Verein kritisiert Kravanja: „Künstlich hochgespielt, um Naturschützer zu diskreditieren“

Alte Eiche

Erst die Demo mit dem Kriegs-Zitat von Holger Steiner, dann schlug der Bürgermeister zurück. Nun geht der Verein „Rettet die alte Eiche“ Kravanja in einem Brief an und stellt eine Forderung.

Castrop-Rauxel

08.08.2019, 13:58 Uhr / Lesedauer: 3 min
Verein kritisiert Kravanja: „Künstlich hochgespielt, um Naturschützer zu diskreditieren“

Der Marsch zur alten Eiche mit Gut Klang und Leonore Schröder hallt noch immer nach. Jetzt hat der Verein einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, in dem er gegen ihn zurück austeilt. © Christian Püls

Die Demonstration zum Erhalt der alten Eiche machte den Anfang zu einer neuen Schlacht von Leserbriefen und Stellungnahmen. Die Lager sind weiterhin gespalten. Nachdem Aktivist Holger Steiner bei der Demo davon sprach, man würde „Krieg führen gegen uns“, schrieb der Bürgermeister einen offenen Brief an die Aktivisten, in dem er die Nutzung dieser Wortwahl aufs schärfste zurückwies. Und nun? Jetzt schießen der Vorstand des Vereins „Rettet die alte Eiche“ und das Führungsteam des gleichnamigen Aktionskreises zurück.

Wir dokumentieren den Brief, unterzeichnet von Leonore Schröder, Wolfgang Schlabach und Holger Steiner, im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kravanja,

in der Lokalausgabe der Ruhrnachrichten vom 1. August 2019 zeigen Sie sich sehr empört über die Wortwahl von Holger Steiner auf unserer Veranstaltung zum Erhalt der Alten Eiche am 28. Juli 2019: „...na ja gut, da hat man Politiker sitzen, die meinen irgendwie `nen kleinen Krieg führen zu wollen jetzt - vielleicht auch gegen uns“ (durch Video-Aufnahme ab 3:33 so belegt).

Sie missverstehen diese Äußerung als Vorwurf einer unterstellten echten Kriegserklärung des Stadtrates und sehen dahinter die „widerlichen Auswirkungen jeglicher kriegerischen Handlung“, die Sie sich nicht vorwerfen lassen wollen. Es liegt auf der Hand, dass Herr Steiner in der beanstandeten, insgesamt sehr moderat gehaltenen Rede das Wort „Krieg“ im übertragenen Sinn gebraucht hat, so wie der Reporter, Herr Püls, vom „Kampf“ um die Alte Eiche spricht. Im übertragenen Sinne spricht man vom „Nachbarschaftskrieg“, vom „Krieg am Gartenzaun“, vom „Krieg auf den Straßen“, vom „Konkurrenzkrieg“ zwischen Unternehmen und so weiter. Papst Franziskus sprach 2016 davon, dass die moderne Kultur einen „Krieg gegen die Ehe“ führe. Auch er meinte sicher keinen Krieg mit Panzern, Bombern und Kanonen, sondern die heftig ausgetragenen abweichenden Meinungen zum Nachteil Einzelner. Der „Krieg des Menschen gegen die Natur“ ist Gegenstand von vielen Publikationen, die sich mit der zerstörerischen Wachstumsideologie beschäftigen.

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Insofern ist Ihre „Empörung“ über die angeblich „bewusste“ - woraus schließen Sie das? - „Diskreditierung“ der Castroper-Rauxeler „Entscheidungsträger“ konstruiert und künstlich hochgespielt, um Ihrerseits die Naturschützer zu diskreditieren als Leute, die Ihnen angeblich Kriegstreiberei vorwerfen. Oder? Inhaltlich genau fassbar ist der Vorwurf für uns nicht.

Holger Steiner sagt in seiner Rede u.a., dass die Stadt auf stur schaltet, auf die Argumente der Naturschützer nirgends eingegangen ist und die Kritiker unter den Bürgern mit Untätigkeit hinhält. Das ist die Gegenseite der von Ihnen wiederum betonten demokratischen Mehrheitsentscheidungen. Weder sind in einem Ausschuss die Belange des überplanten Naturgebietes ernsthaft diskutiert worden, noch sind die Einwände der Kritiker im Planungsverfahren für diskutabel befunden worden, noch sind die 4000 Unterschriften der Bürger zur Kenntnis genommen, noch sind Anfragen aus der Juni-Sitzung des Umweltausschusses bisher beantwortet worden. Soll das erst nach der Fällung aller 300 Bäume geschehen? Genauso verhält es sich auch mit Anträgen und Anfragen, die an den Kreis gerichtet wurden. Großes Schweigen, keine Antworten. Da will man den Bürgern vorwerfen, sie, die Bürger, bauten eine Front auf? Und das ist Beteiligungsdemokratie?

Was Sie, Herr Bürgermeister, in Ihren wiederholten Äußerungen bis heute bei der angestrebten vermeintlich nachhaltigen Entwicklung durch Wohnbau nicht sehen (wollen), ist die Rückständigkeit des Vorhabens. In allernächster Zukunft wird es darum gehen, dass die Grünbereiche in der Stadt vermehrt und nicht reduziert werden. Nach den Worten des zuständigen Försters im Kreis RE werden als Folge der Klimaerwärmung ganze Wälder im Kreis absterben - diese Sachinformationen negieren Sie. Dabei fordern sogar der Ministerpräsident und die Umweltministerin von NRW massive Aufforstung, um gegenzusteuern. Und Sie holzen ab. Was die Ausgleichspflanzungen für den B-Plan 245 in den Lippe-Auen anbetrifft - diese werden aus Wassermangel den nächsten Sommer nicht überleben. Also ist es obsolet, sie in den Plan zu schreiben.

Und was hat Sie geritten, in Ihrer Empörungsrede noch einen Seitenhieb auf den örtlichen Friedenskreis zu schlagen?

Wer die Sachebene in der Diskussion einfordert von anderen, sollte sie unbedingt selbst einhalten. Der Gipfel der Unsachlichkeit Ihrerseits und gleichzeitig eine Unverfrorenheit ist die dubiose Unterstellung, „Teile“ des Friedenskreises beteiligten sich an diesen diffamierenden Kriegsvorwürfen. Was konkret wollen Sie dem Friedenskreis vorwerfen? Verlogenheit und Heuchelei, weil der Kreis in der Öffentlichkeit Krieg jeder Art als Verbrechen gegen die Menschheit verurteilt und vor Ort sich an „Kriegshetze“ beteiligt?

Wir bewerten das als bewusste Diffamierung und Rufschädigung, die wir nicht einfach hinnehmen wollen.

Wir fordern Sie auf, diese unprovozierte Entgleisung öffentlich richtigzustellen.

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