Trotz Kontaktverbot: Trauerfeier mit fast 500 Menschen in Merklinde

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Eine Trauerfeier mit mehreren hundert Menschen sorgte Donnerstag auf dem Friedhof Merklinde für großes Aufsehen. So begründen Polizei und Ordnungsamt die Rechtmäßigkeit trotz Kontaktverbots.

Merklinde

, 23.04.2020, 19:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund um den Friedhof Merklinde gibt es Donnerstagmittag kaum ein Durchkommen. Bockenfelder Straße, Merklinder Straße, Hellweg - alles komplett zugeparkt. Die Autos reihen sich auf der Bockenfelder Straße vom Friedhof fast bis zur Einmündung Kupferstraße. Gesänge sind aus Richtung der Trauerhalle zu hören, dazu eine Person, die durch ein Mikrofon spricht.

Um 13 Uhr beginnt auf dem Friedhof eine Trauerfeier. Auch noch nach dem Beginn strömen immer mehr Menschen in Richtung Trauerhalle. Zuvor müssen sie sich den Weg durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Polizeibeamten am Eingang bahnen.

Die Schätzungen gehen weit auseinander: Von 260 Menschen ist die Rede, die laut Aussage eines Ordnungsamt-Mitarbeiters durch den Haupteingang zur Trauerhalle gegangen sind. Andere gehen vor Ort eher von bis zu 500 Menschen aus, die auch über die anderen Eingänge auf den Friedhof gekommen sind.

Keine Personenbeschränkungen bei Beerdigungen

Eine Beerdigung mit mehreren hundert Menschen in Zeiten des Kontaktverbots während der Corona-Pandemie: Darf das überhaupt sein? Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi klärt auf: „Es gibt keine Regelung, nach der wir es verbieten können, wenn das Land NRW keine Personenbeschränkungen mehr gibt. Wenn sie sich ordentlich verhalten und Mundschutz tragen, dann begleiten wir das aufmerksam.“

Tatsächlich tragen viele Personen der Trauergemeinde einen sogenannten Community-Mundschutz. In den Bestimmungen des Landes NRW ist der Punkt Beerdigungen explizit aufgeführt. Darin heißt es, gültig seit dem 20. April: „Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete, wenn die erforderlichen Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern eingehalten werden.“ Von einer Beschränkung auf eine bestimmte Personenzahl ist nichts mehr zu lesen.

Mitarbeiter des Ordnungsamt waren während der Trauerfeier vor Ort. Die Bockenfelder Straße war komplett zugeparkt.

Mitarbeiter des Ordnungsamt waren während der Trauerfeier vor Ort. Die Bockenfelder Straße war komplett zugeparkt. © Marcel Witte

Die Information, dass die Beerdigung stattfinden würde, erreichte die Stadt Castrop-Rauxel bereits einige Tage zuvor, wie Nicole Fulgenzi bestätigt. Die Polizei sei vom Ordnungsamt hinzugezogen worden, wobei Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber während der Trauerfeier sagt: „Es sind mehrere Einsatzwagen vor Ort, wir unterstützen die Stadt aber bloß.“

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Es war also seit einigen Tagen bekannt, dass der Einsatz notwendig werden würde, um darauf zu achten, dass die Trauergemeinde den nötigen Mindestabstand einhält. Vor Ort bot sich allerdings ein anderes Bild: Die Menschen standen dicht an dicht, manche mit Mundschutz, manche ohne.

Abstände wurden laut Angaben der Stadt eingehalten

Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi erklärt gegen 14 Uhr: „Die Abstände wurden bis zum Beerdigungsbeginn um 13 Uhr weitgehend eingehalten. Einzelne Erinnerungen und Mahnungen wurden bis zum Beginn ausgesprochen.“ Anschließend verfolgten die Ordnungsamt-Mitarbeiter sowie die Polizeibeamten die Trauerfeier vom Haupteingang aus.

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