Wege aus der Einzelhandelsfalle: Ideen von Professor Claudius Schmitz für Castrop-Rauxel

mlzStadtmarketing

„Die Seele einer Stadt und das, was vielen jungen Leuten gefällt, sind das, was eine Stadt anders macht als eine andere.“ Professor Claudius Schmitz gibt hilfreiche Tipps für Castrop-Rauxel.

Castrop

, 30.03.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Claudius Schmitz, Professor für Handel und Marketing an der Westfälischen Hochschule, war am Montagabend Gastredner bei der Jahreshauptversammlung von Casconcept. Das ist der Zusammenschluss von Gewerbetreibenden und Händlern in der Altstadt, der sich seit Jahren für ein gemeinsames Auftreten der Stadt, vor allem der Castroper Altstadt, einsetzt. Wir sprachen mit Schmitz, der in einem 30-minütigen Vortrag Tipps gab, wie eine Stadt wie Castrop-Rauxel aus der Einzelhandelsfalle zwischen Großstädten, Einkaufszentren und dem Internethandel kommen könnte.

Das Interview können Sie nachlesen (unten) oder sich als Video in fünf Minuten anschauen.

Video
Professor Schmitz: Das müsste Castrop-Rauxel tun

Sie haben bei den Mitgliedern von Casconcept einen Vortrag gehalten darüber, was Castrop-Rauxel möglicherweise tun könnte, um sich in der Umgebung besser darzustellen und abzuheben. Was ist Ihr zentraler Rat?

Naja, es ist schwierig, einer Stadt als Außenstehender gute Tipps zu geben, was die Stadt tun sollte. Aber ich habe natürlich auch einen guten Ratschlag zu geben, der ein bisschen Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte. Beispielsweise, dass man sich dem Thema Start-Ups, neuen Ideen von jungen Unternehmensgründern annimmt und versucht, zum Beispiel in einzelnen Flächen oder bestehenden Läden in Castrop branchenähnlich einfach mal zu experimentieren, neue Produkte in den Laden hereinzubringen und das zu kommunizieren. Das ist wichtig, denn nur das, was kommuniziert wird, zum Beispiel über die Presse, das erfahren die Menschen. Darüber kann man Aufmerksamkeit erregen.

Castrop-Rauxel als kleine, arme Stadt mit vielen Schulden, großen schillernden Nachbarn wie Dortmund, Einkaufszentren in der Umgebung, die über die Jahre auf der grünen Wiese auch noch gewachsen sind wie das Centro oder vor allem der Ruhrpark und dem neuen Wettbewerber Internethandel - die Stadt ist doch total dem Untergang geweiht, oder nicht?

Nein, das funktioniert hervorragend! Weil man in diesen großen Städten überwiegend die Filialisten findet, die es in allen Städten gibt. Das ist langweilig! Die wirkliche Seele einer Stadt und das, was vielen jungen Leuten gut gefällt, sind das, was eine Stadt anders macht als eine andere. Wo es Geschäfte gibt, die tatsächlich noch inhabergeführt sind oder eben besonders freundlich, besonders persönlich orientiert ist. Ich glaube, das ist die Zukunft als ein Gegenpart zum Internet. Im Internet, da lernst du keine Leute kennen, die dir was verkaufen. Wenn du in die Stadt fährt, kannst du den Berater und deinen Verkäufer sehen. Möglicherweise bieten sie dir ihre Produkte zum gleichen Preis an.

Mit welcher Begründung sollte ich mich als Kreativer denn dann für Castrop-Rauxel entscheiden und nicht für ein Szeneviertel wie das Saarlandstraßen- oder Kreuzviertel in Dortmund? Dort funktionieren Kreativläden, vielleicht aber auch nur, weil es in einer Großstadt eine größere Kundschaft dafür gibt.

Ich glaube, dass Castrop gerade, weil es so ungewöhnlich ist für so ein Mittelzentrum, besondere Aufmerksamkeit erreichen kann. Weil es anders ist als Dortmund. Sowas würde man hier nicht vermuten. Das ist gepaart mit dem wunderbaren inhabergeführten Einzelhandel, den es da gibt. Da ist Einkaufen einfach Erlebnis dadurch, dass die Leute das anbieten, was ich will: Freundlichkeit, gute Beratung - und wenn Dinge nicht da sind, kann ich sie übers Internet über den Onlineshop des Castrop-Rauxeler Anbieters bestellen.

Was muss Castrop-Rauxel konkret tun? Wenn Sie Politiker wären hier in der Stadt, was würden Sie vorschlagen?

Ich würde einen Stadtmarketing-Kreis bilden mit sehr unterschiedlichen Personen: ein paar junge Leute, ein paar Studenten, ein paar Leute aus verschiedenen Disziplinen wie Informatik, von der Wirtschaftsförderung, eine Gruppe von vielleicht sieben oder ein paar mehr Leuten, die sich jetzt Gedanken machen über neue Ideen, wie man sie umsetzen kann... Aber ich würde zunächst einmal eine Stadtmarketing-Gesellschaft gründen.

Das wäre meine nächste Frage gewesen. Es ist ja angedacht, so eine Gesellschaft zu gründen. Die Politik entscheidet das im Stadtrat nächste Woche...

Das ist genau die richtige Idee für Castrop, weil die Menschen, die in der Stadtverwaltung arbeiten, diese ganzen Ideen gar nicht generieren können. Wenn unterschiedliche Leute jetzt zusammenkommen, hat man die Möglichkeit, auch mal zu experimentieren und Dinge von verschiedenen Seiten aus zu beleuchten. Das kann die Stadtverwaltung nicht leisten. Von daher finde ich, das ist eine geniale Idee.

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