Um Ausgangssperren zu vermeiden: Alle Castrop-Rauxeler sollen im Zweifel zu Hause bleiben

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Bürgermeister Rajko Kravanja und Mitstreiter haben am Donnerstag in einer Facebook-Sprechstunde Fragen zum Coronavirus beantwortet. Wir liefern hier die wichtigsten Inhalte daraus.

Castrop-Rauxel

, 19.03.2020, 20:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Gesprächspartner standen der Beigeordnete Michael Eckhardt, Dr. Christian Szymanski vom Rochus-Hospital, Rajko Kravanja, Beigeordnete Regina Kleff und Michael Werner vom EUV für Fragen der Castrop-Rauxeler bereit.

Bürgermeister Rajko Kravanja betonte zu Beginn: „Jeden Tag gibt es eine neue Situation, es ist immer eine Güterabwägung nötig. Priorität hat der Gesundheitsschutz, aber wir müssen auch die Infrastruktur erhalten, das ist auch überlebensnotwendig. Und auch unsere Wirtschaft muss überleben können.“

Die Fragenbereiche:

Papiertonne: Michael Werner erläuterte, dass der EUV ein Backup für die Restmüll- und anderen Tonnen brauche, wenn das Virus zuschlage. Die braune Tonne werde weiter abgefahren, auch die gelbe Tonne. Wie lange das funktioniere, werde die Zeit zeigen. Um es zu schaffen, fange man künftig um 6 Uhr morgens an.

Verwaltungsarbeit: Laut Kravanja versuche man, gerade ganz viele Arbeiten digital erledigen zu können, das sei ein Fortschritt. Am besten sollten sich die Castrop-Rauxeler im Amt per Telefon melden, um Fragen zu klären.

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Kitagebühren: Regina Kleff sagte, die Beiträge würden unter Umständen noch für den März eingezogen. Der April solle aber auf jeden Fall beitragsfrei sein. Eltern sollen zeitnah genau informiert werden. Das gelte auch für OGS-Beiträge.

Finanzielle Hilfen: Für Kurzarbeiter und Unternehmer werden gerade ganz viele Maßnahmen und Hilfen entwickelt von Land und Bund. Die Stadt wird versuchen, alle Interessenten zu beraten, wie sie an solche Kredite, Zuschüsse etc. kommen können.

Kulanz: Bei der Grundsteuer B und anderen Gebühren wird die Stadt/der EUV Gewerbetreibenden entgegen kommen, im Notfall seien auch Stundungen ermöglichen, so Michael Werner.

Ausgangssperren: Laut Rajko Kravanja haben es die Menschen in der Hand, das zu vermeiden, wenn sie die Regeln einhielten und zu Hause blieben. Wenn das nicht funktioniere, müsse man Verbote aussprechen. Wenn eine Ausgangssperre komme, heiße das: Ich darf zur Arbeit gehen und Lebensmittel einkaufen. Punkt. Alle weiteren Entwicklungen blieben abzuwarten.

Wer vorsätzlich Anordnungen übertrete, Spielplätze betrete oder anders negativ auffalle, müsse mit drastischen Bußgeldern rechnen auch im vierstelligen Bereich. Oder sogar mit Anzeigen. Es sei reiner Wahnsinn und selbstmörderisch, sich jetzt noch in großen Gruppen treffen zu wollen, auch im privaten Bereich, warnte Kravanja.

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Bußgelder: Laut Michael Eckhardt werden das Ordnungsamt und zur Not auch die Polizei gegen Corona-Partys und andere Zusammenkünfte vorgehen. Es könne zudem sein, dass das Land zur Not weitere Maßnahmen verhängt, wenn die Vernunft nicht siege.

Gesundheitsfrage: Aus medizinischer Sicht sei eine Ausgangssperre sinnvoll, betonte Dr. Christian Szymanski. Die Menschen müssten jetzt einfach verstehen, dass es unumgänglich sei, zu Hause zu bleiben. Ihm werde ganz schlecht, wenn er Menschen jetzt in Gruppen oder sich umarmen sehe. Es gehe nicht, diese Krise ohne Abstand zu überstehen, ohne sich zwei oder vier Wochen lang abzuschotten, so weit es ginge.

Wenn man Symptome zeige, soll man sich an den Hausarzt wenden, aber auf jeden Fall erst einmal zu Hause bleiben. Sonst könnte man das Virus verbreiten. Der Arzt werde den richtigen Weg weisen. Zuhause zu bleiben schütze auch die Gesellschaft. Wer raus gehe oder Partys feiere, zeige sich als rücksichtslos.

Erster Ansprechpartner sei immer der Hausarzt, wichtigster Informationslieferant das Robert-Koch-Institut.

Risikogruppen: Alle Menschen mit Vorerkrankungen seien besonders gefährdet, das gelte für Zuckerpatienten ebenso wie für Menschen in Chemotherapien oder Lungenkranke.

Kinder: Kinder seien wunderbare Virus-Überträger, so Szymanski, werden aber selbst kaum krank. Also sollten Radtouren oder gemeinsame Spiele unbedingt von den Eltern verboten werden. Auch hier gelte: Zu Hause zu bleiben sei der beste Weg. Alle Kontakte auch zu Freunden müssten vermieden werden. Das sei vielleicht zutiefst anstrengend, wenn man keinen eigenen Garten habe, aber wenn die ersten Toten registriert würden, werde das große Geschrei kommen.

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Hamsterkäufe: Laut Michael Eckhardt sei es nicht einfach, so etwas zu untersagen. Man könne Läden aber unterstützen bei der Durchsetzung von Rationierungen. Er hoffe darauf, dass sich die Situation jetzt entspanne. Er verstehe nicht, was diese Käufe sollten, da alle Handelsunternehmen betonen, dass die Versorgungssicherheit überhaupt nicht in Gefahr sei.

Einkäufe: Rajko Kravanja appellierte an alle Castrop-Rauxeler, jetzt nicht im Internet zu kaufen, sondern weiter die Castrop-Rauxeler Läden zu unterstützen. Da könne man vielfach anrufen und sich Sachen auch liefern lassen. „Bitte unterstützen sie die örtlichen Händler, versuchen Sie, die zu erreichen. Wir brauchen die. Wenn sie nach der Krise nicht mehr da wären, unterstützt uns kein Amazon beim Stadtfest“, so Kravanja.

Ladenschließungen: Castrop-Rauxel versuche, den Landeserlass möglichst großzügig auszulegen. Es gebe Graubereiche wie die Frisöre und andere Dienstleister und Handwerker. Da müsse man mit Augenmaß handeln, das handhabe jede Stadt anders. Da wäre ein klarer Erlass des Landes viel besser, den gebe es bisher aber nicht. Man geht aber davon aus, dass das Land nachlege. Da Kioske Zeitungen verkaufen, könne man die nicht schließen, da das erlaubt sei.

Wer noch eine Frage hat: Die Stadt bemühe sich um Antworten. Wer eine Frage hat, kann eine Mail schreiben an service@castrop-rauxel.de

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