Aufnahmen zeigen (fast) perfekten Trickdiebstahl bei Altstadt-Optiker

mlzAmtsgericht

Eindeutiger geht es nicht. Ein Video in hervorragender Qualität zeigt einen Trickdiebstahl bei einem Optiker in der Castroper Altstadt. Auch die Verhandlung im Gericht hat Kinoqualität.

Castrop-Rauxel

, 23.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob es sich um großes Kino, einen Krimi oder ein Lehrstück für Langfinger handelt, kommt auf die Perspektive an. Klar ist: Ein Überwachungsvideo aus einem Optiker-Geschäft in der Altstadt, das nun vor Gericht zu sehen war, zeigt zu Beginn das Innere des Ladens. Zu sehen sind zunächst hochwertige Brillengestelle an den Wänden, dazwischen Spiegel.

Spannend wird das Geschehen in den folgenden 15 Minuten. Die 62-jährige Optikerin widmet sich einer Frau, die mit männlicher Begleitung ins Geschäft gekommen ist. Ihr Partner lustwandelt durch den Laden, guckt hier, guckt da. Und plötzlich verschwindet ein Brillengestell blitzartig im Jackett.

Männer stecken sich Brillen zu

Minuten später kommt ein weiterer Mann ins Spiel, ein Mann, der den Blickkontakt zu dem Paar meidet. Die Frau beschäftigt weiter die Optikerin, der Partner spaziert herum. Nimmt eine Sonnenbrille, schlendert damit quer durch den Raum, stellt sich neben den Hinzugekommenen, übergibt dezent die Brille, die umgehend eingesteckt wird.

Zuvor hatte der Dritte eindeutig die Position der Überwachungskamera gecheckt und sich so platziert, dass man nur die Rückansicht der Akteure sehen konnte. Doch das reichte aus. Der Firmeninhaber konnte das Geschehen live aus dem Lager verfolgen. Rief umgehend die Polizei.

Der Film zeigt weiter, wie der Langfinger nach der Übergabe ein anderes Brillengestell nimmt, betont lässig den Raum durchquert und mit der Brille die Lücke in der Auslage stopft, aus der er ein Exemplar im Wert von 600 Euro entwendet hatte.

Der mutmaßliche Empfänger der hochwertigen Sonnenbrille gab sich nun entsetzt: „Ich bin total schockiert, kann meinen eigenen Augen nicht glauben“, stammelte der 43-Jährige. Ein Vater von zehn Kindern, der jetzt, knapp sechs Monate nach dem Geschehen, auf der Anklagebank im Amtsgericht Castrop-Rauxel saß. Ohne den Kumpel, der sich derzeit offenbar in Serbien aufhält.

Gute Bekannte

Denn auf Nachfrage zeigte sich, dass sich das Trio, allem Anschein im Film zum Trotz, gut kannte. Man war gemeinsam aus Mülheim angereist, angeblich, weil der Kollege von einem Bekannten Geld abholen wollte.

„Ich habe nur den Fahrdienst gemacht“, sagte der Angeklagte. Aus Langeweile sei er dem Paar ins Optikergeschäft gefolgt. Eine gestohlene Brille habe er nicht entgegengenommen. „Das war meine eigene, die habe ich mal für einen Euro bei einer Auktion gekauft“, sagte er. „Der Bekannte hatte sie sich geliehen, hat sie mir da zurückgegeben.“

Ein hilfloses Manöver. „Eindeutiger geht es nicht“, so die Beurteilung von Staatsanwältin und Strafrichter. Dazu ein Rucksack voller Vorstrafen. Das Urteil: Acht Monate Haft ohne Bewährung.

Dem Optiker präsentierte die Polizei übrigens diverse Brillengestelle, die im Auto sichergestellt worden waren. Einige gehörten ihm, andere stammten wohl von anderen Optikern.

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