

Fast alle Weihnachtsmärkte sind abgesagt worden

„Geld, das uns fehlt“, sagt Frauenhaus-Chefin Katrin Lasser-Moryson. Im Zuge der gestiegenen Fallzahlen und wegen des Teil-Lockdowns sind fast alle Weihnachtsmärkte abgesagt worden.

So funktioniert der Marmeladen-Express

  • Interessenten können auf der Homepage des Vereins Bestellungen ordern. Die findet sich unter www.frauenhaus-castrop-rauxel.de.
  • Es gibt auch ein Paypal-Konto für Bestellungen und Zahlungsempfang: paypal@fh-rauxel.de. Bei einem Bestellwert von 10 Euro erfolgt eine Freilieferung, ansonsten sind 2 Euro Gebühr fällig. Wer bar spenden möchte, sollte den Betrag passend bei der Übergabe in einem Umschlag bereit halten. Bei einem Betrag von mindestens 10 Euro kann eine Spendenquittung ausgestellt werden.
  • Es gibt 21 Sorten Marmelade, verschiedene Liköre und die berühmt-berüchtigten Schweriner Freiluftgurken mit Chili oder Knoblauch.
  • Auf Bestellung gibt es auch Nutella-Likör oder Raffaelo-Likör.
  • Marmelade wird gegen eine Spende von 2,50 Euro pro Glas, Liköre werden für 5 Euro, das Gurkenglas gegen eine Spende von 4,50 Euro abgegeben.
  • Die Bankverbindung des Frauenhauses: DE35 4265 0150 0000 8116 04 bei der Sparkasse Vest.

Der in der Justizvollzugsanstalt Meisenhof etwa, der Himmlische Advent auf dem Boulevard in der Altstadt und der Advents- und Weihnachtsmarkt des Stadtteilvereins Wir auf Schwerin auf dem Neuroder Platz. Auch das kleine als Alternative gedachte Weihnachtsdorf vor Edeka Richter auf Schwerin hat der Stadtteilverein schweren Herzens vom Veranstaltungskalender gestrichen.

Der Trägerverein des Frauenhauses muss aber 20 Prozent der Kosten für den Betrieb aus Spenden generieren. Was tun? „Wir wollen stadtweit einen Marmeladen-Express anbieten“, sagt Jutta Lasser nun.

Die 66-Jährige Schwerinerin ist auf die Idee gekommen, selbst Marmeladen-Kurier zu werden und mit Freundinnen gemeinsam die Gläser mit dem beliebten Inhalt bei spendenwilligen Interessentinnen und Interessenten vorbei zu bringen. „Wir hoffen, dass dieses Angebot auf große Resonanz trifft“, sagt Katrin Lasser-Moryson. „Das würde uns riesig helfen.“

Lage im Frauenhaus unverändert ernst

Insgesamt sei die Lage im Frauenhaus und in der Dependance unverändert ernst. Vor einigen Monaten hatte man eine zweite Unterkunft für Frauen und deren Kinder in Not Dank der Hilfe der Stadtverwaltung verwirklicht, nachdem sich bewahrheitet hatte, dass häusliche Gewalt in Folge der Pandemie noch zugenommen hat. Alle Plätze in beiden Einrichtungen seien belegt, sagt Lasser-Moryson.

Perspektivisch suchen die Frauen weiter nach einem neuen Domizil, weil die angestammte Einrichtung zu klein und nicht barrierefrei zu erreichen ist. „Das ist aber Zukunftsmusik für 2021“, sagt Lasser-Moryson, jetzt gelte es erst mal, an die Spendenbereitschaft der Castrop-Rauxeler zu appellieren. Vielleicht könnten auch die anderen Stadtteilvereine mit dazu beitragen, dass der Marmeladen-Express Kreise ziehe und bekannter werde, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin.

Schweriner Freiluftgurken waren auch beim Advents- und Weihnachtsmarkt 2019 auf dem Neuroder Platz der absolute Renner.

Schweriner Freiluftgurken waren auch beim Advents- und Weihnachtsmarkt 2019 auf dem Neuroder Platz der absolute Renner. © Abi Schlehenkamp

Eine gute Nachricht gibt es aber schon jetzt: Nachdem das Möbelhaus Ikea unlängst eine neue Küche für das angestammte Domizil gesponsert hat, gibt es nun auch eine Küche für die Dependance. Möglich gemacht dank eines Fonds der Sparkasse Vest. „Dafür sind wir riesig dankbar“, sagt Katrin Lasser-Moryson.

Ebenso dankbar sei man für das Engagement des Teams, das in unveränderter Personallage dafür sorge, dass der Betrieb im Stammhaus wie in der Dependance verantwortungsvoll laufe.

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