Warum Feuerwehrleute bei der Anfahrt oft erhöhtem Risiko ausgesetzt sind

mlzFeuerwehr

In einem umgekippten Fahrzeug des Löschzugs Habinghorst verletzte sich zum Glück niemand. Es geht aber nicht immer so glimpflich aus - auch darum investiert die Stadt kräftig in neue Autos.

Castrop-Rauxel

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es brennt, schnelles Handeln ist gefragt, jede Sekunde zählt. Das ist Alltag der Feuerwehr. Genau deswegen legen die Lebensretter auf der Einsatzfahrt bereits im Feuerwehrfahrzeug ihre Ausrüstung an, die unter anderem aus der Einsatzkleidung, dem Pressluftatmer, einer Atemschutzmaske sowie dem Helm besteht.

Eigentlich kein Problem. Es sei denn, es kommt zu einem Unfall mit dem Einsatzwagen selbst - wie zuletzt beim Auto des Löschzugs Habinghorst, der mit 2,5 Tonnen Wasser an Bord auf dem Weg zum verheerenden Dachstuhlbrand in einer Linkskurve auf die Seite kippte.

Jetzt lesen

Was zunächst nach einem wirtschaftlichen Totalschaden aussah, wurde nun durch einen Gutachter anders bewertet. Das Feuerwehrauto kann repariert werden - für 28.000 Euro. Positiv: Die Versicherung sorgt dafür, dass die Selbstbeteiligung lediglich bei 500 Euro liegt.

350.000 Euro für ein neues Feuerwehrauto

Viel problematischer als der wirtschaftliche Schaden wird es aber, wenn sich die Einsatzkräfte bei einem Unfall Verletzungen zuziehen. Denn in Fahrzeugen, die älter als 27 Jahre sind, gibt es weder Sicherheitsgurte noch Kopfstützen, von Airbags ganz zu schweigen. Das Verletzungsrisiko ist dementsprechend deutlich erhöht. „Es besteht ein Investitionsstau, sodass wir uns jetzt bemühen, ihn abzuarbeiten“, so Ulrich Vogel, Leiter der Feuerwehr in Castrop-Rauxel.

In dem 24 Jahre alten Wagen des Löschzugs Habinghorst waren zum Zeitpunkt des Unfalls zum Glück alle angeschnallt. „Aber wir wissen, ohne Sicherheitsgurte gehen solche Unfälle anders aus“, sagt Vogel. In der Stadt lange im Einsatz sein, wird der umgekippte Löschzug Habinghorst aber wohl auch nach der Reparatur nicht.

Warum Feuerwehrleute bei der Anfahrt oft erhöhtem Risiko ausgesetzt sind

Das Löschfahrzeug LF 20 KatS soll neu beschafft werden und kostet 350.000 Euro. Je ein Exemplar bekommen die Löschzüge Habinghorst, Dorf Rauxel, Castrop und Merklinde. © Feuerwehr

Denn durch das Alter soll der Wagen in den kommenden zwei Jahren ersetzt werden, die europaweite Ausschreibung des Auftrags erfolgte am 21. Mai dieses Jahres, die Angebotsfrist endete am 27. Juni. Die Kosten für das neue Fahrzeug werden auf 350.000 Euro geschätzt. Eine stolze Summe. „Wer sich aber etwas mit den Fahrzeugkosten auskennt, weiß, dass es eigentlich ein sehr solider Preis ist“, so Vogel.

Auch der Löschzug Castrop soll ein neues Fahrzeug bekommen

Der Wagen des Löschzugs Habinghorst ist nicht das einzige Fahrzeug, das ersetzt werden soll. Schon im vergangenen Jahr wurden die Aufträge für ein 34 Jahre altes Feuerwehrauto aus dem Zug Merklinde und eines für das Dorf Rauxel vergeben. Im November sollen die Fahrzeuge geliefert werden, pro Auto kostet es 348.698 Euro.

Warum Feuerwehrleute bei der Anfahrt oft erhöhtem Risiko ausgesetzt sind

Das Mittlere Löschfahrzeug MLF soll alte Löschfahrzeuge der Löschzüge Dorf Rauxel und Merklinde ersetzen. © Feuerwehr

In diesem Jahr wird ebenfalls ein Auftrag für ein 25 Jahre altes Fahrzeug ohne zeitgemäße Sicherheitsvorkehrungen aus dem Löschzug Castrop vergeben. Hinzu kommen zwei 37 Jahre alte Fahrzeuge der Jugendfeuerwehr - die kalkulierte Summe liegt bei 175.000 Euro und zwei 23 Jahre alte Kommandowagen (46.000 Euro durch die besondere Ausstattung wie zum Beispiel Warnbalken und Frontblitzer).

In den kommenden Jahren sollen drei Rettungswagen inklusive Medizintechniken wie EKG oder Defibrillator, und jeweils ein weiteres Feuerwehrauto aus dem Löschzug Habinghorst und dem Dorf Rauxel folgen. „Danach entspannt sich die Lage etwas“, so Vogel.

Warum Feuerwehrleute bei der Anfahrt oft erhöhtem Risiko ausgesetzt sind

Drei neue Rettungswagen müssen beschafft werden. © Feuerwehr

Ausrangierte Fahrzeuge werden zum höchsten Preis versteigert

Die ausrangierten Einsatzfahrzeuge werden übrigens nicht einfach verschrottet. „Die Autos sind heiß begehrt, zum Beispiel in Schwellenländern, in denen es keine Abgasnorm gibt. Dadurch werden die abgerockten Fahrzeuge oft über die Zollauktion weggegeben und gehen dann meistens nach Osteuropa oder Afrika“, sagt Vogel.

Lesen Sie jetzt