Starkregen in Castrop-Rauxel – Was macht das viele Wasser mit der Stadt?

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Die Natur ist ausgetrocknet, die Wiesen sind braun. Es ist einfach zu trocken. Da hilft auch der Starkregen der vergangenen Tage nur wenig. Es ist zu viel Wasser in zu wenig Zeit.

Castrop-Rauxel

, 15.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Kurze und heftige Regenschauer haben Castrop-Rauxel am Donnerstag ganz schön nass gemacht, Freitag gab es dann nur zeitweise Regen. Zwar war es die vergangenen Wochen viel zu trocken und die Natur hatte eine Dusche bitter nötig. Aber Starkregen ist weder gut für die Natur noch für den Menschen.

„Starkregen ist eigentlich nichts anderes als gewöhnlicher Regen – nur eben in sehr großen Mengen“, erklärt Meteorologin Jacqueline Kern vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Viel Wasser in kurzer Zeit oder in Zahlen: zehn Liter Wasser oder mehr in einer Stunde. Sind es mehr als 25 Liter in einer Stunde, spricht der DWD von Unwettern.

Landwirte freuen sich über Wasser – aber nicht über Starkregen

Kommt viel Wasser in kurzer Zeit von oben, hat das Auswirkungen. Der Boden hat kaum Zeit, die Wassermengen aufzunehmen, der Wasserpegel in Flüssen und Bächen steigt, Keller laufen voll.

Landwirte freuen sich zwar über Regen, aber Starkregen ist nicht wirklich hilfreich. Der Landwirt Heinrich Wiesmann hat am Donnerstag 22 Liter Wasser gemessen. Zwar hatten die Felder die Dusche dringend nötig. „Aber die Böden können in so kurzer Zeit gar nicht so viel Wasser aufnehmen.“

Für das Getreide kam der Regen zu spät

Der Mais könne sich jetzt etwas erholen, aber für das Getreide kam der Regen zu spät. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Minderertrag von 10 bis 20 Prozent.“

Kann der Regen nicht von den Böden aufgenommen werden, kann es auch Zuhause nass werden. Sind die Kanalisation und der Boden überlastet, steht schon mal die Straße unter Wasser oder die Keller laufen voll.

Sind die Gullys verstopft, steht die Straße unter Wasser

Grundsätzlich sind die Abwasserkanäle so gebaut, dass das Regenwasser bis zu einer bestimmten Grenze aufgenommen werden kann. Sind die Kanäle aber verstopft, hilft das auch nichts.

„Um zu vermeiden, dass Sinkkästen verstopfen oder überlaufen, werden diese regelmäßig durch den EUV-Stadtbetrieb gereinigt“, sagt EUV-Sprecherin Sabine Latterner. Aber die regelmäßige Reinigung sei kein Allheilmittel. Denn durch starken Regen werden Schmutz und Laub weiter transportiert.

„Wasser in der Stadt von morgen“ soll Abhilfe schaffen

Das passiert beispielsweise im Kreuzungsbereich Glückaufstraße/Am Stadtgarten. „Dort befindet sich eine Senke und es stehen dort zahlreiche Bäume. Die Blätter legen sich auf den Rost des Sinkkastens und zudem läuft das Wasser in der Senke zusammen.“ Gibt es eine Starkregenankündigung, stockt der EUV den Bereitschaftsdienst auf, um schnell reagieren zu können.

Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, hat sich die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ gegründet. Die Emschergenossenschaft, die Emscher-Kommunen und das Land NRW setzen sich damit für eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Emscherregion ein.

Regenwasser sinnvoll in die Natur leiten

Eine zentrale Frage des Projekts ist, wie Regenwasser sinnvoll umgeleitet werden kann. In einigen Projekten in Castrop-Rauxel wurde das schon erfolgreich umgesetzt. Mulden und Rinnen leiten das Regenwasser zurück in die Natur, statt in die Kanalisation. So kann das Wasser versickern und es sammelt sich nicht auf versiegelten Flächen wie Parkplätzen.

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