Corona-Sperrstunde trifft Gastronomie hart: „80 Prozent Umsatzeinbußen“

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Die Corona-Fallzahlen steigen weiter. Die Sperrstunde ab 23 Uhr soll bei der Eindämmung des Virus helfen. Das hat Folgen für die Gastronomie in Castrop-Rauxel. Wirte sagen: Das geht nicht lange gut.

Castrop-Rauxel

, 27.10.2020, 18:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Angst vor einem zweiten Lockdown in Deutschland ist groß. Obwohl die Corona-Fallzahlen trotz umfangreicher Maßnahmen weiterhin steigen, gilt ein erneutes Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens als absolute Notlösung. Für die Gastronomen ist allerdings schon die derzeit geltende Sperrstunde ab 23 Uhr ein herber Schlag. Auch in Castrop-Rauxel.

Klage aus NRW ist abgewiesen worden

Wer vor der Corona-Krise an Kneipen und Bars vorbeigekommen ist, der konnte feststellen, dass der Betrieb oftmals erst zu späterer Stunde so richtig in Fahrt kam. Doch gerade diese Einnahmequelle bricht den Gastronomen infolge der verschärften Corona-Maßnahmen weg. Enorme Umsatzeinbußen und schwere wirtschaftliche Notlagen sind die Folge.

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Von 23 bis 6 Uhr gilt die offizielle Sperrstunde mittlerweile. Das bedeutet für Bars und Kneipen: keine Einnahmen in der Prime-Time. Mehrere Gastronomen in Nordrhein-Westfalen hatten gegen diese Regelung geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Münster lehnte die Klage allerdings ab. Die Regelung ist damit rechtsgültig. Keine einfache Situation für die Gastronomen.

Eleonore Tastanidis, die die Kneipe „Dudelsack“ in der Langen Straße in Habinghorst betreibt, kann die neuen Maßnahmen nicht nachvollziehen: „Ab 23 Uhr geht für mich das Geschäft eigentlich erst los. Jetzt musste ich am Wochenende gerade dann einige Kunden nach Hause schicken. So ist die Situation für uns nicht lange tragbar.“

Kneipe mittlerweile sieben Tage in der Woche geöffnet

Mittlerweile setze sie schon darauf, Essen außer Haus zu liefern, um überhaupt etwas Geld einzunehmen. „Das kann aber nur eine Notlösung sein. Die Lage ist sehr ernst“, betont Eleonore Tastanidis.

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Gleiches gilt für Athanasios Argyriou. Er hat in seiner Gaststätte „Zum Bus“ in der Altstadt bereits den Ruhetag gestrichen. „Wir hatten eigentlich an Sonntagen zu. Das können wir uns jetzt nicht mehr leisten. Gerade am Wochenende trifft uns diese Sperrstunde besonders hart.“

Auf bis zu 80 Prozent belaufen sich seine Umsatzeinbußen aktuell. Angesichts der Tatsache, dass man nun noch weniger Kundschaft bewirten könne, sei es nur noch eine „Frage der Zeit, wie lange wir uns noch halten können“, so Argyriou. Dabei wäre schon jede weitere Stunde, die er seine Kneipe länger öffnen dürfe, eine große Hilfe.

Kanzlerin trifft sich mit den Ministerpräsidenten

Doch auch diese mögliche Reduzierung der Sperrstunde wurde durch das Urteil aus Münster verworfen. Für Argyriou mache der Betrieb momentan kaum noch Sinn: „Wir haben von 10 Uhr morgens bis 23 Uhr abends geöffnet. Tagsüber kommen kaum Menschen in die Gaststätte, sodass wir eigentlich besser gar nicht aufmachen könnten.“

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Wäre die Sperrstunde um eine oder zwei Stunden nach hinten verschoben, hätte man Argyriou zufolge zumindest die Überlebenschance für einige Gastronomen erhöht. „Es geht ja nicht nur uns so. Das richtige Geschäft läuft für Kneipen und Bars eigentlich erst ab 23 Uhr. Doch jetzt müssen wir zu diesem Zeitpunkt schon schließen. Das kann nicht funktionieren“, so der Kneipier.

Unterdessen treffen sich am Mittwoch (28. Oktober) die Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin, um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu besprechen. Einer der dringendsten Diskussionspunkte: der Umgang mit der Gastronomie.

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Für Bürgermeister Rajko Kravanja ist die Sache klar: Er wolle keinen vollen Lockdown und glaube auch nicht dran, wie er Montagabend sagte. Aber angesprochen auf das Thema Sperrstunde wurde er nicht müde zu wiederholen: „Im Restaurant sitzt weniger die Zielgruppe, die die Sperrstunde treffen soll. Es geht um die Leute, die am Tresen sitzen. In der Altstadt ist abends Heidewitzka. 23 Uhr hat man bewusst gewählt, um Restaurants das Geschäft zu ermöglichen, aber die Kneipen zu treffen.“

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