Warum Radfahrer im Verkehr nur eine Nebensache sind

mlzRadstreifen im Check

Eine Verkehrswende wird diskutiert: Weg von der Ausrichtung der Städte aufs Auto. Aber wie funktioniert das überhaupt heute mit dem Alltagsradverkehr in Castrop-Rauxel? Wir haben‘s getestet.

von Dieter Düwel

Castrop-Rauxel

, 05.03.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die beiden Hauptachsen B 235 und Bahnhof-/Wartburgstraße bilden in Castrop-Rauxel mit seiner Nord-Süd-Ausdehnung die wichtigsten Verbindungen zwischen den Stadtteilen. Wir sind diese beiden Achsen mit dem Rad abgefahren und haben versucht, die folgenden drei Fragen zu beantworten:

  • Gibt es durchgehend Fahrradwege und wie ist ihre Beschaffenheit?
  • Wie oft sind Fahrradfahrer gezwungen, sich in den Autoverkehr einzureihen?
  • Ist die Verkehrsbeschilderung für Fahrradfahrer eindeutig?

Warum Radfahrer im Verkehr nur eine Nebensache sind

Ein Paradebeispiel dafür, wie ein guter Radweg angelegt wird, ist der Weg entlang der Dortmunder Straße von Schwerin hinab nach Castrop. Davon gibt es aber viel zu wenige im Stadtgebiet.

Wir haben zudem geprüft, wie es mit den Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Altstadt und am Hauptbahnhof aussieht. Ein Überblick über wichtige Strecken und die Infrastruktur.

Die Nord-Süd-Achse Habinghorster Straße, Ringstraße, Wittener Straße (B235):

Um es vorweg zu sagen: Radfahrer, die zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren wollen, müssen auf dieser Achse mit einigen Gefahren rechnen. Der nördliche und mittlere Abschnitt werden eindeutig vom Autoverkehr dominiert, nur der südliche Teil, also die Wittener Straße, bietet Radfahrern ausreichenden Schutz. Unsere Testfahrt haben wir aus gutem Grund an einem Sonntag unternommen, da werktags diese Strecke zu stark von Autos befahren wird. Trotzdem mussten wir feststellen, dass auf der B 235 von Henrichenburg bis zur Dortmunder Straße der Fahrradverkehr bestenfalls geduldet, aber offenbar nicht gern gesehen wird.

Keine Hinweise auf eine Nutzung durch den Radverkehr

Der Mehrzweckstreifen entlang der Bundesstraße ist hauptsächlich für parkende Autos vorgesehen, es gibt keine Hinweise auf eine Nutzung durch den Radverkehr. In Henrichenburg sind diese Streifen durch die entsprechende Beschilderung ausdrücklich dafür reserviert. Meistens bleibt Radfahrern die Wahl, den Gehweg zu benutzen oder sich in den Autoverkehr einzureihen. Zwischen Habinghorst und dem Europaplatz lauert eine zusätzliche Gefahr: Hier sind 70 km/h erlaubt.

Nun zum südlichen Teil der Nord-Süd-Achse: Erheblich sicherer für Radler ist die B 235 zwischen der Rennbahn und der Stadtgrenze zu Dortmund. Ein fast durchgehender Radfahrstreifen trennt den Radverkehr vom Autoverkehr. Geradezu vorbildlich ist die Verkehrsführung auf der Dortmunder Straße am Schweriner Berg. Der Streifen ist zusätzlich durch eine Sperrfläche und farblich von der Fahrbahn abgesetzt.

Warum Radfahrer im Verkehr nur eine Nebensache sind

Solche Radbügel sind der Idealfall.

Die Nord-Süd-Achse Suderwicher Straße, Wartburgstraße, Bahnhofstraße, Altstadtring, Bochumer Straße:

Zwischen der Suderwicher Straße und der Freiheitstraße wurde ein neuer Radweg eingerichtet, der in beiden Richtungen befahrbar ist. Ein Verweilen auf der Kanalbrücke ist möglich, ohne den Autoverkehr aufzuhalten. Ebenfalls sehr positiv ist der lange Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr an der Siemensstraße und dem Engelsburgplatz, auf dem Radfahrstreifen wird Radfahrern ausreichend Sicherheit gegeben.

Recht nervend und auch gefährlich ist allerdings, dass bisweilen Autos trotz Verbot den Radfahrstreifen zum Halten oder sogar Parken benutzen, sodass sich Radfahrende in den Autoverkehr einreihen müssen.

Noch gefährlicher wird es dann in den Abschnitten ohne Radwege, wie auf der Wartburgstraße oder der Bochumer Straße. Beide Straßen sind stark befahren und machen das Radfahren nicht gerade zum Vergnügen. Weitere Risiken bergen die kombinierten Rad- und Gehwege, wo sich Fußgänger und Radfahrende einen Weg teilen müssen. Kein Wunder, dass es oft zu Kollisionen kommt.

Fahrradwege im katastrophalen Zustand

Auf der gesamten Nord-Süd-Achse fallen die schlechten Markierungen auf, vor allem auf der Bahnhofstraße und auf dem Altstadtring. Will man diese mit dem Rad umgehen, ist man auf die Nutzung des Altstadtrings angewiesen. Das sollte man sich allerdings gründlich überlegen: Der Fahrradweg, den man sich mit Fußgängern teilen muss, ist in einem katastrophalen Zustand.

Für den Fall, dass man am Ende des Altstadtrings beabsichtigt, in die Bochumer Straße abzubiegen, wird es sogar gefährlich: Angesichts der sehr tiefen Spurrillen, verursacht durch den starken Autoverkehr, sollte man zu seiner eigenen Sicherheit besser absteigen.

