Viel Aufwand vor Gericht für einen kaputten Autospiegel

Amtsgericht Castrop-Rauxel

Eine Angeklagte nebst Anwältin, Richter, Staatsanwaltschaft und vier Zeugen. Ein beträchtlicher Aufwand für eine Anklage, bei der es eigentlich nur um einen Bagatellschaden von rund 150 Euro ging. Das Amtsgericht verhandelte den Fall trotz der geringen Schadenssumme.

Castrop-Rauxel

19.02.2018, 07:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel.

Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel. © Foto: Tobias Weckenbrock

Ein Autospiegel war im letzten Sommer auf einem Parkplatz an der Bladenhorster Straße beschädigt worden, doch die Verursacherin hatte sich nicht darum gekümmert. Unfallflucht, so heißt das im Fachjargon. Die 63-jährige Angeklagte war Beifahrerin in Auto ihrer Tochter. „Ich habe beim Aussteigen nicht von einer Berührung des rechts daneben parkenden Autos bemerkt“, sagte sie.

Dagegen gaben zwei Zeugen an, einen Knall bzw. einen Rumms gehört zu haben. So stand eine 82-Jährige im Laubengang und hat von dort einen Knall gehört, aber erst hingeschaut, als drei Frauen neben dem Fahrzeug standen und später gegangen sind. „Ich hab den Rumms gehört und bin dann zum Fenster meiner Wohnung im zweiten Stock. Da habe ich gesehen, wie drei Frauen – Mutter und Tochter waren in Begleitung einer weiteren Frau – am Spiegel geguckt haben“, sagte ein 38-jähriger Bewohner. Weil er den Besitzer des Wagen kenne, ebenfalls ein Hausbewohner, habe er diesen informiert.


53-jähriger Geschädigter erstattete Anzeige

„Ich bin sofort zu meinem Auto“, sagte der 53-jährige Nachbar und Anzeigenerstatter im Zeugenstand. Eine Plastikhalterung des Spiegels war zerbrochen, ein schmaler Riss im Glas. Er hat inzwischen einen neuen Spiegel montieren lassen, die Kosten hat die Versicherung der Angeklagten übernommen.

Trotzdem blieb die Angeklagte lange bei ihrer Aussage, nichts bemerkt zu haben. Da sprachen allerdings die Ergebnisse der von der Polizei eingesetzten „Spurfixfolie“ gegen, die zeigten, dass die Schäden an den beiden Wagen korrespondierten. Nach Rücksprache mit ihrer Anwältin zog die 62-Jährige ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurück, akzeptierte eine Geldstrafe über 400 Euro unter Vorbehalt. Heißt, wenn keine weiteres Verfahren folgt, wird die Strafe in einem Jahr erlassen.

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