Streik bei Real: Mitarbeiter aus Castrop-Rauxel fühlen sich „verraten und verkauft“

mlzVerkauf von Real

Real-Mitarbeiter aus Castrop-Rauxel haben ihrem Mutterkonzern Metro am Freitag in Düsseldorf die rote Karte gezeigt. Während des Streiks ist die Stimmung aufgeheizt, es knallen mehrere Böller.

Castrop-Rauxel

, 14.02.2020, 11:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa tausend Real-Mitarbeiter aus NRW haben am Freitag (14.2.) vor der Düsseldorfer Stadthalle gestreikt. Dort tagte um 10 Uhr die Hauptversammlung des Mutterkonzerns Metro. Das Ziel der Streikenden ist, die Schließung einzelner Real-Märkte zu verhindern. Unter den Demonstranten: 13 Mitarbeiter des Real-Marktes an der Siemensstraße in Castrop-Rauxel.

In der Nacht zu Dienstag (11.2) haben sie in einer Ad-hoc-Meldung von der nun beschlossenen Übernahme der Metro-Warenkette durch ein Investoren-Konsortium aus SCP Group und X-Bricks erfahren.

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Ein Kern von 50 Real-Märkten solle für mindestens 24 Monate vom Käufer weiterbetrieben werden. In der Konsequenz heißt das: Die anderen der insgesamt 277 Real-Märkte sollen weiterverkauft – oder eben geschlossen werden. SCP kündigte an, dass weniger als 30 Standorte schließen würden.

Die Stimmung beim Streik ist aufgeheizt

Eine Entscheidung über den Markt an der Habinghorster Siemensstraße ist noch nicht gefallen, so Désirée Simon Simon. Sie ist die Betriebsrätin im Castrop-Rauxeler Warenhaus und hatte die Übernahme längst kommen sehen, wie selbst sagt.

Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren vor Beginn der Hauptversammlung der Metro.

Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren vor Beginn der Hauptversammlung der Metro. © dpa

Sie beschreibt die Stimmung beim Streik als aufgeheizt. Während des Gesprächs mit der Redaktion knallen im Hintergrund mehrere Böller. „Wir fühlen uns verraten und verkauft. Verraten und verkauft von Metro-Chef Olaf Koch. Der sitzt da oben mit den Aktionären und trinkt seinen Kaffee. Denen sind wir doch egal“, sagt die Betriebsrätin.

Einige Geschäftsführer sollen gedroht haben

Sie und ihre Kollegen tragen Transparente mit der Aufschrift „Ich bin kein Restposten bei real“ oder „Wir sind hier trotz Drohungen“. Einige Geschäftsleiter in den jeweiligen Filialen sollen den Mitarbeitern gedroht haben, nicht zu streiken. In Habinghorst habe es aber keine Drohungen gegeben.

Der Streik ist aus Sicht von Désirée Simon „die letzte Möglichkeit für uns, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen“, betont die Gewerkschafterin. „Wir hoffen, dass die Politik auf uns aufmerksam wird und uns helfen kann.“

Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren in Düsseldorf: „Ich bin kein Restposten bei real!“

Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren in Düsseldorf: „Ich bin kein Restposten bei real!“ © dpa

Konkret hofft sie, dass Politiker sich beim Weiterverkauf einzelner Märkte einschalten und „Auflagen erlassen, um Arbeitsplätze zu sichern“. Die Chancen stünden aus ihrer Sicht nicht gut, aber „die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt sie.

Laut der Gewerkschaft Verdi stehen rund 34.000 Beschäftigte bundesweit vor einer ungewissen Zukunft.

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