Allerdings gibt es nach Aussage von Martin Kühl-Lukas, Ortsgruppensprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Hoffnung für den Altstadtring: Im Zuge der für dieses Jahr vorgesehenen Sanierung planen die Stadt und Straßen.NRW je eine eigene Fahrradspur in beiden Richtungen. Außerdem sollen einige gefährliche Stellen entschärft werden, wie die Abzweige vom Ring zur Herner Straße.

Ein Geh-Radweg als gute Lösung

Zurück in den Norden: Zwischen Römerstraße und Siemensstraße sind Fahrradfahrer wegen des starken Autoverkehrs oft gezwungen, den Gehweg zu benutzen. Dazu sind sie berechtigt, sie müssen allerdings auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Ein ausgesprochener Radweg steht nicht zur Verfügung. Zwischen Römerstraße und Freiheitstraße werden Radfahrer dann völlig im Stich gelassen. Hier sind sie gezwungen, sich in den Autoverkehr einzugliedern.

Machen wir noch einen kleinen Abstecher zur Klöcknerstraße. Radfahrende gelangen hier auf einem asphaltierten Radweg zügig und sicher von Habinghorst nach Ickern und zurück. Es handelt sich zwar auch um einen Geh-Radweg, allerdings sind auf dieser West-Ost-Verbindung kaum Fußgänger unterwegs.

Warum Radfahrer im Verkehr nur eine Nebensache sind

In der Altstadt: Solche Spiralen sind unbrauchbar.

Wo ist mein Fahrrad sicher? Abstellmöglichkeiten in der Castroper Altstadt und am Hauptbahnhof:

Zum sicheren Alltagsradverkehr gehört auch eine ausreichende Infrastruktur von Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Da die Zahl hochwertiger Räder, gerade E-Bikes oder Pedelecs, ständig steigt, fördern sichere Abstell-Anlagen die Nutzung des Rades im Alltag. Wir haben die Fahrrad-Abstellmöglichkeiten in der Castroper Altstadt und am Hauptbahnhof in Rauxel getestet.

In der Altstadt ist die Infrastruktur zufriedenstellend. An verschiedenen Stellen befinden sich Abstellmöglichkeiten in ausreichender Anzahl, die jedoch zum Teil veraltet sind – wie etwa die einfachen Vorderradhalter am Münsterplatz. Das Problem bei ihnen: Sie können Räder oder Speichen beschädigen. Ebenfalls umstritten sind die Spiralparker vor der Stadtbücherei. Sie bieten weder Standsicherheit noch Diebstahlschutz. Empfehlenswert wären dagegen mehr Anlehnbügel, wie sie am Marktplatz installiert wurden. Sie bieten Stand- und Diebstahlsicherheit jeweils für zwei Fahrräder.

Warum Radfahrer im Verkehr nur eine Nebensache sind

Derartige Fahrradboxen, hier im Bochumer Stadtteil Gerthe, sind am Hauptbahnhof in Rauxel in der Überlegung.

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Was denken Sie über das Fahrradfahren in Castrop-Rauxel? Welche Erfahrungen haben Sie im Alltagsradverkehr auf Castrop-Rauxeler Straßen gemacht? Wie beurteilen Sie die Qualität der Radwege? Fühlen Sie sich als Radfahrer sicher im Straßenverkehr? Kann man unsere Stadt mit dem Rad besser kennenlernen? Was sollte auf jeden Fall getan werden, um das Fahrradfahren in Castrop-Rauxel attraktiver zu gestalten? Unsere Bitte: Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen, Einschätzungen und Problemen teilhaben. Schicken Sie uns per Mail Ihre Erfahrungen. Machen Sie Fotos von den Problemstellen in Castrop-Rauxel und leiten Sie uns diese per Mail zu. Wir wollen Ihre Einsendungen in unserer Serie mit Fachleuten thematisieren. Einsendungen bitte mit dem Stichwort „Radverkehr“ an die Mailadresse: lokalredaktion.castrop@lensingmedia.de

Mit insgesamt 60 Abstellmöglichkeiten (40 auf dem Bahnhofsvorplatz und 20 am Hinterausgang) finden Radfahrende am Hauptbahnhof eine ausreichende Infrastruktur vor. Beeinträchtigt wird dieses generell positive Bild dadurch, dass die Räder auf dem Vorplatz an Ketten angeschlossen werden müssen, die nicht mehr funktionstüchtig bzw. gar nicht mehr abschließbar sind.

Rund um den Hauptbahnhof könnte sich aber laut Michael Werner vom EUV bald etwas tun. Er kündigte abschließbare Fahrradboxen an, die auf dem Berliner Platz aufgestellt werden sollen. Die Boxen können per App dauerhaft oder zeitlich begrenzt gemietet werden. Mithilfe eines persönlichen Codes können sie geschlossen und geöffnet werden.

Noch ungeklärt ist wie berichtet die Zukunft der Radstation am oder im Hauptbahnhof. Hier gilt es, die weiteren Entwicklungen abzuwarten.

Die Beschilderung ist akzeptabel

Castrop-Rauxeler, die auf das Auto verzichten und sich mit dem Rad auf den Nord-Süd-Achsen bewegen wollen, müssen einige Gefahren in Kauf nehmen. Leider werden sie zu oft gezwungen, sich in den Autoverkehr einzugliedern oder den Gehweg zu benutzen.

Akzeptabel dagegen ist die Beschilderung für Radwege. Markierungen auf den Wegen müssen jedoch in den meisten Abschnitten erneuert werden. Wünschenswert wären Radfahrstreifen, auf denen Poller, Kübel oder markierte Schutzzonen die Radfahrenden vor dem Autoverkehr, achtlos aufgerissenen Autotüren und unerlaubtem Parken schützen.

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