Trotz Bewährungsstrafe: Rentner sammelt und tauscht weiter Tausende Kinderpornos

mlzFotos und Videos

Bei einem Castrop-Rauxeler (70) wurden im März 2500 Fotos und fast 500 Videos mit kinderpornographischen Darstellungen beschlagnahmt. Wenige Monate zuvor gab es schon mal eine Durchsuchung.

Castrop-Rauxel

, 18.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zur Akte der Anklage gehörte ein Sonderband: Ein Band mit besonders belastendem Foto- und Videomaterial. Es ist Kinderpornographie. Für den Richter eine höchst unangenehme Pflicht, diese Unterlagen zu sichten.

Fotos, an denen andere Vergnügen finden. Und dieses Laster sogar noch verharmlosen wollen. So sagte der 70-jährige Angeklagte zu Beginn der Verhandlung lapidar: „Es tut mir leid, es ist passiert, ich bin wieder in Versuchung gekommen.“

Anfang März waren in der Wohnung des Rentners verschiedene Speichermedien mit zahlreichen Dateien beschlagnahmt worden: Weit über 2000 Fotos und rund 500 Videos.

Er gab zu, er sei rückfällig geworden

Eine stattliche Sammlung, bedenkt man die kurze Zeit, in der diese Daten gesammelt wurden. Denn erst Ende November 2018 war alles, was der Angeklagte an kinderpornographischen Darstellungen auf dem PC und sonstigen Medien hatte, entdeckt und beschlagnahmt worden. Er hatte sich also binnen eines Vierteljahres schon wieder eine stattliche Sammlung zugelegt.

Er habe eigentlich nur mit ein paar Kollegen chatten wollen, erklärte der Mann vor Gericht jetzt seinen Rückfall. Die Fotos seien ihm einfach zugeschickt worden. Später gab er aber auch einen Tauschhandel zu. Von Bildern, die meist Kinder, überwiegend Jungen, in eindeutigen Situationen zeigen.

Nicht nur im Spätherbst 2018, auch Jahre zuvor war der Mann bereits aufgefallen und zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die letzte, eine achtmonatige Strafe auf Bewährung, läuft noch bis 2022.

Expertin: Er hat diese Sache nie eindeutig eingeräumt

Die Auflage, sich regelmäßig bei der Bewährungshelferin zu melden, erfüllt der Angeklagte. Doch mit den Gesprächen zeigte sich die Betreuerin nicht zufrieden. „Er hat diese Sache nie eindeutig eingeräumt“, sagte sie. Der 70-jährige Castrop-Rauxeler soll anfangs von Hackern gesprochen haben. Er habe versichert, einen Bogen um Kinder zu machen.

Auch die monatlichen Gesprächstermine bei einem Arzt brächten den Klienten ihrer Meinung nach nicht weiter. Da gebe es gezieltere Maßnahmen, da sei sie sicher. Ihr Fazit: Der Mann bagatellisiere das Thema, zeige keine Einsicht.

Davon war nun vor dem Strafrichter auch die Staatsanwaltschaft überzeugt. Man habe keine Empathie beim Angeklagten erkennen können. Deshalb laute die Forderung nun: 18 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

„Ausgesprochen hohe Rückfallgeschwindigkeit“

Genauso fiel das Urteil des Richters aus. „Jedem Foto geht ein schwerer Missbrauch voraus“, sagte er. Der Angeklagte habe eine Chance auf Bewährung gehabt, sie aber verspielt. Und das mit einer ausgesprochen hohen Rückfallgeschwindigkeit.

Der Angeklagte will jetzt in Berufung gehen. Dann wird der Fall im Landgericht Dortmund noch einmal von vorn verhandelt - inklusive einer Sichtung der abscheulichen Beweisfotos.

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