Überflüssig oder politische Hygiene?

Ehrenbürgerschaft Hitlers

Die offizielle Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers durch den Rat in seiner Sitzung am Donnerstag stößt auf ein geteiltes Echo.

von Von Michael Fritsch

, 04.10.2011, 18:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hans Ettrich, ein unumstrittener Ehrenbürger.

Hans Ettrich, ein unumstrittener Ehrenbürger.

Allerdings bestätigte Pressesprecherin Maresa Hilleringmann, dass entgegen ersten Informationen in der Stadtgeschichte insgesamt sechs Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen worden ist. Dabei handelt es sich vor dem Zweiten Weltkrieg um den früheren Ehrendechanten Franz Keweloh (10. Februar 1928) sowie die seinerzeitigen Reichskanzler und Reichspräsidenten Adolf Hitler und Paul von Hindenburg (7. April 1933). Seit Gründung der Bundesrepublik wurden dem SPD-(Ober-)Bürgermeister Hugo Paulikat (2. Dezember 1989) und Hans Ettrich (28. Oktober 1999) sowie dem aus Merklinde stammenden ersten Bischof von Bacabal (Brasilien), Hermann Paschasius Rettler (28. Oktober 1993) die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Der Streit dreht sich vor allem darum, ob das Ehrenbürgerrecht mit dem Tod des Betroffenen automatisch erlischt oder nicht. Während die Stadt dies gestern ausdrücklich verneinte, widersprach das Innenministerium. „Faktisch endet die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod“, stellte eine Sprecherin klar. Scholz sagte unter Berufung auf den früheren SPD-Ratsherrn Werner Lehmann: „Es ist überflüssig, die Ehrenbürgerschaft aufzuheben. Der Mann ist tot und jedermann hat ein Urteil über ihn, das eindeutig ist.“ Demgegenüber erklärte Städte- und Gemeindebund-Sprecher Martin Lehrer: „Es ist völlig richtig, eine solche Reinigung des öffentlichen Gewissens vorzunehmen. Dabei spielt Zeit auch keine Rolle. Wenn Unrecht ergangen ist, ist es egal, ob das 100, 30 oder nur zwei Jahre her ist.“

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