Warum Habinghorster in den Alpen arbeiteten

Hilfe für Bergbauern

Zehn Tage lang hat das Habinghorster Ehepaar Edelhoff in Südtirol regelrecht von früh bis spät geschuftet. Tag für Tag stand teils schwere körperliche Arbeit auf dem Programm - freiwillig, bis zu zwölf Stunden lang. Trotzdem hat das Astrid und Gerd Edelhoff glücklich gemacht. Sie halfen damit einer Bergbauernfamilie, ihr Überleben zu sichern.

HABINGHORST

, 14.01.2016, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Astrid und Gerd Edelhoff haben zehn Tage als ehrenamtliche Arbeitskräfte auf einem Bauernhof in Südtirol verbracht.

Astrid und Gerd Edelhoff haben zehn Tage als ehrenamtliche Arbeitskräfte auf einem Bauernhof in Südtirol verbracht.

Wie kommen eine Pädagogin und ein Privatier dazu, sich in gut 1500 Metern Höhe bis zur Erschöpfung zu verausgaben? Die Inspiration dafür lieferte ein gemeinsamer TV-Abend des Ehepaars. „Es war Anfang 2015, da haben wir die Serie ‚Die Alpen von oben‘ im TV gesehen. Dort wurde eine Kölnerin vorgestellt, die regelmäßig ihren Jahresurlaub dazu verwendet, ehrenamtlich in der Bergbauernhilfe aktiv zu sein“, erzählt Astrid Edelhoff. Die Reportage beeindruckte das Ehepaar stark.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Castrop-Rauxeler helfen Bergbauern in Südtirol

16.01.2016
/
Das Ehepaar Edelhoff verbrachte zehn Tage als ehrenamtliche Arbeitskräfte auf einem Bauernhof in Südtirol.© Foto: Gerd Edelhoff
Das Ehepaar Edelhoff verbrachte zehn Tage als ehrenamtliche Arbeitskräfte auf einem Bauernhof in Südtirol.© Foto: Gerd Edelhoff
Das Ehepaar Edelhoff verbrachte zehn Tage als ehrenamtliche Arbeitskräfte auf einem Bauernhof in Südtirol.© Foto: Gerd Edelhoff
Die Edelhoffs halfen auch beim Melken der Kühe.© Foto: Gerd Edelhoff
Einer vierköpfigen Bergbauernfamilie griffen die Edelhoffs unter die Arme.© Foto: Gerd Edelhoff
Fünf Pausen gab es jeden Tag.© Foto: Gerd Edelhoff
Astrid Edelhoff musste mit der Handsense Gras mähen.© Foto: Gerd Edelhoff
Schlagworte

So stark, dass sich Gerd Edelhoff gleich am nächsten Morgen vor den Computer setzte, um zu recherchieren, einen Kontakt zu der Organisation suchte, die solche ehrenamtlichen Arbeitseinsätze koordiniert.

Hoch oben in den Bergen

„Einige Wochen später hat man uns dann fünf mögliche Einsatzorte vorgeschlagen. Auf welchem Hof wir arbeiten wollten und für welchen Zeitraum, konnten wir selbst entscheiden“, so Astrid Edelhoff. Sie entschieden sich für einen Bauernhof im Südtiroler Ultental. Mit robuster Arbeitskleidung und Wanderschuhen im Gepäck begann am 5. September das Abenteuer mit der Fahrt zum Einsatzort. Rund zehn Stunden waren die Edelhoffs mit dem Auto unterwegs, um den Bauernhof hoch oben in den Bergen Südtirols zu erreichen, der für die nächsten Tage ihr Zuhause sein sollte.

„Rückwirkend betrachtet, muss man wirklich sagen, dass wir vollkommen ahnungslos waren, als wir dort ankamen“, sagt Astrid Edelhoff. Der 71-jährige Altbauer, seine 66-jährige Frau sowie deren beiden Söhne nahmen die Edelhoffs in ihrer Mitte auf. Die ehrenamtlichen Arbeitskräfte bezogen ein Gästezimmer im Bauernhaus und machten sich daran, den Alltag auf dem Hof kennenzulernen.

Und der besteht hauptsächlich aus Arbeit. Denn die ganze Bauernfamilie muss kräftig anpacken, um den autarken Kreislauf am Laufen zu halten, der hier an der Tagesordnung ist. „Dort funktioniert es auch weitgehend ohne Geld. Die Viehzucht und das Bewirtschaften des Hofs dienen der Familie zum Leben“, sagt Gerd Edelhoff. Wortwörtlich völlig ab vom Schuss – 45 Autominuten bis zum nächsten größeren Ort – mussten sich die Castrop-Rauxeler einbringen und beweisen.

700 Kilo Kartoffeln per Hand geerntet

„Jeder Tag begann für uns um 7.30 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück, danach wurde bis 19.30 Uhr gearbeitet. Pausen haben wir nur für die Mahlzeiten gemacht. Fünf gab es über den Tag – und die hat man auch bitter nötig gehabt, sonst wäre nichts mehr gegangen“, so Astrid Edelhoff. Die Aufgaben, die die Ehrenamtlichen übernahmen, waren vielfältig: „Mit der Handsense wurde Gras geschnitten, wir halfen beim Melken, beim Umschichten des Heus, ernteten 700 Kilo Kartoffeln mit der Hand, versorgten die Tiere oder stapelten das Feuerholz.“

Gerd Edelhoff beschreibt es als ein entschleunigendes Erlebnis. Dazu gehörte es auch, dass die Castrop-Rauxeler am Ende eines Tages um 20 Uhr im Bett lagen – total ausgelaugt. Zurück in der Europastadt musste sich das Paar erst wieder an das alltägliche Leben gewöhnen. Astrid Edelhoff: „Wir mussten uns neu auf das Verkehrsaufkommen einstellen.“ Im September wollen sie zurück auf den Hof – für 14 Tage. 

Anfang der 1990er-Jahre gerieten viele der Südtiroler Bergbauern in Not, da gerade junge Leute der Region in die Städte abwanderten und sinkende Preise für Landwirdschaftsprodukte ihre Existenz gefährdeten. Der Verein "Freiwillige Arbeitseinsätze Südtirol" nimmt eine Vermittlerfunktion zwischen Höfen und Ehrenamtlichen ein. Mehr Informationen gibt es .

Lesen Sie jetzt