Kein Einzelfall: Sparkasse Vest bucht urplötzlich 10 Euro vom Konto einer 63-Jährigen ab

mlzSparkasse Vest

Die Sparkasse buchte einer Kundin aus Castrop-Rauxel aus heiterem Himmel 10 Euro vom Konto ab – weil vor Jahren an falscher Stelle ein Häkchen gesetzt wurde. Weitere Kunden könnten betroffen sein.

Castrop-Rauxel

, 03.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kreditprovision stand da auf dem Kontoauszug übers vergangene Quartal. Mit dem Datum 30.9.2019, als die 63-jährige langjährige Kundin der Sparkasse Vest in Castrop-Rauxel wie gewohnt eher flüchtig auf dem Papier nachvollziehen wollte, was sich auf ihrem Girokonto an erfreulichen und weniger erfreulichen Buchungen getan hatte.

Nun also Kreditprovision, mit einem Zehner in Rechnung gestellt, oder genauer: abgebucht. Kredit, für viele Menschen eine der Möglichkeiten, sich auf Pump etwas zu leisten und den Betrag dann in kleineren Raten abzustottern.

Aber das ausgerechnet bei der Sparkasse? Die wie alle anderen Geldinstitute gebeutelt ist vom Zinsniveau und eigentlich nix vergütet oder – sagen wir – nur im Promillebereich für Einlagen und Sparbücher? Auf der anderen Seite aber happig zuschlägt, wenn Otto Normalverbraucher sein Konto überzieht? Aber das ist eine andere Geschichte.

Sparkasse Vest nimmt 10 Euro für vermeintliches Geschäftskonto

Die 63-Jährige wusste genau, dass sie keinen Kredit in Anspruch genommen hatte. Ein Anruf bei der Sparkasse erbrachte zunächst die freundliche Auskunft, ja, die Abbuchung sei korrekt, das würde schon seit geraumer Zeit so gemacht und es handele sich um die Vergütung einer zwar vereinbarten aber nicht in Anspruch genommenen Überziehung.

Fällig übrigens auch jedes Quartal, und ja, auch die Mitbewerber in diesem Sektor operierten genauso, nähmen Gebühren in identischer Höhe.

Kein Einzelfall: Sparkasse Vest bucht urplötzlich 10 Euro vom Konto einer 63-Jährigen ab

Die Sparkasse erhebt machmal sonderbar vorkommende Gebühren. Und wenn ein Dispo gelöscht ist, muss ein neuer bentragt werden. © Tobias Weckenbrock

Eine Auskunft, die zunächst für Schnappatmung bei der Kundin sorgte und dann am nächsten erreichbaren Werktag für ein erneutes Telefonat mit einer aus dem Urlaub zurückgekehrten Mitarbeiterin, ihrer zuständigen Kundenbetreuerin. Des Rätels vermutete Lösung: Der Zehner wurde ihr in Rechnung gestellt für ihr vermeintliches Geschäftskonto.

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Häkchen an der falschen Stelle gemacht

Aber ein Geschäftskonto besitzt sie gar nicht, weiß sie. Doch, das besitze sie sehr wohl, hieß es in dem Gespräch. Und zwar schon seit zig Jahren, als das Girokonto in Absprache auf die sogenannte Light-Variante umgestellt worden war.

Ein Geschäft hat die 63-Jährige aber trotzdem nicht. Dann gibt es wohl nur eine Erklärung: Bei der Kontomodifizierung ist ein Häkchen an der falschen Stelle gemacht worden. Also gibt es den Zehner zurück und der Dispo auf dem vermeintlichen Geschäftskonto ist gecancelt.

Soweit so gut, aber natürlich möchte die Kundin weiter einen Überziehungskredit auf ihrem „normalen“ Giro-Konto. Dafür allerdings müsse sie einen erneuten Antrag stellen, denn auf Zuruf etwa gebe es keinen Dispo, heißt es bei der Sparkasse. Und: Man sei dankbar, denn es handele sich bei dem aufgetretenen Problem nicht um einen Einzelfall.

Kein Einzelfall: Sparkasse Vest bucht urplötzlich 10 Euro vom Konto einer 63-Jährigen ab

Einen Zehner als Posten für eine Kreditprovision am Ende eines Quartals hatte die Sparkasse abgebucht, einige Tage später war das Geld wieder auf dem Konto drauf. © Abi Schlehenkamp

Sparkassendirektor Rainer Kruck relativiert das. „Die Konstellation ist sehr selten bei 250.000 Kunden“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Es könnten so viele nicht sein, wenn nur wenige „ausgesuchte“ Kunden. Bei dem Irrtum, für den sich die Sparkasse bei möglicherweise ebenfalls Betroffenen entschuldigt, handele es sich um einen Systemfehler. Schlicht, einen Fehler in der Software.

„Haben Sie ein wachsames Auge“

Diese Gebührenbelastungen würden seit über einem Jahr vorgenommen – und sollten eben Geschäftskonten betreffen. Nach einigen wenigen Hinweisen sei der Fehler klar gewesen. Wenn allerdings der Dispo erst mal gelöscht sei, müsse man in der Tat einen neuen Antrag stellen. „Das hat auch etwas mit Verbraucherschutz zu tun“, sagt Kruck.

Und als sei hier auch ein bisschen Slapstick im Spiel, hört die Kundin mit/ohne Geschäftskonto bei einem ihrer Telefonate mit der Sparkasse die Bandansage „Haben Sie ein wachsames Auge, achten Sie auf Ihren Kontostand und Umsätze.“ Kruck sagt dazu: „Das ist eine Ansage von vielen, die wir per Band spielen.“

Hier passt sie optimal.

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