Veranstalter der Solidarfonds-Schlagerparty rechnet nun doch mit Absage wegen Coronavirus

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Noch am Sonntag hatte es geheißen, die Schlagerparty in der Castrop-Rauxeler Europahalle solle am 20. März stattfinden. Nun sieht es anders aus. Besuchern soll trotzdem nichts verloren gehen.

Castrop-Rauxel

, 09.03.2020, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist die größte Indoor-Veranstaltung des Jahres in Castrop-Rauxel: Wenn mehr als 3500 Schlagerfans in die Europahalle mit den Stars der Szene feiern, dann ist die Stiftung Solidarfonds seit 30 Jahren Gastgeber.

Am späten Montagnachmittag sagte Veranstalter Dr. Michael Kohlmann nun: „Wir gehen davon aus, dass das Landesgesundheitsministerium Absagen verordnen wird und am 20. März die Schlagerparty nicht stattfindet.“

Alle Veranstaltungsorte und Hallen mussten jetzt den Städten melden, welche Veranstaltungen in den nächsten Wochen mit mehr als 1000 Besuchern geplant sind. Die Kommunen haben diese Info an die Gesundheitsämter weitergegeben. Diese setzen dann die Anordnung des Landesgesundheitsministers um.

Das zumindest erwartet Michael Kohlmann, der Stiftungs-Vorsitzende. „Wir sind ja ein föderalistisches System, in Gesundheits- und Bildungsfragen obliegt also alles den Ländern. Herr [NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef] Laumann und Herr [NRW-Ministerpräsident Armin] Laschet haben gesagt: Wir setzen das um.“

Michael Kohlmann, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Solidarfonds NRW.

Michael Kohlmann, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Solidarfonds NRW. © Tobias Weckenbrock

Ganz fix ist das wohl noch nicht, denn am Ende müssen die Gesundheitsämter die Anordnungen aussprechen. Das ist bisher nicht geschehen. Dennoch geht Kohlmann davon aus, dass es so kommen wird. „Wir müssen die behördliche Anordnung haben, die uns die Veranstaltung untersagt“, sagt er.

„Die Gesundheit der Menschen geht vor“

„Die Gesundheit der Menschen geht vor. Wir haben die ersten Todesfälle in NRW. Der Schutz der Bevölkerung steht im Vordergrund.“ Darum habe es ihn gewundert, dass das Fußball-Bundesliga-Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund noch vor Zuschauern stattgefunden hat, so Kohlmann. Man wolle und solle vermeiden, dass das Gesundheitssystem kollabiert, wenn nicht genügend Plätze in Kliniken zur Verfügung stehen, weil sich bei Großveranstaltungen viele Menschen gleichzeitig infizieren.

Ersatztermin ist schon geblockt

Der Solidarfonds-Chef hat aber vorgesorgt. Auf Nachfrage sagte er: „Ich hatte schon mal einen Ersatztermin blocken lassen. Das wäre der 6. September 2020.“ Kohlmann erzählt: „Vor drei Wochen haben die Leute bei der Forum GmbH noch gelacht, als ich anfragte. Aber jetzt sieht man, dass das vorausschauend war.“

„Je genauer man plant, desto härter trifft einen der Zufall“: Das habe sein Vater früher stets gesagt. Der 6. September ist ein Sonntag. Auch kein Problem für Kohlmann: „Das war in den Jahren 2008 bis 2014 auch sonntags. Wir fangen dann schon um 17 Uhr an, Einlass ab 15 Uhr.“ Jedenfalls behielten alle Karten ihre Gültigkeit. „Von allen Künstlern habe ich mir am Montag die Rückmeldung eingeholt, dass sie auch am 6. September kommen.“

Kohlmann würde auch Schulen schließen

Wenn es nach Kohlmann ginge, müssten die Absagen und Schließungen noch deutlich umfassender werden. So wäre es in seinen Augen konsequenter, alles abzusagen: „Wo ist der Unterschied von 999 Personen zu 1001?“, fragt er. „Man sollte es wie in Italien machen und alle Veranstaltungen absagen, um das Risiko zu vermindern.“

Er wäre deshalb dafür, auch Schulen und Kitas zu schließen – und zwar zwei Wochen lang. „Wenn sie es machen, müsste man es jetzt konsequent machen“, findet er. „Sich nur auf Veranstaltungen zu konzentrieren, reicht nicht aus. Denn das Voranschreiten des Virus wird sich beschleunigen.“

Nur wie lange? „Die Erfahrung bei anderen Viren ist ja, dass sich bei warmem Wetter das Virus eher zurückzieht. Vielleicht kommt es dann im Herbst verstärkt zurück“, so Kohlmann.

Er könne jedenfalls nachts besser schlafen, wenn die Absage käme: „Es ist nun mal die größte Veranstaltung in Castrop-Rauxel. Das Risiko ist mir zu groß.“

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An dieser Stelle werden wir auch in der neuen Woche über alle Entwicklungen zum Coronavirus in Castrop-Rauxel berichten. Kostenlos. Seit Sonntagnachmittag gibt es in der Stadt 10 Infizierte. Von Tobias Weckenbrock, Thomas Schroeter, Marcel Witte, Jessica Hauck, Iris Müller

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