Umweltgerechte Mobilität: Wie Castrop-Rauxel rad- und fußgängerfreundlich werden soll

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Der technische Beigeordnete Heiko Dobrindt fordert auch auf lokaler Ebene eine Verkehrswende. Wie das funktionieren könnte, und was es für Castrop-Rauxel bedeutet, hat er nun vorgestellt.

von Dieter Duewel

Castrop-Rauxel

, 10.06.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die aktuelle Diskussion über den Klimawandel schließt ein, dass die damit verbundene Verkehrswende auch auf lokaler Ebene herbeigeführt werden muss. Unser Ziel ist eine umweltgerechte Mobilität.“ Mit diesen Worten begrüßte der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt, wie er betonte selbst ein passionierter Radfahrer, die über 40 Gäste, darunter viele aus Politik und Verwaltung, die sich zur Bürgerwerkstatt „Nahmobilitätskonzept“ am Mittwochabend im Dieze eingefunden hatten.

Konkret bedeute das, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs zugunsten der Fußgänger und Radfahrer zu verringern sowie die Sicherheit für diese Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Dobrindt betonte, dass man durch die Entwicklung dieses Konzepts den Beschluss des Betriebsausschusses für Bauen, Verkehr und Sport umsetzt, sich um die Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW“ (AGFS) zu bewerben. Der Beschluss liegt übrigens schon mehrere Jahre zurück.

Die Erfahrungen der Bürger sollen genutzt werden

Durch das Ja des Umweltausschusses konnte die Finanzierung der Planung sicher gestellt werden, mit der die Planungsbüros VIA aus Köln und Planersocietät aus Dortmund beauftragt wurden. Sowohl Dobrindt als auch Pia Lesch von der Planersocietät erachten eine intensive Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung des Konzepts als unerlässlich. „Wir haben ungefähr 75.000 ‚Experten‘ in unserer Stadt, deren Erfahrungen wir auf jeden Fall nutzen wollen.

Wir haben ungefähr 75.000 ‚Experten‘ in unserer Stadt, deren Erfahrungen wir auf jeden Fall nutzen wollen. Pia Lesch von der Planersocietät

Aber auch die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstädten ist angesichts von 32.500 Pendlern, die in Castrop-Rauxel wohnen, von großer Bedeutung“, so der Technische Beigeordnete. Daher war die Bürgerwerkstatt ein erster wichtiger Schritt, die Bürger und Interessenverbände „mit ins Boot“ zu nehmen. Weitere Aktionen, wie zum Beispiel Planungsspaziergänge und Planungsradtouren, werden folgen, um vor Ort Anregungen und Kritik zu sammeln.

Die Nord-Süd-Achsen sollen ins Visier genommen werden

An vier Thementischen wurden grundlegende Aspekte des Nahmobilitätskonzepts erörtert. Die Themen Radverkehrsnetz, Rad- und Fußverkehrssicherheit, Fußverkehrsförderung sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit lösten angeregte Diskussionen aus. Im Bereich des Radverkehrsnetzes sollen vor allem die beiden Nord-Süd-Achsen ins Visier genommen werden, um die Wege für Radfahrer sicherer zu machen und mehr durchgehende Verbindungen zu schaffen. Pia Lesch gab zu bedenken, dass es unterschiedliche Typen von Radfahrern gibt, was sich auf die Gestaltung des Radverkehrsnetzes auswirken kann: „Wir unterscheiden zwischen den erfahrenen und selbstbewussten Fahrern auf der einen Seite und den eher ängstlichen, schutzorientierten Verkehrsteilnehmern auf der anderen Seite. Auf die erste Gruppe zielt das „gelbe Verkehrsnetz“ ab, das ein zügiges Vorankommen entlang der Hauptstraßen ermöglicht, während das „grüne Netz“ aus geschützten Fahrradwegen, getrennt von den Hauptverkehrsstraßen, besteht.“

Stärke Trennung von Fußgängern und Radfahrern gewünscht

Das Thema „Rad- und Fußverkehrssicherheit“ wurde sehr rege diskutiert. Von Bürgerseite wurde auf die Gefahren für Radfahrer hingewiesen, wie zum Beispiel an Straßeneinmündungen, wo der Autofahrer den Radfahrer oft nicht im Blick hat. Weitere Wünsche waren die stärkere Trennung von Fußgängern und Radfahrern innerorts sowie die Verbesserung der Bedingungen für die Benutzung von Rollatoren und Rollstühlen durch rutschfeste Pflaster.

Die Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer in der Castroper Altstadt war ebenfalls ein umstrittener Diskussionspunkt, der die Planer noch lange beschäftigen wird.

Verweise auf das Mängelportal und die CAS-App

Im Bereich der Kommunikation verwiesen Pia Lesch und Heiko Dobrindt auf das Mängelmeldeportal der Verwaltung und die CAS-App, wo Bürger ihre Kritik und Anregungen direkt anbringen können. Außerdem nimmt die Stadt gerade an der Aktion „Stadtradeln“ teil.

Pia Lesch wagte einen Blick in die Zukunft: „Nach der Bestandsaufnahme im Herbst 2019 werden wir das Nahmobilitätskonzept entwickeln. Die Fertigstellung ist für Anfang 2020 vorgesehen.“

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