Versicherungsberaterin rät zum Blick ins Kleingedruckte der Kfz-Versicherung

mlzFallstricke und Tipps

Wenn Beiträge für die Kfz-Versicherung für Senioren steigen, ohne das der Versicherte einen Schadensfall hatte, ist das ärgerlich. Versicherungsberaterin Astrid Schenk gibt Tipps zum Sparen.

Castrop-Rauxel

, 13.03.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schutzlos ausgeliefert ist man den Beitragserhöhungen nämlich nicht, so Schenk, die als Versicherungsberaterin für die Verbraucherzentrale arbeitet. Denn die Vertragsfreiheit gilt genauso für Versicherte wie für Versicherer. Sprich: Man sollte die eigene Kfz-Versicherung regelmäßig überprüfen, vergleichen und bei Bedarf wechseln oder Änderungen vornehmen.

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Worauf sollte man als Senior bei der KFZ-Versicherung achten?

Vertrag ändern und sparen statt wechseln

Als Versicherungsnehmer hat man aber auch Möglichkeiten, ohne die Versicherung zu wechseln.

  • Die Erste kennen die meisten Autofahrer eher als Kostenverursacher: „Eine Erweiterung des Fahrerkreises kann für Senioren zum Beispiel beitragssenkend wirken“, sagt Schenk. Wenn der Partner ein paar Jahre jünger ist oder die erwachsenen Kinder bereits viel Fahrerfahrung haben. Wer den Wagen wie oft fährt, ist dabei nicht entscheidend. Gewissermaßen das Gegenteil des Effektes, der bei Aufnahme von Fahranfängern in die elterliche Versicherung auftritt.

  • Eine Steuerung der Beiträge ist, bis zu einem gewissen Grad, auch über die in der Police festgelegten Eigenanteile möglich. Geld sparen kann auch die Kündigung unnötiger Zusatzleistungen, wie Fahrerschutz, Schutzbriefen oder Doppelversicherungen mit zusätzlicher ADAC-Mitgliedschaft. „Da muss man ins Portemonnaie schauen und überlegen: was kann ich selbst stemmen und was soll versichert werden?“

  • Schwieriger wird es bei der Schadensfreiheitsklasse. Jeder weiß: Je länger ich ohne Unfall fahre, desto günstiger wird die Versicherung. Jedenfalls bis der Alterseffekt sich bemerkbar macht. Beiträge schießen aber auch im Schadensfall schnell nach oben.
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    Ein Beispiel bei einem zufällig gewählten großen deutschen Kfz-Versicherer: Hat man nach 35 Jahren einen ersten Schaden über die Versicherung abzurechnen, fällt man in der Schadensfreiheitsklasse hier direkt auf 18 Jahre zurück. Die Beiträge steigen von 19 Prozent auf 28 Prozent.

    Mit einem Rabattschutz kann der Versicherte das vermeiden. Der kostet extra, dafür bleibt die Schadensfreiheitsklasse erhalten, wenn es kracht.
    Das Problem: „Das gilt nur für den ersten Unfall im Jahr und nur für Ihren aktuellen Versicherer. Bei einem Wechsel fallen die Jahre dann auf den Wert, der ohne die Rabattgarantie angewendet würde“, erklärt Schenk.
  • Angehenden Rentnern, die jahrelang ausschließlich einen Dienstwagen gefahren sind, empfiehlt Schenk den Arbeitgeber nach einer sogenannten – Achtung deutsches Superwort – Mitversicherungsnehmereigenschaft zu fragen. „Dann wird die Schadensfreiheitsklasse mit Rentenbeginn fortgeführt. Ansonsten startet man bei Null, wenn man vorher kein eigenes Auto angemeldet hatte.“

Zur Person

Astrid Schenk
Versicherungsberaterin rät zum Blick ins Kleingedruckte der Kfz-Versicherung

© Stachelhaus

  • Astrid Schenk ist gelernte Versicherungskauffrau, seit 1990 aber freie Versicherungsberaterin.
  • Seit 2014 ist Schenk bei der Verbraucherzentrale NRW angestellt und betreut zehn Beratungsstellen, auch die in Castrop-Rauxel.
  • Anders als ein Versicherungsmakler verkaufen Versicherungsberater keine Versicherungen, bekommen dafür auch keine Provision. Sie verdienen ihr Geld allein über Honorare für die Beratung ihrer Kunden, also den Versicherungsnehmern.

Ist billiger immer besser?

  • Vorsicht gilt bei Angaben, die den Beitrag senken, aber zu Schadensausschlüssen führen können. „Wenn ich angebe, dass ich mein Auto in der Garage oder unter einem Carport abstelle, dann sollte es auch da stehen.“ Versicherungen beauftragten gerne Detekteien damit, dass im Schadensfall zu überprüfen. „Sagt der Nachbar dann: ‚Der Wagen wird regelmäßig vor der Garage geparkt und nicht drin‘, kann das schlecht aussehen“, so Schenk.

  • Eine weitere Alternative bestehe darin, die Versicherung auf die Kinder zu übertragen. Achtung: „Dann sollte auch das Auto umgemeldet werden. Denn Versicherungsnehmer und Fahrzeughalter sollten gleich sein“, erklärt Schenk.

  • Im Internet lassen sich über Vergleichsportale wie nafiauto.de Angebote vergleichen. „Der günstigste Preis ist aber nicht unbedingt die beste Option. Man muss auf die Konditionen achten.“ Auch sei der Kontakt zu reinen Onlineversicherern ein anderer als zum Versicherungsbüro vor Ort. „Die Erreichbarkeit der Onlineanbieter hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert“, sagt Schenk. Viele ältere Menschen zögen den Kontakt vor Ort aber vor. Auch das wirke sich logischerweise auf den Preis aus.

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