Verein Rettet die alte Eiche: „Wir würden uns gern mit dem Investor unterhalten“

mlzVorstand im Interview

Erst der Aktionskreis, jetzt auch noch ein Verein mit dem Namen „Rettet die alte Eiche“. Ein Vorstand erklärt, warum, und ob er glaubt, dass manch einer das Wort Eiche nicht mehr lesen mag.

Castrop-Rauxel

, 28.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wolfgang Schlabach wohnt in Frohlinde, also eigentlich am anderen Ende von Castrop-Rauxel. Das Baugebiet „Wohnen an der Emscher“ ist zehn Kilometer entfernt. Und doch setzt sich der 66-Jährige jetzt an vorderster Front für den Erhalt der rund 250 Jahre alten Stieleiche ein, die da steht, wo bald neu gebaut werden soll.

Er gehört zu den zwölf Gründungsmitgliedern des neuen eingetragenen Vereins „Rettet die alte Eiche“ und wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Wir sprachen mit dem Frohlinder Rentner über den Verein und was ihn vom Aktionskreis unterscheidet, die Ziele, den Protestmarsch am Sonntag und über seine persönlichen Motive.

Verein Rettet die alte Eiche: „Wir würden uns gern mit dem Investor unterhalten“

Wolfgang Schlabach, 2. Vorsitzender des Vereins "Rettet die alte Eiche" © Schlabach

Zur Person

Wer ist Wolfgang Schlabach?

  • Schlabach wohnt seit 1995 in Frohlinde.
  • Er war bis zum 31. Dezember 2018 Exportleiter eines international tätigen Maschinenbau-Unternehmens und dadurch weiltweit unterwegs, wie er sagt.
  • Er war bisher politisch nicht selbst aktiv, arbeitet nun aber ehrenamtlich im Verein „Rettet die alte Eiche“ mit.

„Rettet die alte Eiche“ war bisher ein Aktionskreis. Was ist es jetzt?

Der Verein „Rettet die alte Eiche“ hat sich gegründet. Die konstituierende Sitzung war am 11. Juli im Bürgerhaus. 16 Leute waren dabei, 12 haben am Ende den Verein gegründet. Eingetragen wird er jetzt gerade vom Notar beim Amtsgericht. Wir können loslegen. Der Aktionskreis „Rettet die alte Eiche“ bleibt bestehen.

Was wollen Sie mit dem Verein erreichen?

Wir wollen der Politik auf die Finger schauen und uns um Umweltschutz und Nachhaltigkeit vor Ort kümmern. Und das auch dann noch, wenn die alte Eiche vielleicht einmal gefällt sein sollte. Der Name bleibt, damit man sieht, woher wir kommen. Die alte Eiche bliebe und würde dadurch zum Synonym.

Warum fahren Sie zweigleisig als Verein und als loserer Aktionskreis?

Der Aktionskreis „Rettet die alte Eiche“ hat ein erweitertes Bürgerbegehren eingereicht.

Was heißt das?

Wir hatten erst einen unkorrekten Antrag an die Stadtverwaltung geschickt, den hat die Stadtverwaltung mit berechtigten Zweifeln zurückgegeben. Wir haben uns daraufhin von einem Fachanwalt beraten lassen und einen erweiterten Antrag eingereicht. Montag ist er bei der Stadt eingegangen. Wir haben der Stadt eine Frist von 14 Tagen gesetzt. Die Stadt ist verpflichtet, darauf zu antworten.

Da ist aber der Aktionskreis der Initiator.

Ja, wir als Verein unterstützen ihn aber bei dieser Arbeit. Es gibt Leute, die beiden Gruppen angehören, aber die Personenkreise sind nicht schnittmengengleich.

Was soll diese Trennung?

Das Bürgerbegehren war bereits eingereicht, als der Verein gegründet wurde. Es sollte nun auch nach der Gründung und beim erneuten Einreichen mit der Erweiterung auf den Aktionskreis ausgegliedert bleiben. Das soll einfach separat laufen. Der Verein unterstützt den Aktionskreis. Aber der Name der Gruppierungen ist gleich.

