Trickdiebstähle: Kopf der Lidl-Bande vor Gericht

Süße Beute

Der mutmaßliche Kopf einer Bande von Einkaufswagen-Dieben muss sich seit Montag vor dem Essener Landgericht verantworten. Der 43-Jährige soll von Rumänien aus mindestens 55 raffinierte Trickdiebstähle in Lidl-Filialen organisiert und gesteuert haben – auch in Castrop-Rauxel schlug die dreiste Bande zu.

CASTROP-RAUXEL

14.06.2016, 18:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Trickdiebstähle: Kopf der Lidl-Bande vor Gericht

In diesem Lidl an der Wartburgstraße klaute die Bande 2014 einen vollen Einkaufswagen im Wert von über 700 Euro.

Laut Anklage führte der 43-Jährige eine 20-köpfige Gruppe von Dieben an, die zwischen September und Dezember 2014 in Lidl-Filialen reihenweise den raffinierten „Einkaufswagen-Trick“ in die Tat umsetzten. Ein Täter bepackte einen Einkaufswagen voll mit Süßigkeiten (Schokoriegel, Pistazien und Kaugummi) und schob ihn wieder vor den Eingang - ein Mittäter öffnete danach von außen den Türmechanismus.

Im Oktober 2015 war der Angeklagte in Bukarest festgenommen und anschließend ausgeliefert worden. Seit Februar 2016 sitzt er in U-Haft. „Er bestimmte die Tatorte. Er stellte die Fluchtfahrzeuge. Er stellte die Gruppen für die Diebestouren zusammen. Er legte fest, welche Waren gestohlen werden“, hieß es in der Anklage. Die Diebe sollen allesamt in einer von ihm zur Verfügung gestellten Wohnung in Marl untergetaucht sein. Nach einem Klau-Coup soll sich der Bandenchef sofort um Abnehmer für die süße Beute gekümmert haben.

Süße Beute und Renault-Fluchtwagen

In Castrop-Rauxel schlug die Bande am 17. September 2014 in der Lidl-Filiale an der Wartburgstraße zu, erbeutete dabei Süßwaren (und Kaugummi) für insgesamt 757 Euro. Wie fast immer, rasten die Täter auch hier anschließend mit einem Renault Megane mit Offenbacher Kennzeichen davon.

Die Ermittlungskommission „Planet“ hatte die Täter zuletzt observiert und abgehört. Bei einer Razzia im März 2015 konnte im Basislager der Bande noch umfangreiches Diebesgut sichergestellt werden.

Zum Prozessauftakt hat sich der mutmaßliche Bandenchef nicht geäußert. Wie bekannt wurde, haben die Richter ihm im Vorfeld des Prozesses im Falle eines vollen Geständnisses eine Gefängnisstrafe von siebeneinhalb bis achteinhalb Jahren in Aussicht gestellt.

Am Essener Landgericht sind in den vergangenen Monaten bereits drei Mitglieder der so genannten „Lidl-Bande“ verurteilt worden. Die Männer kassierten dabei Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. In ihren Prozessen waren sie weitestgehend geständig.

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