Übergriff im Keller mit einem Besenstiel

Bewährungsstrafe

Früher waren die beiden Familien, die es vor vielen Jahren von Griechenland nach Ickern verschlagen hat, gut befreundet. Vorbei. Stattdessen scheint offene Feindschaft zu regieren in dem Haus, wo beide Parteien seit langem leben.

CASTROP-RAUXEL

von Von Gabriele Regener

, 11.10.2011, 22:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Ich habe geholfen, Kirschen zu pflücken“, sagte er. Danach habe er sich in der Waschküche die schmutzigen Hände reinigen wollen. Dort, im Kellergang, sei er völlig unvermittelt angegriffen worden. Ein Arzt des EvK attestierte später die Folgen des Übergriffs: Prellungen und Schürfwunden an Arm, Kopf und Bauch. Seine 69-jährige Ehefrau kam, wie die befreundete Nachbarin, durch Schreie aufgeschreckt, hinzu. Beide gaben an, gesehen zu haben, dass der Angeklagte ein abgeschnittener Besenstiel gehalten, der Nebenkläger bereits sehr angeschlagen gewesen sei. Die Prügel selbst hätten sie nicht gesehen. Wogegen die Aussage der 62-jährigen Frau des Angeklagten allen bisherigen Schilderungen widersprach. Sie habe den Stock weggenommen, bevor damit überhaupt geschlagen werden konnte.

„Ich glaube der Ehefrau nicht“, sagte nicht nur der Richter, auch Staatsanwältin und Nebenkläger zweifelten die Aussage an. Auch die Unterstellung, die Verletzungen am Arm des Nebenklägers seien fingiert, weil er kurz nach dem Vorfall auf einem Fest in der Agora am Bierstand gearbeitet hätte, wurden entkräftet. Auf den Helfer-Listen, so der Vertreter der Griechischen Gemeinde, sei der 73-Jährige nicht aufgeführt. Er habe, wie dieser auch selbst ausgesagt hatte, wohl nur kurz die Kasse bewacht, als seine Frau Zigaretten kaufte. Für Staatsanwalt und Richter waren die gefährliche Körperverletzung sowie eine Bedrohung erwiesen. Das Urteil: Acht Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, dazu 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. 

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