Die Stadt Castrop-Rauxel hat einige solcher Poster im Stadtgebiet geklebt, hier am Ickerner Kreisverkehr an der Stickstoffsäule. © Tobias Weckenbrock (A)
Coronavirus

War der Corona-Lockdown hart genug? Die Corona-Bilanz für den November

Ein Lockdown bis in den Januar hinein: Das zeigt schon, dass der „Lockdown light“ nicht die gewünschten Resultate gebracht hat – auch nicht in Castrop-Rauxel und im Kreis Recklinghausen.

Der „Lockdown light“ hat im November nicht die erhofften Resultate gebracht. Es gibt zu viele Todesfälle und eine relativ konstante Zahl an Neuinfektionen, auch wenn Castrop-Rauxel inzwischen im Kreis Recklinghausen zu den Städten mit der niedrigeren Sieben-Tages-Inzidenz gehört.

Die Zahlen

Die sehen erst mal ernüchternd aus. Am 1. November wies das Landeszentrum Gesundheit NRW (LGZ NRW) für den Kreis Recklinghausen eine Wocheninzidenz von 147,3 aus. Am 30. November war der Wert quasi identisch (147,5). Als Grenzwert für Lockerungen gilt nach wie vor 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage. Die beim LZG ausgewiesenen Daten sind maßgeblich für etwaige Lockerungen.

Aktueller sind allerdings die des Kreisgesundheitsamts. Und gerade an Wochenenden muss priorisiert werden. „Da geht die Nachverfolgung vor“, sagt Kreissprecherin Lena Heimers. Das Wochenend-Team im Gesundheitsamt versucht in reduzierter Besetzung, möglichst viele positiv Getestete zu erreichen, anstatt so viele Fälle wie möglich ins System einzuspeisen. Diese Fälle werden nachgemeldet und mit etwas Verzögerung gleicht sich der Wert beim LGZ dann an. Die Inzidenzdaten vom Gesundheitsamt: 204,4 am 1. November und 168,5 am 30. November.

Die Zahl der aktiven bestätigten Fälle hat Castrop-Rauxel zwischen dem 1. und 30. November von um die 200 auf um die 120 drücken können. Kreisweit ging die Zahl der aktuell Infizierten im selben Zeitraum um 21 Prozent zurück.

Weil durch einzelne Ereignisse immer wieder Regionen zu Hotspots werden wie zuletzt die Stadt Datteln, darf man sich allerdings nicht in Sicherheit wiegen. Das bewegt die Stadt Castrop-Rauxel auf Anfrage allerdings nicht dazu, vor Fahrten in die Nachbarstadt Datteln zu warnen. Der Baumarkt Hornbach an der B235 ist auch ein beliebtes Ziel vieler Castrop-Rauxeler. Auch Lena Heimers betont, dass die Zahlen „immer noch wirklich sehr hoch“ seien und appelliert, Vorgaben wie Kontaktbeschränkung und AHAL-Regeln einzuhalten. An den Feiertagen solle man Vernunft walten lassen.

Die Kontrollen

Der Einstieg in den Lockdown light verlief in Castrop-Rauxel reibungslos. 45 Verstöße gegen das Ansammlungsverbot im öffentlichen Raum gab es bis zum 30. Oktober, zwei Verstöße gegen Meldepflichten bei Einreise aus einem Risikogebiet nach RKI. Die Summe der Geldbußen belief sich inklusive der gesetzlichen Verfahrenskosten auf 10.540 Euro. Zahlen seit Anfang November kann der Bereich Ordnung aber nicht vorlegen: Das Verfahren sei aufwändig, statistische Auswertungen derzeit nicht zu leisten, so Sprecherin Nicole Fulgenzi

„Der Kommunale Ordnungsdienst stellt eine Ordnungswidrigkeit fest. Er bringt dies schriftlich zur Anzeige. Die Sachbearbeitung prüft die Rechtsgrundlage und leitet ggf. das Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Es erfolgt eine Anhörung (mit Einlassungsmöglichkeit zu dem vorgeworfenen Sachverhalt), es wird ggf. ein Bußgeldbescheid erstellt (mit einer Einspruchsfrist von 14 Tage). Die Verfolgungsverjährung für diese Ordnungswidrigkeiten beträgt drei Jahre ab Feststellung.“ 14 Personen sind derzeit für den Kommunalen Ordnungsdienst auf den Straßen unterwegs.

Die Ansteckungsorte

„Es ist immer noch so, dass das Gros der Ansteckungen im privaten Bereich passiert“, sagt Lena Heimers. Aber das Gesundheitsamt beobachtet auch Häufungen in Schulen und Kitas, Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen.

Was nicht darauf zurückzuführen sei, dass in diesen Einrichtungen nachlässig gehandelt wird. „Der Schwerpunkt liegt definitiv bei Ansteckungen im privaten Bereich, die dann in diese sensibleren Bereiche eingetragen werden“, so Heimers.

Die Kontaktnachverfolgung

180 Personen inklusive Bundeswehr-Soldaten kümmern sich aktuell im Kreisgesundheitsamt um die Kontaktverfolgung. Im August waren es noch um die 70 und im März noch viel weniger. „Mit den hohen Zahlen ist es auch für 180 Personen immer noch ein sehr, sehr hohes Arbeitsaufkommen“, sagt Heimers. „Wobei wir schon merken, dass es sich verringert.“

Im April hätten Infizierte oft nur eine Handvoll Kontaktpersonen angegeben, zuletzt habe es Fälle mit bis zu 100 Kontaktpersonen gegeben. „Wenn nur eine dieser 100 Personen eine andere ansteckt, resultieren daraus wieder neue Kontaktpersonen“, so Heimers. „Das ist ein Schneeballsystem.“ Anfangs habe es geheißen, innerhalb von zwei Wochen müsse man merken, ob Maßnahmen funktionieren. „Durch die hohen Zahlen würde ich diesen Zeitraum sogar noch länger denken.“

Die Todesfälle

Die Zahl der Todesfälle im Kreis Recklinghausen im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist gestiegen. Im November starben 50 Personen, im Oktober 10. Im Dezember sind es bisher allein an den ersten neun Tagen schon 45 Personen. Besonders gefährdet sind, das ist nicht neu, ältere Personen mit Vorerkrankungen: 131 Menschen, die kreisweit an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, waren 70 Jahre oder älter (Stand 9.12.). 21 Personen waren jünger (zwischen 40 und 69 Jahre).

Die durchschnittliche Zeit, die Covid-19-Patienten in den Kliniken im Kreis Recklinghausen auf Intensivstationen verbringen – und dabei meist auch beatmet werden – liegt bei 21 Tagen. Die Menschen, die aktuell sterben, sind also nicht diejenigen, die sich gestern angesteckt haben.

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Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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