Was ist gerade ihr Hauptanliegen im Verein?

Wir arbeiten daran, dass wir das Grundstück mit der Eiche, also Teile des Baugebiets, erhalten können. Ich habe am Mittwoch den Investor per Post angeschrieben. Wir würden uns gern mit ihm unterhalten und Möglichkeiten ausloten. Aus unserer Sicht sind Alternativen unter Erhalt der Eiche möglich.

Aber man müsste den Straßenverlauf verändern.

Ja, aber da gab es ja mal ein Konzept der Grünen, das vom Rat der Stadt verworfen wurde. Ich selbst war da noch nicht aktiv dabei. Aber ich glaube sicher: Es gäbe vertretbare Alternativen.

Wovon rechnen Sie sich die größten Chancen aus?

Derzeit durch dieses Gespräch. Wir hoffen einfach auf Einsicht beim Investor. Und wir setzen darauf, dass wir die Bürger der Stadt mobilisieren können. Am 28. Juli fangen wir mit dem Umzug „Rettet die alte Eiche“ an.

Was ist da genau geplant?

Wir ziehen Sonntag vom Gemeindeplatz in Henrichenburg vor der Volksbank zum 4. Picknick unter der Eiche um. Um 14 Uhr geht es los. Das Trommlercorps Gut Klang Kirchlinde ist dabei. Wir erhoffen uns große Aufmerksamkeit. Beim Picknick unter der Eiche gibt es ein paar Reden. Es darf auch etwas gegen unsere Vorstellungen gesagt werden, wenn Bedarf besteht. Hier ist der Verein übrigens der Veranstalter.

Glauben Sie eigentlich, dass es auch Leute gibt, die mit ihren Augen rollen, wenn sie nur das Wort Eiche lesen nach dem Motto: Ach, die schon wieder…?

Sollen sie ruhig. Das hat man ja bei Herrn Bettinger gesehen. Das war ja ein großes Augenrollen und viele Mutmaßungen in einer Pressemitteilung der FDP verpackt.

Gut, das ist die Politik. Aber was meinen Sie generell zu den Bürgern?

Ich wohne in Frohlinde, auch da interessiert man sich für den Baum. Denn er ist ein Synonym für die Art, wie der Bürgermeister und Rat Baugebiete durchpeitschen will. Ich habe Nachbarn, die Sonntag beim Umzug (14 Uhr ab Volksbank, d. Redaktion) dabei sein werden. Wir haben auch hier im Süden Plakate ausgehängt für den Umzug.

Mit wie vielen Leuten rechnen Sie denn?

Beim 3. Picknick war es eine reine Veranstaltung des Aktionskreises bloß mit Mund-zu-Mund-Propaganda. Da waren so um die 70 Leute da. Wenn jetzt 150 bis 200 kommen, dann wäre ich zufrieden.

Das zentrale Argument ist doch: Wir brauchen attraktives Bauland. Sehen Sie das nicht ein?

Die aktuelle Prognose besagt doch, dass Castrop-Rauxel bis 2040 um 5,7 Prozent schrumpft. Also auf etwa 70.000 Einwohner. Der Bürgermeister behauptet aber, er brauche Bauland, um Menschen nach Castrop-Rauxel zu holen. Er müsse dieses Projekt durchziehen, um Angebote machen zu können. Dabei ist die Wohnungssituation in Castrop-Rauxel doch relativ entspannt.

Aber attraktiv für zahlungskräftige Menschen, die sich in Castrop-Rauxel niederlassen würden, wäre das Gebiet schon…

Aber es ist ein Natur-Refugium. Ein uralter Baum, 300 weitere Bäumen, ein verfallenes Haus, in dem Fledermäuse wohnen – all das soll verschwinden. Es ist doch Drabig-City geplant. Da ist es auch schön.

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