„Überfälle werden als Berufsrisiko angesehen“: Ehemalige Shell-Mitarbeiterin packt aus

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Zwei Tankstellen wurden in kürzester Zeit in Castrop-Rauxel überfallen. Die jungen Angestellten erlitten Schocks. Jetzt spricht eine ehemalige Shell-Angestellte. Sie erhebt Vorwürfe.

Henrichenburg

, 08.11.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei maskierte und bewaffnete Täter überfallen erst die Shell-Tankstelle an der Hebewerkstraße in Henrichenburg in der Nacht auf Samstag. Am Dienstagabend dann der nächste Überfall auf die SB-Tankstelle an der Wartburgstraße in Habinghorst. Die Täter hatten Pistolen dabei, sie stahlen sowohl Geld als auch Zigaretten.

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Zwei junge Frauen - 18 und 19 Jahre alt - waren während des Überfalls in der SB-Tankstelle an der Wartburgstraße. Der betroffene Mitarbeiter in der Shell-Tankstelle war ebenso jung: 18 Jahre. Er könne über die Berufsgenossenschaft psychologische Unterstützung erhalten, erklärte Shell auf Anfrage unserer Redaktion.

Überfälle als Berufsrisiko

Solche Überfälle sind keine Ausnahme. Immer wieder werden Tankstellen in Castrop-Rauxel ausgeraubt. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Shell-Tankstelle, die allerdings unerkannt bleiben möchte, packt nun aus - und klagt auch gegenüber ihrem einstigen Arbeitgeber: „Überfälle werden quasi als Berufsrisiko angesehen.“

Sie selbst sei nie überfallen worden, ein Kollege von ihr aber schon. „Danach bin ich mit einem etwas mulmigeren Gefühl zur Arbeit gegangen“, sagt sie. „Richtig Angst hatte ich aber nicht, weil ich immer die Türen verschlossen und den Nachtschalter benutzt habe.“

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Genaue Regelungen, ob und wann man den Nachtschalter benutzen muss, habe es damals keine gegeben, sagt die ehemalige Mitarbeiterin. Häufig ließen Mitarbeiter die Türen offen. Dann können die Kunden auch bei Nacht einfach in die Tankstelle hinein spazieren.

Schusssicheres Spezialglas und Alarm-Knopf

„Die Scheiben sind aus schusssicherem Spezialglas. Wenn man also alles abschließt und die Kunden nur am Nachtschalter zahlen können, ist man eigentlich gut geschützt“, sagt sie zum Shell-Standort an der B235. „Einen Knopf, der Alarm auslöst, gibt es auch noch“, so die ehemalige Mitarbeiterin.

Trotz der Sicherheitsmaßnahmen kommt es regelmäßig zu Überfällen, unter denen die Mitarbeiter der Tankstellen dann oft lange psychisch leiden. Gespräche über Sicherheitsvorkehrungen und die psychologische Hilfe im Nachhinein gibt es schon - aber ansonsten unternehme die Shell-Group nichts weiter.

Nachtschichten zu zweit oder Sicherheitspersonal

Immer ein Handy oder Telefon griffbereit zu haben: Das rät die ehemalige Mitarbeiterin ihren Kollegen. Wenn ihnen ein Kunde komisch vorkomme, solle man am besten die Nummer der Polizei schon vorwählen und sich nicht in Gespräche verwickeln lassen.

Vor allem wünsche sie sich aber, dass eine Pflicht für den Nachtschalter eingeführt wird und weitere Maßnahmen zur Sicherheit der Mitarbeiter getroffen werden. So würden zum Beispiel Nachtschichten zu zweit oder Sicherheitspersonal für die Nacht vielen Tankstellen-Mitarbeitern ein sichereres Gefühl geben. Allein: Die Doppelbesetzung in Habinghorst hat den Überfall am Dienstag auch nicht verhindert.

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