Gestaffelter Unterrichtsbeginn ist eine der Möglichkeiten, um Kontakte von Schülern zu reduzieren und die Situation in den Schulbussen zu entlasten. © dpa
Coronavirus

Vorgezogene Ferien und Wechselunterricht: Was Schüler davon halten

Zwei Tage mehr frei: Da sollten Schüler doch jubeln. In der Corona-Krise wird die Ankündigung vorgezogener Weihnachtsferien von ihnen allerdings durchaus differenziert betrachtet.

Viele Schulleiter in Castrop-Rauxel sehen ihre Schulen nicht als Infektionsherde. Vorgezogene Weihnachtsferien, wie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer sie angekündigt hat, beurteilen sie deshalb differenziert. Eltern haben vor allem das Betreuungsproblem vor Augen. Doch was sagen diejenigen zu zwei zusätzlichen Ferientagen, die es am meisten betrifft: die Schüler?

Wie es genau ablaufen soll, ist unklar. Auch zehn Tage nach der Ankündigung der Ministerin stehen Einzelheiten nicht fest. Erst einmal wird das nächste Treffen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin am Mittwoch abgewartet. Schärfere Bestimmungen bis hin zum Wechselunterricht stehen im Raum. Vereinzelt wurde sogar gefordert, die Ferien noch weiter nach vorne zu verlegen. Klar ist allein das Ziel: Weihnachten sollen Familien gemeinsam gefahrlos feiern können.

Die Schüler sehen das Thema frühere Ferien wenig problematisch. Das berichtet Janis Böhne (16), Schulsprecher des Adalbert-Stifter-Gymnasiums. Er hat sich bei Mitschülern umgehört, gerade auch bei Schülern in der Q2, die im Frühjahr 2021 Abitur machen wollen. Die zwei Tage, so der Tenor, würden nicht viel ändern. „Weil die drei Monate im letzten Schuljahr schon große Lücken aufgeworfen haben“, so hat er Begründungen gehört.

Es wird Schüler geben, die an den freien Tagen unterwegs sind

Janis Böhne empfindet wegen der frühen Ferien keine große Begeisterung. Ihm geht es weniger darum, dass im Falle vorgezogener Ferien Klausuren vorgezogen werden müssen und das für einige Schüler mehr Stress bedeutet. „Es wird bestimmt Leute geben, die dann jemanden treffen oder einkaufen gehen“, sagt er. Generell findet er: „Wenn man die Zeit richtig nutzt und sich auf das Ziel vorbereitet, dann ist es aber sehr sinnvoll.“

Janis Böhne ist Schülersprecher am ASG. © privat © privat

Geht es um die Reduzierung der Präsenzzeiten halten Janis Böhne und viele Schüler, mit denen er gesprochen hat, Wechselunterricht für die beste Lösung – also das Modell, bei dem Schüler tage- oder wochenweise abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet werden.

„Vom Herner Modell mit dem versetzten Start halte ich nicht viel“, sagt der 16-Jährige. In Herne wird der Unterrichtsbeginn seit kurzem gestaffelt. Nur die Hälfte der Schüler kommt zur ersten Stunde, der Rest zur zweiten. „Wer in der ersten Stunde zu Hause bleibt, soll dort lernen. Das ist schlecht zu organisieren und mit dem Schulweg schlecht vereinbar“, sagt er.

Präsenzunterricht ist für Schüler sehr wichtig

Beim Wechselunterricht findet er den Wechsel nach wenigen Tagen besser als wochenweise. „Präsenzunterricht ist sehr wichtig“, sagt Janis Böhne. „Zuhause lässt doch schnell die Motivation zu lernen nach.“ Wenn Klassen geteilt werden, sei es auf jeden Fall schwieriger, den gleichen Lernstoff in der vorgesehenen Zeit zu vermitteln, so der Schüler. „Da bleibt vieles auf der Strecke.“

Aus diesen Gründen hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, kürzlich erklärt, er könne sich ein zusätzliches Schuljahr vorstellen. Für viele Eltern und Schüler nähme diese Möglichkeit enormen Druck aus der jetzigen Situation, findet Meidinger. Das allerdings findet der ASG-Schulsprecher dann doch übertrieben.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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