Shoppen an den Adventsonntagen: Einzelhändler halten nichts davon

mlzCorona-Schutzverordnung

In NRW sollen dieses Jahr an allen Adventsonntagen die Geschäfte öffnen dürfen. Ausnahmsweise. Wegen Corona. Doch was gut gemeint ist, begeistert die Castrop-Rauxeler Geschäftsleute nicht.

Castrop-Rauxel

, 30.09.2020, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wovon manch ein Ladenbesitzer vielleicht mal geträumt hat, könnte dieses Jahr Realität werden: Geschäfte in Nordrhein-Westfalen sollen an Sonntagen rund um Weihnachten öffnen dürfen. Genauer: am 29. November, am 6., 13. und 20. Dezember sowie am 3. Januar. Zwischen 13 und 18 Uhr. Das sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch, als er die neue Corona-Schutzverordnung vorstellte.

Die Idee dahinter hat denn auch nichts mit Gewinn machen zu tun. Sondern mit Gesundheit. Sind die Läden an sieben statt an sechs Tagen die Woche geöffnet, verteilen sich die Weihnachts-Einkäufer besser. Es wird nicht so voll in den Innenstädten und damit sinkt das Risiko, mit den Festtagseinkäufen auch eine Corona-Infektion nach Hause zu tragen. Das zumindest hofft die Landesregierung.

Ladenbesitzer Reiter ist skeptisch

Jens Reiter, Inhaber von „Reiter Fashion“ in der Castrop-Rauxeler Altstadt, bezweifelt stark, dass dieser Plan aufgeht: „Ich weiß nicht, ob das die Top-Lösung ist“, sagt er. Man habe doch die in der Altstadt ursprünglich geplanten verkaufsoffenen Sonntage extra wegen Corona abgesagt. „Damit es nicht so rappelvoll wird.“ Und jetzt fünf Sonntage mit offenen Geschäften?


Rein aus Händlersicht betrachtet, finde er das Shoppen an einem Sonntag „super“, sagt er. So ein Tag sei „wichtig“ fürs Geschäft. Eben weil an Sonntagen so viele Kunden kämen. Genau daher glaube er aber nicht, dass weitere verkaufsoffene Sonntage Kundenströme entzerren könnten. Vielmehr kämen an den anderen Tagen weniger, um dann am Sonntag einzukaufen. „Damit könnte das Ganze kontraproduktiv sein“, sagt er. „Was nützen mir volle Kassen, wenn die Infektionsgefahr hoch ist?“, fragt Reiter.

Jens Reiter, Inhaber von „Reiter Fashion“, fürchtet, es könnte zu voll werden an verkaufsoffenen Sonntagen im Advent.

Jens Reiter, Inhaber von „Reiter Fashion“, fürchtet, es könnte zu voll werden an verkaufsoffenen Sonntagen im Advent. © Marcel Witte

Wo soll das Personal für die Sonntage herkommen?

Auch Armin Fiolka, Möbelgeschäft-Inhaber und Sprecher der Gewerbetreibenden in Habinghorst, hält nichts vom Shoppen an den Adventsonntagen. „Wenn man die Infektionszahlen sieht und die Prognosen für den Winter, muss man den Menschen nicht noch mehr Gelegenheiten bieten, einkaufen zu gehen“, sagt er. Zudem sei es schwierig, Personal für die Adventsonntage zu bekommen, so Fiolka.

Das gibt auch Martina Tielker, Inhaberin des Buchladens „Leselust“ in der Altstadt zu bedenken: „Die Angestellten brauchen auch mal frei“, sagt sie. Die Idee, Besucherströme zu entzerren, sei generell „wunderbar“. Denn ihr kleiner Laden komme schnell an seine Corona-Abstands-Grenzen, wenn es voller in der Stadt wird. „Und nicht jeder hat Lust, bei schlechtem Wetter vor der Tür zu warten“, sagt Tielker. Ihr wäre aber mehr geholfen, wenn sie abends länger öffnen könnte als an den Adventssonntagen, sagt sie.

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Ob es die in Castrop-Rauxel letztlich geben wird, hängt laut Stadt davon ab, wie der Rat entscheidet. Thema könnten die Sonntage frühestens bei der übernächsten Sitzung sein. Am 5. November.

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