Tyrann im Haus: Nachbar schubst 43-Jährige die Treppe runter – „Ich dachte, sie ist tot“

mlzSchmerzensgeld

Mit einem Schädeltrauma und Prellungen lag die 43-Jährige im Hausflur. Ein Nachbar hatte sie die Treppe hinuntergeschubst. Der Höhepunkt einer Streit-Karriere, die nun vor Gericht landete.

Castrop-Rauxel

, 20.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich dachte, sie ist tot“, sagte eine Nachbarin des Mehrfamilienhauses und Augenzeugin im Amtsgericht am Montagmorgen (18. November) aus. Dort wurde ein Vorfall verhandelt, bei dem ein Nachbar eine Frau (43) die Treppe heruntergeschubst hatte.

Die besagte Frau, vor Gericht als Nebenklägerin im Saal, war nach diesem Sturz nicht tot. Aber einige Minuten bewusstlos.

Streit wegen Wäsche

Vorangegangen war an diesem frühen Abend des 4. Juli 2019 ein Streit mit einem Nachbarn. Es ging um die Wäsche im gemeinsamen Waschkeller. Die Nachbarn hätten ihre Sachen wieder mal so nah vor ihrer Waschmaschine aufgehängt, so die Zeugin und Geschädigte, dass sie nicht an ihre Maschine kommen konnte.

Das soll zum wiederholten Mal der Fall gewesen sein. Deshalb habe sie an der Tür des Nachbarn geklopft, um ihrem Unmut Luft zu machen.

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Der Mann öffnete beim zweiten Klopfen, das, wie die Frau zugab, durchaus heftig war. So wie ihre Wut. „Verdammt noch mal, können Sie Ihre Wäsche nicht vernünftig aufhängen?!“, habe sie gebrüllt.

Unterschiedliche Schilderungen

Was dann geschah, wurde vor Gericht unterschiedlich dargestellt. Die 43-Jährige sagte wie auch die 58-Jährige Flurnachbarin, die den Vorfall erst durch den Türspion und dann direkt verfolgte, so aus: Der 68-jährige Nachbar sei auf die Geschädigte losgegangen und habe sie mehrfach geschubst, bis sie schließlich die Treppenstufen hinunterstürzte. Der Beschuldigte meinte, dass er sich nur gewehrt habe. Er sei angegriffen worden und habe die Frau nur weggedrückt.

Dann schilderte er verschiedene Bedrohungen und Belästigungen seitens der 43-Jährigen. Häufiges Trampeln auf dem Fußboden über seiner Wohnung oder Dreck am Fenster sind zwei der Dinge, die er vorbrachte.

Als Nutte bezeichnet

Im Gegenzug hatte auch die Nebenklägerin einiges zu berichten. Nach einer Beschwerde wegen lauter Sexgeräusche habe der Nachbar sie im Treppenhaus mehrfach als Nutte und Schlampe tituliert. Und ab da habe auch deren Wäsche immer direkt vor ihrer Maschine gehangen. Immer wieder habe sie die Wäschestücke beiseite schieben müssen, um zu ihrer Waschmaschine zu gelangen.

Das bestätigte die 58-jährige Nachbarin, die sich ebenfalls tyrannisiert fühlt vom Flurnachbarn. Das Enkelkind sei manchmal laut. Im angeklagten Fall bestätigte sie mit ihrer Aussage im Wesentlichen die Darstellung der 43-Jährigen, die inzwischen übrigens ausgezogen ist.

Vorsätzliche Körperverletzung

Für Richter und Staatsanwalt waren die Zeugenausagen glaubwürdig. Das Urteil: neun Monate Haftstrafe zur Bewährung wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Dazu muss der 68-Jährige 1000 Euro Schmerzensgeld an die Ex-Nachbarin zahlen.

Für die 58-jährige Zeugin scheint die Wohnsituation heute noch angespannt. Sie habe weiterhin Angst und bekam vom Richter den Rat, im Zweifelsfall sofort die Polizei zu verständigen.

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