Millionen Zigarettenkippen landen in Castrop-Rauxel im Jahr auf der Straße

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Rechnet man deutschlandweite Zahlen auf Castrop-Rauxel herunter, werden hier im Jahr rund 69 Millionen Zigaretten konsumiert. Und viele davon landen anschließend als Kippe auf dem Boden.

Castrop-Rauxel

, 08.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 74 Milliarden Zigaretten abgesetzt. Umgerechnet auf 80 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Pro Einwohner gehen 925 Zigaretten im Jahr in Rauch auf. Für Castrop-Rauxel wären das gut 69 Millionen Stück.

Mit Rauchverboten in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden hat man auf die Gefahren des Zigarettenrauchs auch für Nichtraucher reagiert. Inzwischen werden aber auch die Gefahren und die Kosten, die weggeworfene Kippen verursachen, thematisiert.

Millionen Kippen landen auf der Straße

Geht man davon aus, dass die Raucher „nur“ 10 Prozent ihrer gerauchten Zigaretten auf die Straße, den Waldweg oder den Spielplatz schnippen, dann reden wir hier von fast 7 Millionen Zigaretten-Kippen, die in der Natur landen.

Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft erläutert, enthalten Zigarettenfilter, die biologisch nicht abbaubar sind, giftige und krebserzeugende Substanzen wie Nikotin, Arsen, Blei, Kupfer, Chrom, Cadmium und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in den Boden und in Gewässer gelangen.

Wie die Bundesregierung im Januar 2019 auf eine Nachfrage der Grünen bestätigte, „handelt es sich beim einfachen Wegwerfen von Zigarettenkippen um eine Abfallentsorgung außerhalb dafür zugelassener Anlagen. Dies stellt eine illegale Abfallentsorgung dar, bei der es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt.“

Singapur kassiert 1320 Euro für eine Kippe

Kippen gehören in den Restmüll. Wenn sie dann mit anderen Siedlungsabfällen gelagert oder verbrannt werden, entstünden keine weiteren negative Umweltfolgen, so der Bund. Die Probleme entstehen also erst, wenn die Kippen achtlos weggeworfen werden.

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Wie verhindert man das? Im asiatischen Stadtstaat Singapur wird eine weggeworfene Zigarette laut „Neue Zürcher Zeitung“ mit einer Buße von 2000 Singapur-Dollar geahndet. Das sind umgerechnet (Stand 4. Februar) 1320 Euro. Wer zweimal erwischt wird, muss mit 4000 Dollar rechnen, wer sich ein drittes Mal leistet, muss 10.000 Dollar berappen.

So hoch sind die Bußgelder in Deutschland nicht. Aber immer mehr Kommunen versuchen auch hier, mit abschreckenden Geldsummen auf das Problem zu reagieren. Das Umweltministerium NRW hat im Juni 2019 einen neuen Bußgeldkatalog für den Bereich Abfall veröffentlicht, in dem die Bußgelder rigoros erhöht wurden.

Castrop-Rauxel würde nur 35 Euro nehmen

Für das Kippenschnippsen wird seitdem ein Bußgeld von 100 Euro empfohlen. Aber dabei handelt es sich nur um Vorschläge. In Castrop-Rauxel wird laut Straßenverordnung die Verunreinigung von Straßen und Anlagen mit 35 Euro Bußgeld geahndet. Dazu gehört laut Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi auch das Schnippen eines Zigarettenstummels auf die Straße.

Millionen Zigarettenkippen landen in Castrop-Rauxel im Jahr auf der Straße

Der EUV hat im September 2019 auf dem Marktplatz von Hand Tausende von Zigarettenstummeln eingesammelt. © EUV

Das Problem: Die Kontrolle der Verordnung findet nicht statt. Denn die Stadt hat im Bereich Ordnungswesen zu wenig Personal. Und so setzt man eher auf das Bewusstsein der Menschen.

Der Stadtbetrieb EUV etwa hat im vergangenen September unmittelbar nach dem Abbau der Herbstkirmes die Marktplatzfläche in der Altstadt weitestgehend von unzähligen Zigarettenstummeln befreit. Das Ergebnis der Säuberungsaktion: Es wurden mehrere Zehntausend Zigarettenstummel gesammelt.

„Das ist schon eine beträchtliche Anzahl“, sagte EUV-Vorstand Michael Werner damals und wies darauf hin, dass eine Zigarettenkippe rund 40 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen könne.

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Pro Zigarettenstummel, der bis zu 7000 Chemikalien enthält, landeten durchschnittlich zwei bis sechs Milligramm Nikotin in der Umwelt. „Dies wollen wir noch einmal ins Bewusstsein rufen“, betonte Werner damals. Wirklich gewirkt hat das nicht: Das Marktpflaster sieht im Januar 2020 nicht viel besser aus.

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