Wasserstoff-Disput: Brauchen wir das in Castrop-Rauxel oder ist es zurzeit noch zu früh?

mlzBrennstoffzelle

Castrop-Rauxel liege perfekt für eine Wasserstoff-Tankstelle für den Verkehr der Zukunft, hieß es. Aber wird das was? Die FDP treibt es voran. Der Rückhalt ist aber gering. Das hat Gründe.

Castrop-Rauxel

, 27.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Castrop-Rauxel und die Verkehrswende: Wie schaffen wir es, vom Verbrennungsmotor wegzukommen? Diese Frage stellt man sich seit Jahren: immer mal wieder politisch, bei der Klimaschutz-Beauftragten Karin Graf (die inzwischen unter dem Dach des EUV arbeitet) und im Verwaltungsvorstand.

Könnte eine Wasserstoff-Tankstelle ein Bestandteil sein? Oder könnte man gar eine Wasserstoffwende schaffen, die zusammen mit der Elektromobilität forciert wird?

FDP treibt Thema Brennstoffzelle voran

Die FDP treibt dieses Thema seit Frühjahr voran. Sie brachte es in die Ausschussrunde im März ein: Man solle kurzfristig eine Arbeitsgruppe Brennstoffzellenantrieb einberufen. Damit ist eine Antriebsform gemeint, bei der Wasserstoff als Treibstoff einen Motor antreibt.

In wenigen Busflotten in Deutschland kommt diese Technik schon zum Einsatz, auch für Züge gibt es Pionier-Projekte. In Herten gibt es sogar ein Netzwerk, das H2-Anwenderzentrum: Auf einem ehemaligen Zechengelände arbeiten unterschiedliche Firmen aus diesem Bereich an Zukunftsprojekten.

Experte Frank Koch hebt Castrop-Rauxel hervor

Die FDP erkannte in Zusammenarbeit mit Experte Frank Koch von der Energieagentur NRW das Potenzial, das darin für Castrop-Rauxel steckt, und machte sich zum Vorreiter vor Ort. Koch meinte im Interview mit unserer Redaktion, dass die Stadt gut geeignet sei für den Standort einer Wasserstoff-Tankstelle. Und wenn man die habe, sei das eine gute Startvoraussetzung.

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Es bestünde allerdings etwas Zeitdruck, denn zurzeit würden die ersten 100 Tankstellen in Deutschland gebaut. Darum wollte die FDP Tempo ins Thema bekommen.

Antrag der FDP scheiterte - mit einem Kompromiss

Sie scheitererte damals mit ihrem Antrag: In einem Ausschuss stimmte eine Mehrheit der Mitglieder dafür. Bei der Ratssitzung fiel das Ergebnis aber anders aus. Man wolle nicht für jedes Thema einen Arbeitskreis, um sich nicht in einem Sitzungsurwald zu verlieren, so der Tenor aus der Politik.

Kompromissvorschlag von Bürgermeister Kravanja war ein Treffen auf Einladung des EUV-Stadtbetriebs. Das Treffen fand Mitte September statt - und die FDP reagierte ernüchtert.

Warum war die SPD und die Stadtspitze nicht da?

Dem Gesprächsangebot blieben SPD-Vertreter genauso fern wie Vertreter der Stadtspitze. „Nach eigenen Angaben sprach der stellvertretende EUV-Vorstand Thorsten Werth-von-Kampen aber auch für die Verwaltung“, so FDP-Fraktionschef Nils Bettinger.

Das Resümee lautete nach Bettingers Auffassung trotz eines werbenden Expertenvortrags von Frank Koch: Man sehe keine Notwendigkeit für einen lokalen runden Tisch in Castrop-Rauxel. Der EUV sei mit keinem Wort auf die Ausführungen des Referenten eingegangen.

„Wir haben eine Riesenchance vertan“

„Das kann nur bedeuten, dass dort kein Interesse an Innovation auf dem Gebiet Wasserstoff, speziell Brennstoffzellenantrieb in und für Castrop-Rauxel vorhanden ist“, findet Bettinger. Er postuliert, man nehme das Heft nun selbst in die Hand. „Wir haben eine Riesenchance vertan.“

Daniel Molloisch, Fraktionschef der SPD, sagte, man habe so spontan auf die EUV-Einladung, die fünf oder sechs Tage vor dem Termin gekommen sei, keine Zeit gehabt. Er selbst als Mitglied des Umweltausschusses hätte Interesse, aber nicht gekonnt.

SPD: „Begrüßen die Aufnahme von Aktivitäten“

In dieser Woche schrieb der SPD-Stadtverband nun in einer Pressemitteilung, man begrüße die Aufnahme von Aktivitäten. „Bei aller Offenheit gegenüber dem Thema Wasserstoff müsse jedoch auch die konkrete Umsetzbarkeit in Castrop-Rauxel Berücksichtigung finden“, so Pressesprecher Jan-Philip Hermes.

Die regenerative Erzeugung von Wasserstoff sei laut EUV noch nicht möglich, sodass Wasserstoff teuer eingekauft werden müsste. Daher mache es zwar Sinn, die Anstrengungen des EUV in Sachen Wasserstoff weiter auszuweiten und den bereits laufenden informativen Austausch mit größeren Kommunen, die Brennstoffzellenfahrzeuge nutzen, zu intensivieren.

E-Mobilität bleibt für größte Fraktion erstes Thema

Solange die Technik noch nicht serienreif sei und hohe Kosten verursache, die auf Bürger umgelegt werden müssten, bleibe Elektromobilität in Castrop-Rauxel aber erstes Thema. Daniel Molloisch: „Aktuell betreiben wir bei EUV und Stadt neun E-PKW, die zu 100 Prozent aus regenerativ erzeugtem Strom über die Photovoltaikanlage des EUV versorgt werden.“

Die Städte Bottrop, Gladbeck, Herne, Herten und Marl sind Mitglieder des H2-Netzwerks, das Akteure aus Wirtschaft, Kommunen und Verbrauchern verknüpft. Die FDP will das auch werden. „Wir sind bereit, der Verwaltung aus dem politischen Raum die richtigen Impulse zu geben“, so Bettinger.

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