Vorwurf Vergewaltigung: Kampfsporttrainer droht lange Zeit im Gefängnis

mlzLandgericht

Für einen Kampfsporttrainer aus Castrop-Rauxel, der vor knapp 30 Jahren in Dortmund eine Schülerin vergewaltigt haben soll, sieht es vor Gericht nicht gut aus.

Castrop-Rauxel/ Dortmund

, 17.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Prozess ist zwar noch nicht zu Ende, der Staatsanwalt hat sich aber schon klar positioniert: Aus seiner Sicht muss der angeklagte Kampfsporttrainer aus Castrop-Rauxel, der vor knapp 30 Jahren in Dortmund eine Schülerin vergewaltigt haben soll, auf jeden Fall mit einer Verurteilung rechnen.

„Dass das hier mit einem Freispruch enden könnte, ist nicht ersichtlich“, sagte der Ankläger am Dienstag am Bochumer Landgericht. Man könne zwar über Details streiten, von einer ausgedachten Geschichte könne aber keine Rede sein. Dazu sei die Aussage der heute 44-jährigen Frau zu konsistent, die Beschreibung der Dortmunder Wohnung des Angeklagten zu genau. „Es bleibt auf jeden Fall etwas hängen“, so der Staatsanwalt.

„Er wollte mir wieder an die Wäsche“

Hinzu kommt nun auch noch die Aussage des damaligen Freundes der Kampfsportschülerin. Der heute 47-Jährige hatte damals einen Video-Film seiner Partnerin gedreht, mit dem sie sich bei einer Tanzschule bewerben wollte. Besonderer Clou: Im Hintergrund sollte der Angeklagte Taekwondo-Übungen machen. Genau so sei es dann auch passiert.

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„Als sie später aus der Umkleide kam, stand sie jedoch völlig neben sich“, so der Zeuge im Prozess. Als er sie gefragt habe, was los sei, soll sie gesagt haben: „Er wollte mir wieder an die Wäsche.“ Das sei auch nicht das erste Mal gewesen. Er habe sie schon mal vergewaltigt.

„Ich durfte nichts machen“

„Das war der absolute Hammer für mich“, so ihr Ex-Freund vor Gericht. „Ich war wütend, so fertig, das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Seine Freundin sei seine große Liebe gewesen. Man habe sich sogar verlobt und Ringe getauscht.

„Ich wollte das ihren Eltern erzählen, aber sie hat mich gebeten, den Mund zu halten.“ Das habe ihm schwer zu schaffen gemacht. „Ich durfte nichts machen, ich konnte nichts machen.“

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Nach Details habe er damals gar nicht gefragt, weil er mit der Situation nach eigenen Angaben völlig überfordert gewesen sei.

Verteidiger zielen auf Freispruch

Dem heute 59-jährigen Kampfsporttrainer wird vorgeworfen, in der Umkleide des Vereins und in seiner Dortmunder Wohnung über die zur Tatzeit 15 oder 16 Jahre alte Kampfsportschülerin hergefallen zu sein. Sie hatte 2015 schließlich Anzeige erstattet. Der Angeklagte selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Aus Sicht der Verteiger reichen die bisherigen Zeugenvernehmungen für eine Verurteilung nicht aus. Sie wollen möglicherweise ein weiteres Glaubwürdigkeitsgutachten beantragen. Das aktuelle habe methodische Mängel, hieß es am Dienstag im Prozess vor der 10. Strafkammer.

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