Schülerinnen und Schüler des EBG verfolgen eine Videokonferenz im Klassenraum. © Ernst-Barlach-Gymnasium
Gymnasium in Corona-Zeiten

Unterricht am EBG: Videokonferenz ersetzt den Lehrer im Klassenzimmer

Schule zwischen Präsenz- und Distanzunterricht: Die letzten Schultage des Jahres waren herausfordernd. Im Ernst-Barlach-Gymnasium gelang es, beides mithilfe von Videokonferenzen zu vereinen.

Es ist ein Spagat: Die einen Schüler sitzen im Unterricht, die anderen zu Hause. Am Ernst-Barlach-Gymnasium haben sie trotzdem zusammen Unterricht gemacht. Nach der sehr kurzfristigen Entscheidung des Schulministeriums, den Präsenzunterricht auszusetzen, konnten Distanz- und Präsenzunterricht spontan unter einen Hut gebracht werden. Der Fachlehrer selbst war nicht im Klassenzimmer.

Voraussetzung: Ein glücklicherweise bereits vorhandener Gigabit-Internetanschluss der Schule. Generell gibt es gute technische Voraussetzungen, die das EBG zu einem digitalen Vorreiter in Castrop-Rauxels Schullandschaft machen. Die großen Fortschritte beim digitalen Ausbau am EBG, so deren stellvertretende Schulleiterin Dr. Mirja Beutel, haben sich in diesen Tagen ausgezahlt. Den Unterricht haben Lehrer vollständig über Videokonferenzen gehalten: Die Schüler in Distanz verfolgten diese von zu Hause, die in Präsenz am EBG.

In den Klassenzimmern sind Lehrer nur als Aufsicht

„Dadurch können alle Lerngruppen vollumfänglich von Fachlehrkräften unterrichtet werden“, so Mirja Beutel. „Ein zusätzlicher Personalaufwand entsteht nur für die Aufsichten in der Schule.“ Gerade für das Ernst-Barlach-Gymnasium als Ganztagsschule sei es wichtig, alle Schüler gleichermaßen beschulen und betreuen zu können, um keine zusätzliche Bildungsungerechtigkeit zu erzeugen.

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien hat die Schulleitung die Erfahrungen bei Schülern und Lehrern abgefragt. Mirja Beutel berichtet: „Die meisten Kinder und Jugendlichen fanden die Mischung aus Aufgaben und Videokonferenzen besonders gelungen.“ Äußerungen wie: „Ich konnte mich besser konzentrieren, weil weniger Kinder da waren“, wurden häufig von jüngeren Schülern getätigt. Einige der anwesenden Schüler gaben an, sich in der Schule besser konzentrieren zu können als zu Hause.

Die Frage „Was wäre für euch wichtig, wenn der Unterricht in dieser Form nach den Weihnachtsferien noch weiterginge?“ beantworteten die Schüler unterschiedlich. So forderten Oberstufenschüler, dass Klausuren in jedem Fall weiter geschrieben werden sollten, während die jüngeren Schüler gerne auf Klassenarbeiten verzichten möchten. Einig waren sich jedoch alle darin, dass die Kombination aus Aufgaben und Videokonferenzen beibehalten werden sollte.

Manche Schüler sind in Videokonferenzen weniger schüchtern

Mirja Beutel berichtet weiter: „Die befragten Lehrkräfte waren davon angetan, wie gut die Technik funktionierte und dass die Schülerinnen und Schüler gut mit den Apps zurechtkamen. Viele Lehrer gaben auch an, dass die Schüler insgesamt sehr motiviert mitgearbeitet hätten. Positiv hervorgehoben wurde die Tatsache, dass einige Schüler, die im Klassenverband sehr zurückhaltend sind, in der Videokonferenz weniger Hemmungen haben sich zu melden.“

Einige Lehrkräfte betonten die besondere Herausforderung, eine Klasse auf Distanz zu unterrichten, in der sich ein Teil der Klasse im Klassenraum befindet und der andere von zu Hause aus an der Videokonferenz teilnimmt. Es sei nicht ganz einfach, alle Schüler gleichermaßen im Blick zu haben und dafür zu sorgen, dass sich die ganze Lerngruppe gleichmäßig beteiligen könne. Insgesamt sagten diese Lehrer, dass auch diese schwierige Situation insgesamt gut bewältigt worden sei, so Mirja Beutel.

Für die Zeit nach den Weihnachtsferien wünschen sich die Lehrkräfte eine klare Regelung, die entweder Präsenz- oder Distanzunterricht vorsehen sollte. Einige machen sich bereits intensiv darüber Gedanken, wie sie ihren Unterricht weiterentwickeln können, falls das Lernen auf Distanz fortgesetzt wird.

EBG hat gute technische Voraussetzungen für digitales Lernen

Die Voraussetzungen sind am EBG besser als an anderen Schulen in Castrop-Rauxel. Nachdem bereits im Herbst die fast 10000 Meter an neuen Netzwerkkabeln in den Gebäuden komplett waren, wurde jetzt auch mit der Installation der neuen Access-Points für die WLAN-Infrastruktur der Schule begonnen.

Zudem sind mittlerweile alle Unterrichtsräume der Schule mit Beamern, internetfähigen Computern und AppleTVs ausgestattet. Zusammen mit dem neuen Schulserver, der ebenfalls bereits installiert wurde und der mittlerweile bewährten Schul-Cloud MNSpro-Cloud, sieht sich das EBG gut gerüstet für die digitale Zukunft, so Lehrer Maximilian Rossetto.

Mithilfe der verknüpften Apps OneNote und Teams könnten die Schüler digital mit Lernmaterial und Aufgaben versorgt werden. Die Arbeitsergebnisse würden anschließend in Videokonferenzen verglichen und besprochen.

Noch fehlen für rund 100 Kinder geeignete Endgeräte

Die einzige Lücke im derzeitigen Lernen auf Distanz besteht noch bei den Endgeräten. Laut einer informellen Befragung, so informiert Mirja Beutel, gibt es am EBG aktuell noch rund 100 Schüler, die für das Distanzlernen nur ihr Handy haben. Die stellvertretende Schulleiterin: „Diese Lücke schließt sich hoffentlich bald, wenn die Beschaffung von iPads für bedürftige Schülerinnen und Schüler über das Sofortausstattungsprogramm des Landes NRW erfolgt.“

Mitte November, so die Stadtverwaltung, bewilligte die Bezirksregierung die durch die Stadt Castrop-Rauxel beantragte Fördersumme von gut 532000 Euro in voller Höhe. Nun läuft zurzeit der Beschaffungsprozess für die Endgeräte. Die erforderlichen (Jamf-School)Lizenzen mit lebenslanger Dauer sind bereits vorhanden, sodass eine Nutzung der Geräte nach deren Lieferung schnell erfolgen könne.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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