Letzte Vorbereitungen nahmen Insassen und JVA-Angestellte am Freitag vor, damit der Knastladen am Samstag eröffnen konnte. © Uschi Bläss
Knastladen Castrop

Ungewöhnliches neues Geschäft: Pop-Up-Store der JVA hat eröffnet

Eigentlich gibt es in Castrop-Rauxel jedes Jahr einen Weihnachtsmarkt im Gefängnis. Der fand wegen Corona nicht statt. Jetzt gibt es die Waren aus der JVA anderswo: in einem Pop-Up-Store.

Dass der Adventsmarkt im Knast in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, ist für Julius Wandelt, Leiter der Justizvollzugsanstalt Meisenhof in Ickern, noch immer schade. Dabei hat sich das Gefängnis nun eine alternative Verkaufsoption geschaffen: einen eigenen Knastladen da, wo die Menschen das Einkaufen gewohnt sind – mitten in der City.

„In den vergangenen Jahren kamen regelmäßig 4000 Besucher zum traditionellen Adventsmarkt“, so Wandelt. Aber nicht nur für ihn und die Kunden sei das traurig: Auch Insassen des offenen Vollzugs in Ickern und Angestellte seien richtig enttäuscht gewesen, dass das Coronavirus ein solches Event nicht zuließ.

Da kam ein Angebot der Evangelischen Pauluskirchengemeinde Castrop gerade recht: Überraschend bot Pfarrer Arno Wittekind der JVA Meisenhof die Geschäftsräume neben der Lutherkirche an. Und das auch noch kostenlos. Dort, wo in früheren Zeiten die Ruhr Nachrichten beheimatet waren, wo später der Bestatter Friedrich seine Räume hatte, ist jetzt der Knastladen eingezogen.

Krippen, Futterhäuschen und andere Holzarbeiten

Ab sofort erhalten Kunden in den beiden Ladenlokalen neben der Lutherkirche an der Wittener Straße / Biesenkamp / Ecke Am Markt die begehrten Waren aus dem Knast: Krippen, Tannenbäume und Futterhäuschen aus Holz, Kerzenständer, Flammlachsbretter oder Gartenfackeln aus Edelstahl und anderes mehr.

Am Samstag war Eröffnungstag. Nun stellt die Kirchengemeinde ihre Räume drei Wochen lang, bis zum 19.12., zur Verfügung. Drei Wochen werde das gesamte Sortiment zur Verfügung stehen, es sei ein Jahr lang genug von allem produziert worden, sagt Julius Wandelt. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr.

Insassen und Angestellte bereiteten den Verkauf im Pop-Up-Weihnachts-Store eine Woche lang eifrig vor. „Wir freuen uns richtig auf die kommenden Wochen“, sagte JVA-Mitarbeiter Jeff Buschmann bei einem Besuch unserer Redaktion.

27 weitere JVAs sind beteiligt

Das rechte der beiden Ladenlokale wird dabei in einer Kooperation von der JVA Essen betrieben. Ralf Schlebusch, Beamter aus dem geschlossenen Vollzug in Essen, sortierte Freitag illuminierte Tannenbäume aus Holz, bunt bemalte Vogelhäuschen, Eichenäste mit Lichterketten und andere Holzwerkstücke in die Regale ein.

Im linken Geschäft bemühten sich Insassen aus dem offenen Vollzug in Ickern zu dem Zeitpunkt um eine ansprechende Präsentation. Neben Arbeiten aus dem Ickerner Knast werden Waren aus 28 weiteren Anstalten des offenen Vollzugs angeboten.

„Der Gewinn aus dem Verkauf wird der Staatskasse zugeführt“, erklärt JVA-Chef Julius Wandelt. Die Arbeit in den Werkstätten sei sehr wichtig: Sie diene vor allem dazu, Gefangenen einen geregelten Tagesablauf zu geben. Oft seien die Leute stolz auf ihre Arbeitsergebnisse. Das ist ein Teil ihre Wieder-Eingliederung in die Gesellschaft.

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Ich lebe in Castrop-Rauxel und bin seit 2013 als freie Mitarbeiterin bei den Ruhr Nachrichten tätig. Ich lerne viele interessante Menschen kennen und finde es toll live dabei zu sein, wenn es darum geht, lokale Neuigkeiten zu erleben und darüber zu berichten.
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