Türsteher mit Messer verletzt: „Ich habe geblutet, jetzt soll er bluten“

Streit im Saunaclub

Eine lange Narbe auf seiner Brust wird den Türsteher eines Saunaclubs immer an diesen Tag erinnern. Ein Gast soll nach einem Streit ums Geld ein Teppichmesser gezückt haben.

Castrop-Rauxel

, 09.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weil der Preis stieg, gab es Streit in einem Saunaclub. Er endete mit einem Messerangriff.

Weil der Preis stieg, gab es Streit in einem Saunaclub. Er endete mit einem Messerangriff. © picture alliance/dpa

Der 30-Jährige trat nach vorn an den Richtertisch im Castrop-Rauxeler Amtsgericht und riss sein T-Shirt hoch, präsentierte seinen nackten Oberkörper. Zu sehen war – neben einer Menge Muskeln – eine lange Narbe. Schräg runter Richtung Bauchnabel zeigte die 20 bis 30 cm lange Linie, die ein Teppichmesser in den Körper geritzt hatte. Der vermutliche Täter, ein ebenfalls 30-jähriger Mann, soll den Mann aus der Sicherheitsbranche im Dezember 2018 angegriffen haben.

Tatort: Ein Saunaclub in der Stadt. Ein Etablissement, wo sich die Gäste in Bademänteln ein Getränk genehmigen und auf Bekanntschaft hoffen. Womit beim Angeklagten, der mit dem Besuch dort die Einladung eines Cousins angenommen hatte, der verhängnisvolle Abend begann.

Die Dame wollte mehr Geld

Denn nach einer Damenbekanntschaft mit Aufenthalt in einem separaten Raum, wie er schilderte, seien die Kosten für dieses Treffen in die Höhe geschnellt. „30 Euro hatte sie gesagt, doch jetzt wollte sie 100 haben“, schilderte der Angeklagte im Amtsgericht Castrop-Rauxel seinen Zorn.

„Ich wollte einen Zuständigen sprechen, mich beschweren“, so der Angeklagte weiter. Diskutiert wurde dann wohl mit einer Empfangsdame und dem Security-Mann. Es sei lauter geworden, man habe ihn geschlagen, so der Club-Kunde weiter. Er sei dann zu einem Geldautomaten geführt worden, der aber seine Karte nicht akzeptiert habe. Daraufhin habe man ihm das Handy abgenommen. „Und da waren Fotos von meinem getöteten Bruder drauf“, klagte er.

Das Geschehen verlagerte sich dann auf den Parkplatz. Der Angeklagte und sein Cousin wollen schon im Auto gesessen haben, als der Türsteher mit ein paar Leuten auf sie zukam. In der Hoffnung, sein Handy wieder zu bekommen, sei er ausgestiegen. Nahm, weil der Türsteher „so ein Riesentyp“ sei, sein Messer mit. „Ich wollte ihn nicht verletzten“, beteuerte der Angeklagte.

Stich statt Handkuss

Tatsächlich hat er dem Zeugen aber eine riesige Wunde zugefügt. Doch nicht nur die Narbe erinnert den 30-Jährigen an die Nacht. „Ekelhaft, ekelhaft, ekelhaft“, ereiferte er sich. „Ich habe in 5 Jahren meiner Tätigkeit schon viel gesehen, aber sowas noch nie.“ „Als er auf dem Parkplatz auf mich zukam, habe ich erst gedacht, er wolle mir die Hand küssen, Frieden schließen“, berichtete er. Doch der Gast zückte das Messer, verletzte den kräftigen Mann schwer.

„Ich habe geblutet, jetzt soll er bluten“, bemühte der Geschädigte ein drastisches Bild, und beteuerte, das Handy des Angeklagten gar nicht an sich genommen zu haben. Bevor der Richter ein Urteil fällt, will er noch den Cousin, der den Angeklagten in das Etablissement eingeladen hatte, sowie einen Kollegen des Geschädigten anhören.

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