Waldschüler von 1953 gesucht

Vorreiter der Versöhnung

CASTROP-RAUXEL Acht Jahre nach dem Krieg war es zwar 1953 nur eine kleine Randnotiz der Geschichte – doch gleichzeitig eine großartige Geste der frühen Versöhnung mit dem ehemaligen Kriegsgegner Frankreich.

von Von Michael Fritsch

, 22.10.2009, 23:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oradour-sur-Glane – dieser Ort nordwestlich von Limoges steht für das grausamste Massaker, das deutsche Truppen an französischen Zivilisten unmittelbar nach Beginn der Invasion am 6. Juni 1944 verübt hatten. Angehörige eines SS-Panzergrenadierregimentes trieben am 10. Juni 1944 in Oradour an die 650 Männer, Frauen und Kinder zusammen, trennten sie zunächst, zwangen dann die Frauen und Kinder in die Kirche und die Männer in Garagen und Scheunen. Anschließend wurden alle auf grausamste Weise umgebracht. Nicht nur das Massaker selbst, sondern der Skandal der nur unzureichenden strafrechtlichen Aufarbeitung hat die Öffentlichkeit in Frankreich und Deutschland noch viele Jahre beschäftigt. Jetzt will Andrea Erkenbrecher das Kapitel Oradour und seine Folgen für das Verhältnis Frankreichs zur Bundesrepublik und zur DDR aktuell wissenschaftlich aufarbeiten.

Dazu sucht sie noch Zeitzeugen, wie sie der jetzigen Schulleiterin der Waldschule, Elfi Streicher (Foto), in einer E-Mail schrieb. „Diese Anfrage hat mich richtig gerührt“, sagte Elfi Streicher gestern zu unserer Zeitung.Zwar trägt die heutige Waldschule nur noch den Namen ihrer abgerissenen Vorgängerin. Allerdings gibt es noch erhaltene Teile eines Archivs. Darin wurde Elfi Streicher spontan fündig: In einer Notiz vom 24. März 1953 informiert der damalige Schulleiter Dr. Wagner die Lehrer vom „Oradour-Brief der Klasse 2 A“. 

 

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