Von Poklopfern und Monster-Urnen: Kuriose Beerdigungsgeschichten

Lesung und Buch

Darf man sich über den Tod lustig machen? „Natürlich nicht!“, stellt Gerd-Matthias Hoeffchen klar. Trotzdem weiß der Theologe und Journalist kuriose Geschichten zum Thema zu erzählen.

Ickern

, 09.11.2019, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Von Poklopfern und Monster-Urnen: Kuriose Beerdigungsgeschichten

Humorige Beerdigungsgeschichten las Gerd-Matthias Hoeffchen im Lutherhaus vor. Der Theologe und Journalist hat die Geschichten zusammen mit seinem Freund Bernd Becker gesammelt. © Uschi Bläss

Gemeinsam mit seinem Freund Bernd Becker hat Gerd-Matthias Hoeffchen kuriose Anekdoten rund um das Thema Tod und Beerdigung zusammengetragen. Aus mehr als 50 wahren Begebenheiten ist eine Sammlung mit 22 der besten Geschichten entstanden. Einige Beispiele stellte er nun bei einer Lesung im Ickerner Lutherhaus vor.

Den Tod aus der Tabuzone holen

Schon der Buchtitel „Was weg ist, ist weg“ verrät eine Pointe. Mit Begeisterung erzählt Hoeffchen die Geschichte weiter, die seine Mutter gerne zum Besten gibt: Als eine Witwe mit ihrem schwarzen Trauerhut vor dem offenen Grab ihres verstorbenen Ehemannes stand, sorgte ein kräftiger Wirbelwind dafür, dass die Kopfbedeckung in der Grube auf dem Sarg ihres verstorbenen Gatten landete. Mit einem Blick in das Grab entfuhr der Witwe der doppeldeutige Spruch: „Was weg ist, ist weg!“

Mit Buch und Lesung wollen die Autoren das Thema Tod aus der Tabuzone herausholen, so Hoeffchen. Vielmehr gehöre er mit dem Tag der Geburt zum Leben dazu. „Ich liefere hier keine Schenkelklopfer. Trotzdem gibt es zahlreiche Begebenheiten, die auch Trauernde schmunzeln lassen“, sagt der gebürtige Ickerner.

Fünf der Beerdigungsgeschichten

Besuch aus Afrika: Bei seinem Austauschdienst stand für den Pfarrer aus dem Kongo eine Beerdigung auf dem Dienstplan. Weil ihm aufgefallen war, dass sich die Gepflogenheiten in Deutschland von denen in Afrika deutlich unterscheiden, studierte er die Beerdigungsordnung vorher sehr genau.

Dort stand geschrieben: „Der Pfarrer tritt vor den Sarg und spricht die Trostworte“. Das erschien ihm im Vergleich zu seinem Land äußerst merkwürdig. Aber so ist das wohl hier in Deutschland, dachte sich der Geistliche und holte wie Andy Brehme beim Elfmeter aus und trat mit aller Wucht an den Sarg.

Poklopfer: Eine Schreinerei aus Ickern beauftragte seinen Gesellen und den Lehrling damit, eine Leiche abzuholen. Beim Transport mit Hilfe einer Bahre durch das Treppenhaus ereignete sich dieser Vorfall: Die Hand des Toten blieb im Treppenhaus an einer Sprosse des Geländers hängen. Weil die Leichenstarre bereits eingesetzt hatte, löste sich die Spannung auf der Treppe beim Abwärtsgang ruckartig. Die Hand klatschte mit Wucht auf den Allerwertesten des Gesellen.

„Was weg ist, ist weg“

  • Mehr skurrile Beerdigungsgeschichten sind im Buch „Was weg ist, ist weg“ nachzulesen.
  • Das Buch ist im Luther-Verlag erschienen. ISBN 978-3-7858-0665-4, Preis 12,95 Euro

Monster-Urne: Das Äußere bei der Beerdigung eines 50-Jährigen gestaltete sich in allen Belangen üppiger als normal. Besonders die imposante Urne aus massivem weißem Marmor fiel auf. Muskelbepackte Freunde trugen die Urne zu Grabe. Auf dem Weg zum Grab gaben die spärlichen Henkel der Urne nach. Die Urne fiel zu Boden, die Aschekapsel kullerte über den Friedhof.

Nachdem der bestürzte Pfarrer die Urne wieder zusammengebaut hatte, stellte er, am Grab angekommen fest, dass die Grube viel zu klein für die mächtige Urne war. Die fassungslose Gemeinde musste nun miterleben, wie der Bestatter die Urne mit den Füßen in das zu klein geratene Erdloch trat. Und tatsächlich, sie gab nach und glitt in das Grab hinein.

Künstliches Hüftgelenk: Samstags, um 9 Uhr in Cappenberg. Die Beerdigung nahm ihren Lauf, bis die Ehefrau vor das Grab trat und sinnierte: „Was für eine Schande. Da liegt es nun, das teure Hüftgelenk. Und ich könnte es so gut gebrauchen.“

Rotlichtmilieu: Eine ungewöhnliche Beerdigung stellte die Bestattung des Herrn M. aus dem Rotlichtmilieu dar. „Hoffentlich geht das gut“, sagte die Pfarrerin zum Bestatter. Acht schwere Jungs eines berühmt-berüchtigten Motorradclubs trugen den Sarg zu Grabe.

Am Grab angekommen, begleitet von Bodyguards und Fernsehkameras, ging das Staunen weiter. Der Sänger Christian Anders, ein Freund des Verstorbenen, trat an den Sarg und sang: „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“.

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